Steuern: Steueroasen – oder warum Steuern etwas für Arme sind

GastbeitragSteuern: Steueroasen – oder warum Steuern etwas für Arme sind

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Viele Großkonzerne retten ihr Geld in Steueroasen.

Der Fall Apple zeigt, dass es selbst in der EU Steueroasen gibt. Während der Normalbürger vom Staat geschröpft wird, können internationale Konzerne ihre Abgabenlast immens reduzieren und ihr zusammengerafftes Geld völlig straffrei in Steueroasen bunkern.

Die Schere zwischen Arm und Reich geht global kontinuierlich immer weiter auseinander. Die Wohlstandverteilung nimmt immer absurdere Formen an – auch, weil Steuerflucht einige wenige immer reicher und viele immer ärmer macht. Das von Unternehmen und Privatpersonen hinterzogene Geld, das vielfach in Steueroasen verschwindet, fehlt dem Staat für wichtige Ausgaben, etwa für Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, Universitäten oder die Infrastruktur.

In Steueroasen türmen sich aktuell Billionen Euros. Während der Mittelstand immer mehr vom Staat geschröpft wird, zahlen internationale Konzerne und Superreiche kaum oder keinerlei Steuern. Wo ist da die Gerechtigkeit, die die Politik so gerne bekundet?

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Steueroasen sind Staaten oder Gebiete, die internationale Gelder anlocken, indem sie kaum oder überhaupt keine Einkommens- und Vermögenssteuern erheben. Entstanden sind die meisten in den 1970er- und 1980er-Jahren. Zu den bekanntesten zählen die Cayman Islands, die Bahamas, die Bermudas, die britischen Jungferninseln, die Kanalinsel Jersey, aber auch Länder wie Irland, die Schweiz, Singapur und Luxemburg. Superreiche nehmen Steueroasen ebenso in Anspruch wie Konzerne. Derzeit lagern 32 Billionen Dollar in Steueroasen weltweit.

Zu den Autoren

  • Matthias Weik und Marc Friedrich

    Die beiden Ökonomen Matthias Weik und Marc Friedrich haben im Mai das Buch „Kapitalfehler - Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ veröffentlicht.

Das entspricht etwa dem 114-Fachen der Summe, die der Bund in Deutschland im Jahr 2015 an Steuern eingenommen hat. Laut Berichten der Nichtregierungsorganisationen »Center for Tax Justice« und »US Public Interest Research Group Education Fund« horten allein die 500 größten US-Konzerne Gewinne in Höhe von 2,1 Billionen Dollar im Ausland, wofür sie in der Heimat insgesamt 620 Milliarden Dollar Steuern hätten zahlen müssen. Jahr für Jahr gehen den EU-Ländern schätzungsweise 1 Billion Euro durch Steuerhinterziehung und Steuervermeidung verloren.

Die weltweit älteste Steueroase und immer noch einer der wichtigsten Finanzplätze für Vermögensverwaltung (sprich: die Aufbewahrung von Wertpapieren an einem sicheren Ort) liegt mitten in Europa – in der Schweiz. Ihren Anfang nahm die massive Steuerflucht vor knapp 100 Jahren, als europäische Länder infolge des Ersten Weltkrieges in den 1920ern begonnen hatten, große Vermögen zu besteuern. Frankreich beispielsweise hob 1920 den Spitzensteuersatz auf Einkommen zunächst auf 50 Prozent und zwei Jahre später sogar auf 72 Prozent an.

Vermögende machten sich nun auf die Suche nach Optionen, ihren Reichtum der drastischen Besteuerung entziehen zu können. Parallel dazu veränderte sich in den Industrieländern die Vermögensstruktur. Der Trend ging immer mehr weg von immobilem Grundbesitz, hin zu mobilem Vermögen, insbesondere in Form von Fonds und Wertpapieren, bei denen die Eigentümer anonym blieben. Eine weitere Folge der Entwicklung nach dem Ersten Weltkrieg war, dass sich die Angebote der Vermögensverwaltung nicht mehr ausschließlich an die Superreichen richteten.

Aufgrund ihrer Neutralität und ihres gut ausgebauten Bankennetzes war die Schweiz die erste Adresse für Steuerflüchtlinge. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil war außerdem, dass die Schweiz keine Daten über die Kunden nach außen gab, die mit immer mehr Geld immer zahlreicher in die Alpenrepublik drängten. Da der Schweizer Kapitalmarkt für das viele Geld nicht groß genug war, wurde es vorwiegend in ausländischen Wertpapieren angelegt. Steuerhinterzieher investierten größtenteils nicht in der Schweiz, sondern haben lediglich den Standort und das Bankgeheimnis genutzt, um Geld global anzulegen und es vor heimischen Steuerbehörden zu schützen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Schweizer Vermögensverwalter einen kurzen Dämpfer hinnehmen, danach ging es aber wieder steil bergauf und Konkurrenz war für sie ein Fremdwort. In den 1970er-Jahren sah sich die Schweizer Zentralbank sogar veranlasst, Negativzinsen für Devisenausländer einzuführen, da der Kapitalzufluss zeitweilig so groß war, dass eine Destabilisierung der heimischen Wirtschaft befürchtet wurde. Obwohl in den 1980ern einige Konkurrenten wie Hongkong, Singapur, Jersey, Luxemburg oder die Bahamas hinzukamen, ist die Schweiz bis heute die Nummer eins geblieben. Der größte Rivale um den WM-Titel: die USA.

Genau das Land, das der Schweiz mit immensem Druck das Bankgeheimnis de facto abgepresst hat, ist dabei, es zu beerben. Jährlich sollen vor allen in Delaware und Pennsylvania an die 2 Millionen Briefkastenfirmen gegründet werden. Deren Hintermänner können auf absolute Diskretion zählen, denn es gibt keinen Austausch von Bankkundendaten mit Europa.

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