Savedo erweitert Angebot: Ein Fintech macht auf Goldgräber

Savedo erweitert Angebot: Ein Fintech macht auf Goldgräber

, aktualisiert 17. Oktober 2016, 12:25 Uhr
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Im Schweizer Zollfreilager sollen Kunden ihr Edelmetall besuchen können.

von Ingo Narat und Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Beim Berliner Fintech Savedo können Kunden ab sofort auch Gold und Silber kaufen. Die Edelmetalle werden steuergünstig in der Schweiz gelagert. Bisher wurde das Geschäft nur von traditionellen Händlern betrieben.

FrankfurtGoldgräberstimmung verbreiten junge Fintechs nur allzu gerne. Der Handel mit den Edelmetallen stand bislang aber nicht in ihrem Fokus. Die Berliner Plattform Savedo will das ändern, ab heute können Kunden darüber physisches Gold und Silber kaufen. Gelagert wird dies in einem Schweizer Zollfreilager, das spart Steuern.

Savedo gehört neben Weltsparen und Zinspilot zu den bekanntesten deutschen Plattformen, die Zinskonten von Banken im europäischen Ausland vermitteln. Der Anbieter aus Berlin spricht aktuell von einer „fünfstelligen Kundenzahl“ in Deutschland, Österreich und den Niederlanden und einem „höheren dreistelligen Millionenbetrag“, der über seine Plattform angelegt wurde. Die sieben Partnerbanken stammen aus Deutschland, Tschechien, Kroatien und Portugal. Sie bieten aktuell 50 verschiedene Festgeldprodukte an.

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Der durchschnittliche Savedo-Kunde legt über die Plattform 30.000 Euro an, gehört zur normalen bis oberen Mittelschicht und ist älter als 50 Jahre. Diese Zielgruppe interessiert sich nach Überzeugung von Savedo-Mitgründer Christian Tiessen auch für Investments in Edelmetalle. Gewinnen will er sie mit Argumenten wie „100 Prozent versicherter Einlagerung, niedrigen Lagergebühren, Zollfreiheit, Umsatzsteuerbefreiung und Kapitalsteuerbefreiung bei Lagerung über einem Jahr“. Ermöglicht wird der Kauf durch eine Kooperation mit dem Edelmetallhändler Taurus Sachwerte AG mit Sitz in Liechtenstein. Von ihm kommt auch der Preis, der den tagesaktuellen Briefkurs darstellt.

Grundsätzlich kommen für die Lagerung von Edelmetallen Schließfächer und Lager an verschiedensten Standorten in Frage. Traditionelle Händler sind hier schon lange aktiv. „Wir bieten in unseren Niederlassungen Schließfächer an, im Inland und Ausland“, sagt Oliver Heuschuch, Leiter Goldhandel bei Degussa Goldhandel.

Wegen steigender Nachfrage würden die Kapazitäten ständig erweitert. „ Aktuell bauen wir auch unter unserem Museumsneubau in Frankfurt eine größere Schließfachanlage“, ergänzt er. Ebenso könnten Kunden in Hochsicherheitslagern im In- und Ausland Metalle einlagern.


„Wer möchte, kann sein Gold besuchen“

Solche Angebote offeriert beispielsweise auch Pro Aurum. Die Münchner Firma hat Schließfächer in Zürich verfügbar. „Das erweitern wir noch, dort wird auch Bargeld verwahrt“, sagt Firmenchef Robert Hartmann. Das Zollfreilager in der schweizerischen Hauptstadt nutzten Kunden vor allem aus Steuergründen. „In Deutschland muss der Kunde 19 Prozent Mehrwertsteuer für Silberbarren zahlen, die spart er, wenn er dort einlagert und sich die Ware nicht ausliefern lässt“, sagt Hartmann. Die jährlichen Lagerkosten betragen bei Silber bis zu 100.000 Schweizer Franken 1,75 Prozent des Metallwertes, bei Gold und bei den anderen Weißmetallen Platin und Palladium 0,75 Prozent.

Auch bei Savedo zahlt der Kunde für die Lagerung eine Gebühr, die sich nach dem Wert der eingelagerten Edelmetalle richtet. Sie ist in jeweils sechs Stufen gegliedert: Für Silber im Wert von beispielsweise 5.000 bis 99.999 Euro werden Gebühren von 1,50 Prozent pro Jahr fällig, ab einer Millionen Euro sind es noch 0,75 Prozent. Bei Gold im Wert von 5.000 bis 99.999 Euro liegen die Gebühren bei jährlich einem Prozent. 5.000 Euro sind hier die Mindesteinlagesumme.

Weißmetalle sind mit einer Mehrwertsteuer belegt. Deshalb werden vor allem sie eingelagert, in erster Linie betrifft das Silber. Wer das Metall anschließend doch nach Deutschland holen will, der bekommt zunächst die schweizerische Umsatzsteuer von acht Prozent rückerstattet, muss an der Grenze dann aber die 19 Prozent zahlen. Gold spiele hier nur für vermögende Anleger eine Rolle, die ihren Metallbesitz über mehrere Länder verteilen wollen, so Pro Aurum, die auch ein Zollfreilager in Hongkong anbieten.


Savedo-Geschäftsführer Tiessen sieht neben den Steuervergünstigungen auch die physische Greifbarkeit der Metalle als Vorteil. „Wer möchte, kann in die Schweiz fahren und sein Gold oder Silber dort besuchen“, sagt er. Wie bei den Festgeldgeschäften erhält Savedo für die Vermittlung der Anlagen eine Provision von der Taurus Sachwerte AG.

Quelle:  Handelsblatt Online
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