Düsseldorfer Hypo: Höchst besorgt um das Image des Pfandbriefs

Düsseldorfer Hypo: Höchst besorgt um das Image des Pfandbriefs

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Deutscher Pfandbrief: Besonders strenge Regeln schützen Anleger

Die Rettung der DüsselHyp durch die Privatbanken zeigt: Sie wollen Kratzer am glänzenden Image des Pfandbriefs um jeden Preis verhindern.

Operation gelungen, Patient verkauft: Nach dem am vergangenen Montag eiligst durchgezogenen Notverkauf der Düsseldorfer Hypothekenbank an den Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken, redeten alle die Sache klein: Von einer drohenden Pleite habe nie die Rede sein können, sagte DüsselHyp-Vorstand Friedrich Munsberg. Man habe keine Liquiditätsengpässe und schreibe in den ersten Monaten 2008 weiter schwarze Zahlen, sagte Gründer Wolfgang Schuppli dem „Handelsblatt“. Und Finanz-Staatssekretär Thomas Mirow beeilte sich zu versichern, es handle sich um einen „einmaligen Vorgang“, er erwarte nicht, dass weitere Banken notverkauft würden.

Nahezu einmalig ist tatsächlich, dass die Banken einer anderen Bank selbst unter die Arme greifen – statt wie bei IKB oder WestLB nach dem Staat zu rufen. Zuletzt wurde der 1974 nach der Pleite der Herstatt-Bank gegründete Feuerwehrfonds 2001 aktiv, um die Schmidt Bank zu retten.

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Damals ging alles glatt über die Bühne, die Schmidt Bank wurde filetiert und in Teilen verkauft. „Dass so etwas in Zeiten einer weltweiten Finanzkrise ganz andere Wellen schlägt, darf niemanden wundern“, sagt Matthias Dürr, Pfandbriefbank-Analyst bei Kepler Equities. Die Aktion trifft auf einen höchst nervösen Markt. Nur einen Tag davor hatte die Bank of England bekannt gegeben, 50 Milliarden Pfund in den heimischen Hypotheken-Markt zu pumpen, um weiteren Schaden von Banken abzuwenden. Und in den vergangenen Monaten waren mit IKB und Sachsen LB zwei zuvor ebenfalls als bodenständig eingestufte Geldhäuser Opfer der von US-Hypothekenpapieren ausgelösten Kreditkrise geworden. Doch hinter der Rettungsaktion der Banken steckt mehr als nur die Angst um ein mittelgroßes Institut. Es geht vor allem darum, Schaden vom guten alten Pfandbrief abzuwenden, einem Produkt, das 1769 von Friedrich dem Großen eingeführt wurde. Der finanzierte damit seine Feldzüge und den preußischen Wiederaufbau.

Pfandbriefe sind noch immer ähnlich konstruiert wie im 18. Jahrhundert: Sie sind Anleihen mit regelmäßigen Zinszahlungen und fester Laufzeit, die durch verbriefte Forderungen auf Immobilien oder an Staaten gedeckt sind. Deshalb sind sie viel sicherer als zum Beispiel Unternehmensanleihen. Versicherungen kaufen sie gern, weil Pfandbriefe mündelsicher sind und fast immer in die höchste Bonitätsklasse AAA eingestuft werden – und dennoch mehr Rendite bringen als Staatsanleihen.

Pfandbriefe dienen entweder als Hypo-Pfandbrief zur Finanzierung großer Immobilienprojekte, dann sind die Forderungen der Anleger durch Grundbucheinträge gesichert. Oder sie dienen der Staatsfinanzierung; dann hat der Anleger im Ernstfall einen Titel gegen die öffentliche Hand – sicherer geht’s kaum. Seit 1901 sind sie zudem durch ein eigenes Gesetz geschützt. Noch nie ging eine Pfandbriefbank pleite; DüsselHyp, die derzeit Pfandbriefe im Wert von über 16 Milliarden Euro im Umlauf hat, wäre ein historischer Präzedenzfall gewesen.

Mit ihrer Rettungsaktion der DüsselHyp hatten die Banken aber kaum die Ersparnisse der Kleinanleger im Auge; sie handelten so schnell, um sich selbst zu retten. Denn in der globalen Kreditkrise wurde der Pfandbrief zuletzt für die Banken immer wichtiger; er ist für sie eine der letzten Möglichkeiten, sich günstig Geld zu besorgen. „Der Pfandbrief bietet derzeit enorme Wettbewerbsvorteile für deutsche Banken“, sagt Dürr. Denn die Risikoaufschläge von teilweise sehr ähnlichen ausländischen gedeckten Anleihen, etwa die der spanischen Cedulas, stiegen in der Finanzkrise erheblich stärker als die des deutschen Pfandbriefs.

Zwar gab es auch beim Pfandbrief Engpässe im Handel zwischen den Banken. Die von Verkäufern geforderten Risikoaufschläge stiegen leicht, doch dies hielt sich, verglichen mit anderen Kreditmärkten, in engen Grenzen. Selbst die Risikoprämien der DüsselHyp-Papiere stiegen nur minimal. „Andere Pfandbriefe wurden nicht angesteckt“, sagt Jörg Birkmeyer, Analyst bei der DZ Bank.

Ein ganzes Bündel von Regeln schützt Investoren: Zusätzlich zum Kreditwesengesetz, das für alle Banken gilt, unterliegen die 32 deutschen Pfandbriefbanken wie Eurohypo, Aareal Bank oder Hypo Real Estate dem Pfandbriefgesetz; hinzu kommt eine spezielle Aufsicht. Sehr wichtig: Pfandbriefe sind Sondervermögen. Ähnlich wie Investmentfonds gehen sie bei einer Pleite nicht in die Insolvenzmasse; Gläubiger der Bank kommen nicht an sie ran. Und laut Gesetz darf die Pfandbriefbank auch nur maximal 60 Prozent des – vorsichtig kalkulierten – Werts von Immobilien beleihen.

Die strengen Regeln greifen. Als 2005 die Pfandbriefbank AHBR in Schieflage geriet, betraf das deren Pfandbriefe kaum; sie werden ordnungsgemäß bedient und haben nach wie vor ein AA-Rating. „Seit 1901 ist in Deutschland jeder Pfandbrief zurückgezahlt worden“, sagt Analyst Birkmeyer. Einer Institution, die zwei Weltkriege, Weltwirtschaftskrise und Hyperinflation überdauert hat, dürfte auch die Finanzkrise nur wenig anhaben.

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