Inflation sabotiert Sparer: Wo ihre Ersparnisse jetzt hingehören

Inflation sabotiert Sparer: Wo ihre Ersparnisse jetzt hingehören

, aktualisiert 15. Januar 2017, 16:48 Uhr
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Der Druck auf das Geldvermögen wächst. Also wohin mit den Ersparnissen?

von Andreas TollerQuelle:Handelsblatt Online

Der deutliche Anstieg der Inflation hat die Sparer aufgeschreckt. Mit den niedrigen Zinsen auf ihre Ersparnisse verlieren sie jetzt Geld. Anleger müssen was riskieren, um es zu schützen.

DüsseldorfDer Ölpreis ist schuld. Weil er in den vergangenen Jahren immer wieder Tiefpunkte ausgelotet hatte, schlug die Erholung gerade dieses wichtigen Rohstoffs voll auf die Verbraucherpreise durch. Unter anderem hatte die Opec nach langer Uneinigkeit unter ihren Mitgliedsstaaten tatsächlich eine Kürzung der Ölförderung beschlossen und so den Preisanstieg befeuert.

Auf Sicht von zwölf Monaten hat sich der Ölpreis für die Nordseesorte Brent von 27 auf 56 Dollar je Fass in etwa verdoppelt. Weil sich der höhere Ölpreis nicht nur an den Zapfsäulen für Autofahrer bemerkbar macht, sondern auch bei Heizung und vielen Produkten auf Ölbasis, schlug das zusammen mit einem deutlichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise auf die Verbraucherpreise durch. Die Entwicklung bescherte Deutschland im Dezember eine Teuerungsrate von 1,7 Prozent. Das ist die höchste Inflationsrate seit drei und zugleich der stärkste Anstieg seit mehr als 20 Jahren.

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Die Gelackmeierten dieser Entwicklung sind auch die Sparer. Bisher ließen sich die mickrigen Zinsen, die es auf Konten oder für festverzinste und damit sichere Sparanlagen derzeit gibt, aufgrund der ebenfalls niedrigen Inflationsrate noch einigermaßen ertragen. Zwar wuchsen die Ersparnisse kaum, es gingen aber auch kaum Kaufkraftverluste damit einher. Nach dem plötzlichen Anstieg der Inflation droht Sparern hier nun eine Negativbilanz, weil erstmals eine signifikante Inflation mit einer Nullzinsphase seitens der europäischen Notenbank einhergeht.

Viele Experten gehen davon aus, dass die Inflationsrate vorerst nicht wieder sinkt, sondern im Gegenteil sogar weiter steigt. Die Europäische Zentralbank selbst rechnet zum Beispiel mit einer Inflationsrate von 1,3 Prozent für das laufende Jahr sowie 1,5 Prozent für 2018. Die Deka-Bank etwa rechnet für 2017 mit sogar mit durchschnittlich 1,7 Prozent, für 2018 sagt sie 1,8 Prozent voraus.

Auf der anderen Seite ist nicht erkennbar, dass die EZB in absehbarer Zeit mit Hilfe einer Leitzinserhöhung gegensteuern will. Warum auch, schließlich ist die Inflation in der übrigen Euro-Zone mit zuletzt 1,1 Prozent deutlich niedriger als in Deutschland.

Was Deutsche Sparer tun können

Deutsche Sparer sind somit die Verlierer der Nullzinspolitik in Europa. Freuen dürften sich über die steigende Inflation und den EZB-Nullzins lediglich Immobilienkäufer, die noch länger günstige Baufinanzierungen bekommen können, und andere Schuldner. Was aber können Sparer tun, die sich allmählich ein Vermögen aufbauen wollen, unter dem Strich aber den schleichenden Kaufkraftverlust ihrer Ersparnisse hinnehmen müssen?

Schnell verfügbare Liquidität ist auch in Niedrigzinszeiten nicht zu unterschätzen. Je nach Anlagetyp bieten sich verschiedene Spar- und Geldanlagen an. Dabei geht es aber darum, nicht zu viel Geld auf Giro-, Tagesgeldkonten oder Sparbüchern zu parken. Die liquide Reserve sollte auf zwei bis drei Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto beschränkt werden.


Von der Börsenentwicklung profitieren

Selbst bei Tagesgeldkonten mit den höchsten Zinssätzen – aktuell zum Beispiel zwischen 0,5 und 1,2 Prozent – verliert das Geldvermögen der Sparer dort bei der aktuellen Inflationsrate an Wert. Wer etwa 10.000 Euro für vier Jahre auf ein Festgeldkonto legt, bekommt selbst beim besten Anbieter aktuell nur 1,9 Prozent. Für 50.000 Euro mit vierjähriger Laufzeit gibt es immerhin maximal 2,4 Prozent Zinsen – allerdings bietet derart hohe Zinsen nur der angeschlagene italienische Bankensektor.

Wichtig ist, mit seiner Anlage immer unterhalb der europäischen Einlagensicherungsgrenze von 100.000 Euro zu bleiben. Nur bis zu diesem Betrag sind die Ersparnisse vor einer Bankenpleite geschützt.

