Craftbrauerei BrewDog: Roulette für Anleger

Craftbrauerei BrewDog: Roulette für Anleger

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BrewDog Co-Gründer James Watt macht seine Brauerei mit unkonventionellen Entscheidungen berühmt.

von Sebastian Kirsch

Die Craftbrauer-Rebellen von BrewDog wollen mit dem Geld ihrer Anleger ins Kasino: Wer Aktien beim Roulette auf Rot oder Schwarz setzt, soll die Anteile verdoppeln – oder alles verlieren. Jetzt wurde das Angebot gestoppt.

Das Ausmaß seiner Ansage hätte kaum größer sein können: „Mit einer verrückten Wette werden wir die Finanzwelt auf den Kopf stellen“, sagt Martin Dickie, Co-Gründer von BrewDog.

Die schottische Craftbrauerei gehört zu den bekanntesten Nachwuchsbrauern in Europa. Seit der Gründung 2006 hat Dickie mit seinem Gründerkollegen James Watt bereits die Bierwelt auf den Kopf gestellt.

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Ihre Expansion, bis hin zu einer eigenen Brauerei in Schottland, finanzieren sie vor allem mit Unterstützung ihrer Fans: Die beteiligen die sich mit Anteilen an BrewDog, die das Unternehmen im Rahmen von mehreren Privatplatzierungen ausgab.

Im Sprech von BrewDog sind das nicht bloß Aktien, es sind „Aktien für Punks“. Derzeit gibt es nach Angaben von BrewDog rund 46.000 dieser „Punks“ weltweit. In Großbritannien können sich die Anleger auch über Anleihen am Unternehmen beteiligen. So sammelt BrewDog regelmäßig Millionen ein.

Das funktioniert nur, weil Dickie und Watt sich und ihre Aktionäre als Rebellen auf dem Biermarkt etabliert haben. Watt hat seine Unternehmensstrategie in einem Buch veröffentlicht. Business for Punks heißt das. Mit ihren Produkten polarisieren sie und setzen sich werbeträchtig in Szene.

Beispiel gefällig? 2010  brauten sie das stärkste Bier der Welt mit einem Alkoholgehalt von 55 Volumenprozenten. Die 12 exklusiven Flaschen „verpackten“ sie in ausgestopften Eichhörnchen. Bierliebhaber rissen sich darum und zahlten zwischen 500 und 700 Pfund für eine Flasche.

Und jetzt wollen Dickie und Watt im Rahmen ihrer neuesten Aktienplatzierung eben das Finanzsystem auf den Kopf stellen. In einem Video stellen sie ihre Pläne vor.

Um auf dem US-Markt Fuß zu fassen, wollen sie über ihre US-Tochter nun auch dort Aktien an ihre Craftbeer-Jünger ausgeben. Bis Mitte Januar 2017 können Anleger noch neue Aktien zu je 47,50 Dollar über die Crowdfunding-Plattform Bankroll zeichnen, wenn sie mindestens zwei Aktien abnehmen.

Brauen mit Blaubeeren "Vor 500 Jahren konnte man gar kein gutes Bier brauen"

Mikkel Borg Bjergsø gilt als einer der kreativsten Kleinbrauer der Welt. Ob seine Biere der Marke Mikkeller dem Reinheitsgebot entsprechen, ist ihm egal. Wie er dennoch den deutschen Markt erobern will.

Mikkel Bjergsø hält nichts davon, die Vielfalt der Bierwelt durch ein Reinheitsgebot einzuschränken Quelle: PR

Und die Revolution, von der Gründer Dickie und Watt im Video sprechen? Eine Wette: Anleger wählen Aktien aus, die im Kasino gesetzt werden sollen – beim Roulettespiel entweder auf Rot oder Schwarz.

Dickie und Watt wollten das Geld der Anleger eigentlich im Frühjahr 2017 mit in ein Kasino nehmen und dort verzocken. Wer richtig tippt, verdoppelt seine Anteile am Unternehmen. Wer auf die falsche Farbe setzt, verliert die Anteile. Auch dann, wenn die Null fällt. Lediglich Rabatte in den BrewDog-Bars und weitere Kundenvorteile, die mit den Aktien verbunden sind, wären Anlegern geblieben.

Die Glücksrunde sollte live für alle Anleger im Internet übertragen werden. Aber nun sieht es danach aus, dass diese Wette niemals zustande kommt. Denn während Watt und Dickie planten, das Finanzsystem auf den Kopf zu stellen, wird ihr Plan nun von eben jenem System zerpflückt.

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