Stelter strategisch: Langfristanleger gewinnen – das weiß doch jeder Depp

kolumneStelter strategisch: Langfristanleger gewinnen – das weiß doch jeder Depp

Kolumne von Daniel Stelter

An der Börse führen viele Wege zum Gewinn, bei unterschiedlichen Risiken. Kaufen und liegen lassen gilt als bewährte Anlagestrategie. Zu Recht? Eine Kolumne.

Auf meiner Webpage wie auch bei Wiwo.de freue ich mich über jeden Leserkommentar, egal ob er schmeichelt oder kritisiert. So wie dieser Leser in der vergangenen Woche: "Für mich ist Herr Stelter ein ewiger Pessimist. Jeder seiner Artikel hat einen Hauch von Weltuntergang und Sprüchen wie "Wir sind jetzt auf dem Berg"! Bla bla. Die Tatsache, dass die Märkte volatil bleiben werden und der Langfristanleger immer im Vorteil ist, weiß doch mittlerweile auch schon jeder Depp."

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Zum Autor

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, so eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“. Im Februar 2016 erscheint sein neues Buch, „ Eiszeit in der Weltwirtschaft“. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Ein guter Beitrag zur Diskussion, aus dem ich die zwei wichtigsten Stichworte herausgreife, um sie noch einmal zu vertiefen: Volatilität und Langfristigkeit. Weiß wirklich jeder Anleger, dass es auf die lange Sicht ankommt? Und: wie lange ist lange? Zunächst reine Statistik: Wenn sich dieses Wissen wirklich schon bis zum – ich erlaube mir, den Leser zu zitieren – "letzten Deppen" herumgesprochen haben sollte, dann würden Anleger im Schnitt doch vor Kosten eine Performance erreichen wie der Aktienmarkt. Dem ist aber erwiesenermaßen nicht so. Im vergeblichen Versuch den Markt "zu schlagen", erreichen die Investoren das genaue Gegenteil. Sie verkaufen zu spät, wenn der Markt schon korrigiert hat, und sie kaufen zu spät, wenn die Hausse schon einige Monate auf dem Buckel hat.

In der Folge verpassen sie die besten Tage an der Börse, die meistens um Trendwenden herum passieren und sind bei den wirklich schlechten noch dabei. Es sind diese wenigen Tage, die über Erfolg und Niederlage entscheiden. Dies gilt übrigens auch für Investoren, die in den Index investieren. Auch diese erreichen im Schnitt eine schlechtere Performance als der Index, weil sie zu viel handeln. Insofern als erstes Zwischenfazit: nein, nicht jeder Depp weiß es, denn wenn alle es wüssten, würden nicht alle es anders probieren.

Stelter strategisch Ausblick 2016 - glauben Sie kein Wort!

Zum Jahresende übertrafen sich die Auguren mit optimistischen Vorhersagen für das neue Börsenjahr. Statt darauf zu hören, sollten Anleger sich lieber auf magere Zeiten einstellen. Eine Kolumne.

Quelle: Fotolia

Dass Langfristanleger "immer im Vorteil" sind, stimmt sicherlich – wenn man richtig langfristig denkt. Bei den meisten Investoren ist es jedoch so, dass sie einen beschränkten Zeithorizont haben - müssen! Noch leben wir nicht ewig. Ich weiß nicht, wie alt der Kommentator ist. Nehmen wir an: Anfang 30. Dann beträgt sein Anlagehorizont rund 35 Jahre, und in der Tat ist die Wahrscheinlichkeit hoch, über diesen Zeitraum im Plus zu liegen – zumindest vor Kosten. Investoren, die vor dem Börsenkrach 1929 gekauft haben, mussten "nur" rund 25 Jahre warten, bis sie kaufkraftbereinigt ihren Einsatz wieder heraus hatten. Aber: Nur die wenigsten werden das durchgehalten haben.

Anlegern, die im Jahr 2000 in den DAX eingestiegen sind, erging es nicht viel besser. Zwar hat der DAX letztes Jahr neue Höchststände erreicht. Doch dazu muss man wissen, dass der DAX, auf den wir üblicherweise schauen, ein sogenannter Performance-Index ist, also eine Reinvestition der Dividenden annimmt. Damit ist dies eine Performance, die ein Privatanleger nicht erreichen kann, alleine schon wegen der Besteuerung der Dividenden. Der DAX-Kursindex hingegen liegt nach Inflation immer noch deutlich unter dem Stand von 2000. Das sind nun immerhin schon sechzehn Jahre.

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5 Kommentare zu Stelter strategisch: Langfristanleger gewinnen – das weiß doch jeder Depp

  • Hallo Herr Steller,
    bin noch nicht lange auf WiWo unterwegs, aber Ihre Kolumne stach mir gleich ins Auge. Wenn ich eine schlechte Anlageentscheidung getroffen habe, dann spreche ich mir gut zu, langfristig wird das schon. Das ist einzig und allein, um die Hoffnung aufrecht zu erhalten :) Ich sehe zwei Dinge: zum einen muss man sich am Aktienmarkt auch mit den Konzernen beschäftigen, man muss sich einlesen, welche Kennzahlen wichtig sind und was diese bedeutetn. Nach 8h Arbeit und 1h pendeln kostet das viel Überwindung. Auf der anderen Seite ist es da viel einfacher, auf die "Masse" zu vertrauen. Viele Anleger interpretieren von einem hohen Aktienkurs und hohem Wachstum in der Vergangenheit, dass sich das in der Zukunft fortsetzt. Da ist das Risiko meiner Meinung nach sehr hoch, eine schlechte Anlageentscheidung getroffen zu haben. Morgens um 6 Uhr vorm Aldi stehen die Schnäppchenjäger, nur an der Börse, da werden die teuersten Aktien gekauft - irrational. Aber meine Erklärung dazu hab ich ja schon geschrieben, einfach keine Zeit für die Materie. Aber selbst wenn man sich viel Mühe gemacht hat, ist das kein Garant. Mein letztes Invest Dialog Semiconductor, top Kennzahlen und für 26€ gekauft - leider total unterbewertet meiner Meinung nach ;) Aber die Aktie wurde auch erstmals bewusst mit langen Zeithorizont von mir gewählt. By the Way: ich hab mich damit abgefunden, nie den höchsten oder tiefsten Punkt zum Kauf/Verkauf zu treffen, das wäre auch fast wie ein Fünfer im Lotte. Von Immobilien halte ich absolut nichts, die meißten Investoren raten davon ab, auf Kredit Aktien zu kaufen, aber wer kann schon Immobilien bar bezahlen? Meine Familie hat seit Generationen mehrere vermietet Immobilien. Verwaltungsaufwand, Kosten und Rendite stehen mE in keine Verhältnis.

  • Im Grunde ein guter Artikel. Was mich nur stört - wie viele Leute investieren langfristig nur genau 1x bzw. punktuell? Wer monatlich einzahlt - und das tun sicher die meisten - minimiert deutlich das Risiko und profitiert von allen Höhen und Tiefen...

  • Eines ist jedenfalls richtig: Man sollte sein Geld in Aktien anlegen. Alles andere ist nicht diskutabel. Und wie lange jemand sein Geld in Aktien anlegt, bleibt jedem selbst überlassen. Einen richtigen Tip gibt´s nicht.

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