Festgeldkonten: Doch nicht ganz so sicher

Festgeldkonten: Doch nicht ganz so sicher

, aktualisiert 12. September 2017, 15:05 Uhr
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Berücksichtigt man die Inflation, machen Anleger mit Festgeldkonten real Verluste – sogar bei Angeboten mit Topzinsen.

von Julia GrothQuelle:Handelsblatt Online

Festgeldkonten sind bei Sparern extrem beliebt – obwohl die Zinsausbeute mehr als mager ist. Noch dazu zeigt eine Auswertung der FMH-Finanzberatung: Es gibt mehrere Risiken, die Anleger bedenken sollten.

DüsseldorfViele Deutsche parken ihr Erspartes gerne auf einem Festgeldkonto. Im Juli hatten rund 16 Prozent der deutschen Sparer Geld auf diese Art angelegt, wie eine Umfrage der Direktbank Comdirect zeigt. Damit war Festgeld genauso beliebt wie Investmentfonds – und beliebter als Aktieninvestments. Zuletzt hatten gerade einmal 15 Prozent der Befragten Aktien im Depot liegen.

Bankkunden fürchten offenbar Kursschwankungen an den Börsen und gehen davon aus, dass ihr Kapital auf einem Festgeldkonto sicherer angelegt ist als an den Finanzmärkten. Das stimmt so allerdings nicht. Die FMH-Finanzberatung hat für das Handelsblatt Festgeldkonten analysiert. Ihre Zahlen zeigen: Berücksichtigt man die Inflation, machen Anleger mit Festgeldkonten real Verluste – sogar bei Angeboten mit Topzinsen.

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Festgeldkonten bieten zwar eine leicht höhere Verzinsung als bei Tagesgeld. Aber auch bei ihnen machen sich niedrige Zinsen in der Euro-Zone bemerkbar. Für Tagesgeld bekamen Sparer im Juni im Schnitt 0,04 Prozent Zinsen pro Jahr, zeigen Zahlen des Vergleichsportals Verivox. Für Festgeld gab es durchschnittlich 0,21 Prozent. Einige Banken haben sogar Strafzinsen für Festgeld eingeführt. Statt Zinsen zu zahlen, kassieren sie einen Teil der Ersparnisse.

Die zinsstärksten Festgeldangebote in der FMH-Auswertung liegen zwar deutlich über dem Durchschnitt. Aber auch sie dürften Sparer nicht begeistern. FMH analysiert Anlagezeiträume von einem und von zwei Jahren, die Anlagesumme beträgt jeweils 10.000 Euro. Bei Kreditinstituten, die der erweiterten deutschen Einlagensicherung unterliegen, steht die Akbank mit Sitz in Frankfurt ganz vorne, eine Tochter der gleichnamigen türkischen Bank. Kunden bekommen dort für eine zwölfmonatige Festgeldanlage 0,75 Prozent Zinsen pro Jahr. Bei einem Anlagezeitraum von 24 Monaten beträgt der jährliche Zinssatz 0,85 Prozent. Zum Vergleich: Die Inflation lag in Deutschland im August bei 1,8 Prozent.

Wichtig zudem: Die gesetzliche Einlagensicherung in Deutschland schützt Spareinlagen im Fall einer Bankpleite bis zu einer Höhe von 100.000 Euro. Viele deutsche Banken sind zusätzlich Mitglied in einem freiwilligen Einlagensicherungssystem wie dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands Öffentlicher Banken Deutschlands, wo Einlagen komplett abgesichert sind. In diesem Fall spricht man von erweiterter Einlagensicherung.

Andere Länder in der Europäischen Union haben in den vergangenen Jahren ebenfalls gesetzliche Einlagensicherungssysteme eingerichtet. Diese sind allerdings nicht immer so sicher wie die deutsche Variante. Grund: Die Staaten sichern Bankkunden zwar zu, bei Bankpleiten für Verluste geradezustehen. Sie verfügen im Ernstfall aber selbst nicht unbedingt über die nötige Finanzstärke.

So ist das Verlustrisiko für Festgeldsparer in Ländern wie Estland oder Rumänien höher als in Deutschland. Zum Ausgleich bekommen Bankkunden dort mehr Zinsen. Die estnische Bigbank bietet etwa für eine Festgeldanlage von 10.000 Euro über zwölf Monate einen Jahreszins von 0,9 Prozent. Viele Finanzexperten raten deutschen Sparern davon ab, Geld in Ländern zu parken, die keine Topbonität haben. „In einigen Ländern kann man nicht hundertprozentig sicher sein, im Ernstfall tatsächlich sein Geld zurückzubekommen, trotz Einlagensicherung“, sagt auch FMH-Chef Max Herbst. Für Festgeldanlagen über ein oder zwei Jahre hält er das Risiko jedoch für überschaubar. Sollte eine Bank pleitegehen und die Regierung ihres Landes nicht für Spareinlagen aufkommen, dürfte die EU einspringen, schätzt er.


Angebote von Auslandsbanken genau prüfen

Die höchsten Festgeldzinsen bekommen Bankkunden, wenn sie über Vermittler wie Weltsparen, Savedo oder Zinspilot gehen. Die Plattformen vermitteln zinsstarke Tages- und Festgeldangebote im europäischen Ausland, ohne dass ihre Kunden dort selbst ein Konto eröffnen müssten. Parken Sparer beispielsweise 10.000 Euro für ein Jahr über Zinspilot bei der rumänischen Alpha Bank Romania, bekommen sie 1,35 Prozent Zinsen. Das ist fast doppelt so viel wie beim besten deutschen Festgeld-Angebot im FMH-Vergleich.

Kunden sollten allerdings auch hier darauf achten, dass die betreffenden Banken und die Länder, in denen sie ihren Sitz haben, eine gute Bonitätsnote von einer großen Ratingagentur vorweisen können. Vermittler wie Zinspilot & Co. stehen jedenfalls nicht für eventuelle Ausfälle ein.

Beispiel Alpha Bank Romania: Das Institut hat überhaupt kein eigenes Rating. Seine Mutter, die griechische Alpha Bank AE, hat zwar im Juli von der Ratingagentur Moody’s eine bessere Note bekommen. Mit „Caa2“ wird sie aber immer noch alles andere als solide, eben spekulativ eingestuft. Sollte die rumänische Tochter insolvent werden, sind Spareinlagen über die rumänische Einlagensicherung bis zu einer Höhe von 100 000 Euro abgesichert – sofern das Land mit seiner gerade einmal mittelmäßigen Bonität dann in der Lage ist, Sparern das Geld auch tatsächlich auszuzahlen. Diese würden dann zudem nicht in Euro entschädigt, sondern in der Landeswährung, dem rumänischen Leu.

Weiterer Minuspunkt: Ausländische Banken zahlen für längerfristige Festgeldanlagen meist keine Zinseszinsen. Andererseits können Sparer dort ihr Festgeldkonto oft schon vor Ablauf der offiziellen Frist kündigen. Bei deutschen Banken geht das nicht. So können Bankkunden ihr Geld in Sicherheit bringen, wenn sich abzeichnet, dass es bei einer Bank oder in einem Land finanzielle Engpässe gibt.

Anleger sollten sich allerdings überlegen, womit sie besser schlafen können: Mit einem Aktieninvestment, bei dem sie die Börsen im Blick behalten müssen – oder mit einem Festgeldkonto, bei dem sie die Stabilität ganzer Staaten im Auge behalten sollten

Quelle:  Handelsblatt Online
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