Streit um Anlagetipp: Klage gegen Bank wegen Windreich-Anleihe

Streit um Anlagetipp: Klage gegen Bank wegen Windreich-Anleihe

, aktualisiert 04. Juli 2013, 15:54 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Nach Kurssturz und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft fordern Anleihezeichner der Firma Windreich ihr Geld zurück. Am Landgericht Regensburg ging nun eine Klage auf Schadenersatz gegen eine Schweizer Bank ein.

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Ein Windpark der Windreich AG: Anleihezeichner fordern ihr Geld zurück.

München/FrankfurtIm Fall des Windparkentwicklers Windreich haben Anleihenanleger vor dem Landgericht Regensburg eine erste Klage gegen die Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin eingereicht. Die Bank habe ihre Aufklärungspflichten verletzt, so der Vorwurf in der Klage, die der dpa vorliegt. „Die Bank informierte Kunden nicht darüber, dass sie an Windreich Kredite über 70 Millionen vergeben hatte, bevor die Anleihe zum Kauf empfohlen wurde.“

Weder die Bank noch Windreich-Chef Willi Balz wollten dazu Stellung nehmen. Das zuständige Landgericht in Regensburg bestätigte den Eingang der Klage. Auch die Schweizer Finanzaufsicht hat sich inzwischen in den Fall eingeschaltet. Die FINMA habe Kenntnis von dem Fall und stehe diesbezüglich im Kontakt mit der Bank, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

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Windreich hatte in den Jahren 2010 und 2011 zwei Anleihen im Volumen von insgesamt 125 Millionen Euro an der Stuttgarter Börse ausgegeben. Die Papiere hatten seit Jahresbeginn massiv an Wert verloren. Anfang März waren sie vom Handel ausgesetzt worden, nachdem die Zinszahlung für ein Papier sich verzögert hatte. Kurz darauf ließ die Staatsanwaltschaft Stuttgart die Räume des Wind-Projektentwicklers durchsuchen.

Die Behörde ermittelt wegen Bilanzmanipulation, Kapitalanlagebetrugs, Marktpreismanipulation, Kreditbetrugs und Insolvenzschleppung gegen fünf ehemalige und noch amtierende Vorstandsmitglieder.

Balz, der die Ermittlungen selbst bestätigt hatte, hatte die Vorwürfe der Behörde zurückgewiesen. Er sprach in einem Brief an seine Anleihenanleger von einer „bundesweit wohl einzigartigen, unfairen Medienkampagne“, die dazu dienen solle „die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende zu verhindern“. In Interviews räumte Balz allerdings Liquiditätsengpässe seiner Firma ein.

Die Kläger fordern nun die Rückabwicklung des Kaufs der Anleihen. „Sollte die Klage erfolgreich sein, muss Sarasin die Anleihen zurücknehmen“, sagte die Anwältin Dagmar Bergdolt, die die Anleger vertritt. „Sarasin hatte als größter Kreditgeber von Windreich ein lebhaftes Interesse an dem Verkauf der Anleihen. Denn damit hatte ihr Schuldner eine bessere Bonität.“

Sollten sich die Vorwürfe gegen das Management erhärten, könnten weitere Klagen folgen, sagte Bergdolt. „Wir haben auch Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft beantragt“, sagte die Anwältin. „Sollte es zu einer Anklage wegen Insolvenzverschleppung kommen, prüfen wir eine Klage wegen fehlerhafter Kapitalmarktinformation.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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