Selbstversuch: Warum Bitcoins so verlockend sind

Selbstversuch: Warum Bitcoins so verlockend sind

, aktualisiert 29. Mai 2017, 20:28 Uhr
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Die Neugier hat gesiegt.

von Astrid DörnerQuelle:Handelsblatt Online

Kurssprünge von 2000 Prozent? Riesenpotenzial? Der Hype um digitale Währungen hat auch Handelsblatt-Redakteurin Astrid Dörner gepackt. Doch wie kauft man eigentlich Bitcoins und Ether? Und wo lauern die Risiken?

Ich gebe zu, ich bin im Rausch.

Ich gebe zu: Dies ist keine rationale Entscheidung. Ich bin im Rausch des digitalen Geldes. Es ist einfach zu verlockend. Hätte ich vor sieben Jahren für 100 Dollar Bitcoins gekauft, wären sie heute 72,9 Millionen Dollar wert. 72,9 Millionen! Da kann noch nicht mal die Aktie von Warren Buffetts Berkshire Hathaway mithalten. Und hätte ich im Januar für 100 Dollar Ether gekauft, hätte ich sie heute gegen 240.000 Dollar eintauschen können. Es ist verrückt.

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Rund 700 sogenannter Krypto-Währungen gibt es derzeit. Bitcoin ist die bekannteste, Ether der neue aufstrebende Star in der Welt des digitalen Geldes. Was die Kurse treibt, weiß ich nicht. Auch nicht, wie das mit den Krypto-Währungen und der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie genau funktioniert. Es ist mir egal. Ich stelle mir eine einfache Frage. Was würde mich mehr ärgern: Einzusteigen und möglicherweise Geld zu verlieren oder nicht einzusteigen und zusehen, wie andere Leute möglicherweise sehr schnell sehr reich werden. Ich will einsteigen, Bitcoin und Ether kaufen – in überschaubaren Summen, natürlich. Und doch so, dass es sich lohnt, falls die Kurse noch einmal um tausende Prozent nach oben schießen sollten.

Doch der Einstieg in die Welt der Krypto-Währungen erfordert Hartnäckigkeit, Geduld, und einiges an Recherche. Und statt satter Rendite gab es in den ersten Tagen gleich fette Verluste. Ein Erfahrungsbericht in vier Phasen.

Phase eins: Error

Wo kauft man eigentlich Bitcoins? Ich frage einen Freund aus den USA. Er schickt mich zu Coinbase. Das ist die weltgrößte Handelsplattform für Krypto-Währungen. Größe ist ein gutes Argument. Ich erinnere mich vage, dass Bitcoin-Börsen schon Pleite gegangen sind. Warum nicht beim Marktführer starten? Doch schon gleich der erste Dämpfer: „Error 520. Web Server is returning an unknown error“, heißt es dort. Auch auf Twitter beschweren sich Kunden, dass sie „schon wieder“ nicht auf ihr Konto zugreifen können, weil die Seite nicht erreichbar ist. Vielleicht doch eine andere Börse?

Eine schnelle Google-Suche führt mich zu der Handelsplattform Kraken, Sitz im Silicon Valley, seriös wirkende Webseite. Zweiter Versuch. Es klappt! Ich kann mich anmelden. Dann der nächste Dämpfer. Geburtsdatum, Wohnort und Telefonnummer müssen verifiziert werden, bevor ich auch nur irgendeine Währung kaufen kann, heißt es unter dem Menü-Punkt „Get Verified“. Und das kann bis zu 48 Stunden dauern. Uff. So lange will ich nicht warten. Der Kurs von Bitcoin und Ether steigt und steigt. Ich will jetzt kaufen. Sofort. Gibt es nicht auch eine Börse in Deutschland? Gibt es. Bitcoin.de „Bitcoin-Marktplatz Made in Germany“, heißt der Slogan. Klingt gut. Doch auch da: Error. Die Seite ist nicht erreichbar. Mir reicht’s für heute.


Ich kaufe

Phase 2: Warum ist das hier alles so kompliziert?

Neuer Tag, neues Glück. Bitcoin.de funktioniert. Ich melde mich an. Was steht da? Wer ein Konto bei der Fidor-Bank hat, kann binnen Minuten Bitcoins kaufen. Hab ich nicht. Fidor-Bank? Das sagt mir auch gar nichts. Und jetzt noch ein extra Giro-Konto zu eröffnen, nur damit ich auf einem anderen Konto Bitcoins haben kann? Ich wollte doch nur schnell ein paar Bitcoins kaufen… Es gibt auch einen anderen Weg. Doch der erfordert – natürlich – etwas mehr Geduld. Bitcoin.de verifiziert mein Bankkonto, in dem ich 9,90 Euro per Sofort-Überweisung zahle. Das dauert nur wenige Minuten.

