Schulterschluss in Wien: Fragiler Ölpreisanstieg

Schulterschluss in Wien: Fragiler Ölpreisanstieg

, aktualisiert 12. Dezember 2016, 15:35 Uhr
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Opec-Präsident Mohammed Bin Saleh Al-Sada (Mitte) vereint mit dem saudischen Ölminister Khalid Al-Falih (rechts) und dem russischen Energieminister Alexander Nowak.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Das Ölkartell Opec hat sich mit Nicht-Mitgliedsstaaten geeinigt, weniger Öl zu produzieren. Das soll die Preise zugunsten der Produzenten stabilisieren. Der Beschluss ist historisch – doch wird er auch umgesetzt?

FrankfurtWas für Mario Draghi die „Whatever-it-takes“-Rede war, könnten für Saudi-Arabien die Worte seines Ölministers vom vergangenen Samstag sein: „Ich kann ihnen mit absoluter Sicherheit sagen, dass wir ab 1. Januar unsere Produktion kürzen, und zwar wesentlich, sodass wir letztlich unter dem Niveau liegen, auf das wir uns am 30. November festgelegt hatten“, sagte Khalid Al-Falih Reportern in Wien. Vorausgegangen war eine historische Einigung der Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) mit elf Nicht-Mitgliedsstaaten.

Bereits am 30. November hatte die Opec erstmals seit acht Jahren beschlossen, weniger Öl zu fördern – so will das Kartell ab 2017 für ein halbes Jahr seine Tagesförderung um 1,2 Millionen Barrel (à 159 Liter) auf 32,5 Milliarden Fass reduzieren. Am Wochenende erklärten sich nun auch elf Nicht-Mitglieder bereit, ihre Förderung täglich um insgesamt 558.000 Barrel zu reduzieren. produzieren. Der wichtigste Nicht-Opec-Partner ist zweifelsohne Russland, der derzeit größte Ölproduzent der Welt. Zudem beteiligten sich Staaten wie Mexiko, Oman, Malaysia und eine Reihe kleinerer Förderer an dem Deal. Das Abkommen gilt ab Januar zunächst für ein halbes Jahr und hat die Option, um weitere sechs Monate verlängert zu werden.

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Werden beide Maßnahmen wie versprochen umgesetzt, würde dies das Überangebot am Ölmarkt in ein Angebotsdefizit verwandeln. Diese Aussicht lässt die Preise am Montag kräftig steigen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich am Montagmorgen zeitweise um sieben Prozent auf knapp 58 Dollar.

Die Produzenten feiern ihren Beschluss, an dem sie seit mehr als einem Jahr gearbeitet haben, wie Russlands Energieminister Alexander Nowak berichtet. Sowohl er als auch die Opec werden nicht müde zu betonen, dass es sich um freiwillige Einschränkungen handle. Habe man bei vergangenen Kürzungen einige Staaten noch regelrecht zu einer Einigung zwingen müssen, sei dies heute anders, erklärt Emmanuel Ibe Kachikwu dem US-Fernsehsender CNBC. „Jeder realisiert, dass wir dies jetzt tun müssen. Es geht um das Überleben der Wirtschaft von einem Großteil der Opec-Staaten sowie Nicht-Opec-Ölförder-Staaten“, sagte Kachikwu. Er wünscht sich einen Preis von 60 Dollar je Barrel.

Während die Investoren am Ölmarkt schon im vorauseilenden Gehorsam agieren, bleiben trotz aller Euphorie noch einige Fallstricke. Allen voran ist klar: Ein Beschluss ist noch keine Umsetzung. Analysten bleiben skeptisch. Jene der Commerzbank neigen nahezu zum Zynismus, indem sie fragen: „Historischer Beschluss oder historischer Bluff?“


Was können die Nicht-Opec-Staaten leisten?

Es bleibe weiterhin fraglich, wem man etwa in Russland glauben darf: Dem Energieminister und seinem Kürzungsversprechen oder den Ausweitungsplänen der Ölunternehmen? Zudem habe Saudi-Arabien seine Produktion im November erneut erhöht, auf das Rekordniveau von 10,72 Millionen Barrel. Das entspricht etwa elf Prozent der globalen Produktion. Will der saudische Ölminister Al-Falih sein Versprechen über drastische Kürzungen nachkommen, müsste das Königreich schon ab Januar 700.000 Barrel weniger fördern. „Wir fürchten, dass sich die Freude der Ölproduzenten über den hohen Ölpreis bald eintrüben und ‚rächen‘ wird, wenn sich die Marktstimmung wieder dreht.“

Ähnlich sieht es Spencer Welch, Ölanalyst von IHS Markit. „Die Kürzungen der Nicht-Opec-Staaten schließen auch natürliche Rückgänge wie etwa in Mexiko mit ein“, sagte Welch. Außerdem zweifelt er daran, dass die Opec auch kürzt, was sie verspricht. Die Staaten würden sich eher zu 60 als zu 100 Prozent an die Abmachung halten, schätzt Welch.

Eines habe der Deal den Experten der Energieanalysefirma JBC Energy zufolge zumindest schon erreicht: eine exzellente Marketing-Strategie. Doch einen Erfolg des Abkommens macht JBC Energy von drei Faktoren abhängig: Erstens müsse nun auch die Umsetzung der Pläne erfolgen. Nur so könne der Preis nachhaltig stabil bleiben.

Zweitens komme es darauf an, wie die Einschränkungen am Markt aufgenommen werden. Russland hat bereits angekündigt, bis Mai seine Produktion erst vorsichtig zu kürzen, um sicherzustellen, dass der Deal auch tatsächlich umgesetzt wird. Zudem erklärt JBC Energy, dass sie ohnehin für mindestens die Hälfte jener am Abkommen beteiligten Nicht-Opec-Staaten für das kommende Jahr sinkende Fördermengen prognostiziert habe – und zwar ganz unabhängig von den jetzigen Versprechen. Für andere wiederum sei die Kürzung zudem viel zu gering, als dass sie einen nachhaltigen Effekt am Markt haben könnte. Beispiel gefällig? Der Sudan etwa fördert derzeit knapp 100.000 Barrel täglich. Das entspricht 0,1 Prozent allen weltweit geförderten Öls.

Schließlich wäre da drittens noch der Effekt, den steigende Preise auf die Nachfrage und – nicht zuletzt – das Angebot aus anderen Quellen habe. Gemeint sind allen voran die Schieferölunternehmen in den USA. Nach Meinung vieler Experten lohne sich das Geschäft für einige der Förderer bei den aktuellen Preisen wieder. Je mehr Öl kostet, desto größer der Anreiz, wieder größer einzusteigen. Schon bis zur vergangenen Woche ist die Zahl der Bohrlöcher in den USA auf den höchsten Stand seit Januar gestiegen.

Eine der größten Schlüsselfragen aber bleibe: Wie lang können die Staaten mit den Kürzungen und somit niedrigeren Produktionsmengen auskommen? „Wir haben unsere Zweifel“, schreiben die Experten von JBC Energy. Mit allzu langen Versprechen halten sich bislang übrigens alle Parteien zurück: Das Abkommen hat ein „Verfallsdatum“. Es gilt vorerst für sechs Monate und kann dann möglicherweise um weitere sechs Monate verlängert werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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