Rendite braucht Aktien

Wer Rendite erzielen will, kommt um Aktien und Fonds nicht herum, muss aber auch ein größeres Verlustrisiko eingehen. Menschen, die über größere Summen oder ein hohes Einkommen verfügen, können sich natürlich auf die Geldanlagen der Profis stürzen oder gleich einen professionellen Vermögensverwalter beauftragen. Allerdings fallen dabei oftmals hohe Kosten an.

Alternativ kann sich der engagierte Anleger selbst ein diversifiziertes Portfolio aus einzelnen Aktien, Fonds und gut verzinsten Unternehmensanleihen aufbauen. Wichtig ist, den Anlagehorizont möglichst langfristig zu wählen, damit die Wertpapiere bei einem möglichen Wertverlust noch ein paar Jahre Zeit haben, mögliche Börsenverluste wieder auszugleichen. Zudem sollte man seine Wertpapiere permanent im Blick behalten, um gegebenenfalls Korrekturen vornehmen zu können. Allerdings sollten sich auch dabei Anleger auf das notwendige Minimum beschränken, da für jede Transaktion wieder Gebühren anfallen, die die Rendite schmälern.

Bei Aktien gibt für Anleger zudem verschiedene Möglichkeiten, Kursschwankungen und -verluste zu begrenzen: Einerseits, indem sie auf Dividendentitel setzen. Von den Dax-Unternehmen erwarten Analysten zum Beispiel eine durchschnittliche Dividendenrendite von drei Prozent. Selbst wenn sich der Kurs verschlechtert hat, kommt so immer noch ein Gewinn rein, sofern der Anleger die Aktien nicht mit Verlust verkauft.

Mit kleinen Sparbeiträgen an die Börse

Eine weitere Möglichkeit, die sich gerade auch für weniger liquide Anleger eignet, ist ein Wertpapiersparplan. Der Vorteil: Ob der Kurs gerade hoch oder niedrig ist, braucht den Anleger nicht zu kümmern, weil diese Schwankungen mit der Zeit einen immer geringeren Einfluss auf den Depotwert haben. Dabei lässt sich so ein Aktien- oder Fondsdepot schon mit kleinen Beträgen wie 50 oder 100 Euro monatlich aufbauen. Oftmals geht das gerade bei Online-Depotbanken schon zu sehr niedrigen Depot- und Verwaltungsgebühren.

Es lohnt also, verschiedene Anbieter zu vergleichen und auf die Gebühren zu achten. Besonders interessant sind auch hier dividendenstarke Aktien und solche von Unternehmen, die aufgrund ihrer Marktposition gut höhere Preise durchsetzen können. So können Sparer der Inflation ein Schnippchen schlagen.


Dax, Dow und Gold ins Depot

Ähnliche gilt für Fonds und Fondssparpläne. Auch sie sind bei Online-Banken besonders günstig, weil zum Beispiel der Ausgabeaufschlag – sozusagen die Kaufgebühren – bei diesen Banken entfällt. Besonders niedrige Kosten versprechen börsengehandelte Fonds, sogenannte ETFs. Sie bilden meist einen Börsenindex ab und kommen deshalb ohne Fondsmanager aus. So partizipieren Anleger an der mittel- bis langfristig stets guten Entwicklung der Börsen.

Aktien- und Fondssparpläne haben zudem den Vorteil, dass sie sehr flexibel sind. Der Sparer kann die monatliche Zahlung nach Belieben erhöhen, senken oder auch mal ausfallen lassen. Wird dringend Geld benötigt, können die Anteile auch jederzeit über die Börse verkauft werden.

Offene Immobilienfonds gelten zwar als relativ sicher und rentabel, sind aber nicht ohne Einhaltung von Fristen veräußerbar. Dafür profitieren sie von der guten Entwicklung am Immobilienmarkt.

Geschlossene Fonds sind hingegen nur für risikofreudige Anleger interessant, weil im schlimmsten Fall Totalverlust droht und oft hohe Kosten damit verbunden sind.

Gold als Notnagel

Wer sich zudem vor der weiter steigende Inflation, Hyperinflation, Währungsreform oder massive Krisen schützen möchte, kann sich mit Gold eine Versicherung kaufen. Da Gold knapp und ewig haltbar sowie weltweit als Wertaufbewahrungsmittel akzeptiert und verbreitet ist, wird es nie vollständig an Wert verlieren.

Bevorzugt sollten Sparer für diesen Zweck physisches Gold in Form von Münzen oder Barren kaufen. Bis zu einem Fünftel des Gesamtvermögens in Gold sind durchaus sinnvoll. Eine Rendite gibt es allerdings nicht. Und ob der Goldpreis in den nächsten Jahren steigt und einen Verkauf mit Gewinn ermöglicht, ist keineswegs ausgemacht. Andererseits: Selbst bei steigenden Zinsen ist ein Comeback von Gold durchaus möglich. Dafür spricht zum Beispiel die anziehende Inflationsrate.

Quelle:  Handelsblatt Online
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