Jetzt kann es losgehen. Der Marktplatz sieht altbacken aus. Ich kann nur jene Mengen kaufen, die die Verkäufer gerade anbieten, oder eine Mindestmenge davon, die der Verkäufer ebenfalls festlegt. Da wären zum Beispiel 0,3 Bitcoins für 659 Euro oder 8 Bitcoins für 17.395 Euro. Ich wähle ein Angebot aus. Doch dann schon wieder ein Haken. „Diese Bitcoins können nur über den Express-Handel gekauft werden“ heißt es plötzlich. Und: „Eröffnen Sie jetzt Ihr kostenloses FIDOR-Bankkonto und erleben Sie Bitcoin-Handel in Echtzeit.“

Mist. Ich klicke weitere Angebote an. „Das gewünschte Angebot ist nicht mehr verfügbar.“ Das passiert gleich drei Mal. Frust macht sich breit. Normalerweise würde ich jetzt aufgeben. Doch dies ist eben nicht normal. In den vergangenen Tagen hat der Bitcoin-Kurs zuerst die 2000-Euro-Marke geknackt und dann mehrere hundert Euro zugelegt. Da kann ich nicht einfach zusehen. Also weiter geht’s.

Endlich ein Angebot. 0,2 Bitcoin zum Preis von 553,48 Euro. Das kommt mir viel vor. Hochgerechnet auf einen Bitcoin wären das 2740 Euro.. soll ich? Soll ich nicht? Ach was soll‘s. Ich kaufe. Per Sofortüberweisung schicke ich das Geld an den Verkäufer. Innerhalb einer Stunde muss ich den Kauf noch einmal separat bestätigten. Und dann heißt es: Wieder warten. Denn erst, wenn der Verkäufer den Erhalt des Geldes bestätigt, kommen die Bitcoin auf mein Konto bei Bitcoin.de


Es musste ja so kommen

Phase 3: Es geht abwärts

Endlich: Am nächsten Tag kommt die Email: „Kauf von Bitcoins erfolgreich“ steht im Betreff. Ich besitze 1,9998 Bitcoin. Der Rest (2,77 Euro) geht für Gebühren drauf. Mich beschleicht das Gefühl, zu viel bezahlt zu haben. Ich verdränge es. Ich will ja auch noch Ether kaufen. Das geht allerdings nur über eine andere Plattform. Ich versuche anycoindirect.eu. Anmelden geht schnell. Via Skype kann mich ein Mitarbeiter verifizieren. Ich halte dazu meinen Pass in die Kamera meines Laptops. Und schon kann es losgehen. Als Anfänger kann ich für maximal 500 Euro Ether kaufen – ebenfalls via Sofort-Überweisung. Mir gefällt, dass ich hier einfach eingeben kann, wie viel Ether ich kaufen oder wie viel Geld ich dafür ausgeben will.

Dafür brauche ich jedoch einen separaten „Wallet“ – also eine Art digitale Geldbörse, auf der ich meine Ether sichern kann. Ich melde mich bei Ether.li an – einem kostenlosen Dienst, den ich ebenfalls durch eine schnelle Google-Recherche ausfindig gemacht habe. Dort bekommt man eine Art Kontonummer, mit der ich meinen Kauf bei Anycoindirect verknüpfe.
Ich starte vorsichtig. 100 Euro tippe ich in die Maske. Dafür gibt es 0,51742257 Ether. Ich schlage zu. Das ging fix. Sofort sehe ich den halben Ether auf meinem Ether.li-Wallet. Erleichtert, dass es so einfach ging, schlage ich gleich noch einmal zu. 2,1499 Ether für 400 Euro. Die Gebühren betragen jeweils etwa zwei Prozent. Ein Ether kostet 193 Euro. Ich klappe den Rechner zu, doch schon bald wird mein Krypto-Rausch von der Realität abgelöst. Die Kurse fallen. Und fallen. Und fallen. Von Freitag bis Montag hat mein Bitcoin-Anteil 28 Prozent an Wert verloren. Und meine Ether 12 Prozent. Es musste ja so kommen. Die Häme meiner Kollegen ist mir sicher.

Phase 4: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Okay, der Rausch ist vorbei, aber die Hoffnung bleibt. Sicher werden die Kurse bald wieder durch die Decke gehen. Ich bleibe entspannt. Zuversichtlich. Und beschäftige mich mit der nächsten Frage: Wie sichert man eigentlich seine digitalen Währungen? Der Online-Wallet ist nicht schlecht, doch heute kann ja bekanntlich alles gehackt werden. Und nichts wäre schlimmer, als fette Renditen mit meinen digitalen Währungen zu erzielen und sie dann gestohlen zu bekommen. „Hardware Wallet“ heißt das Zauberwort. Eine Art digitaler Tresor in Form eines USB-Sticks, den ich nur anschließe, wenn ich meine Währungen kaufe oder verkaufe. Kosten: 180 Euro – so viel wie ein Ether. Wahrscheinlich keine schlechte Investition, vor allem, wenn die Kurse wieder steigen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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