Naturkatastrophen: Wenige Schäden, hohes Risiko

Naturkatastrophen: Wenige Schäden, hohes Risiko

, aktualisiert 18. Juli 2017, 13:10 Uhr
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In den ersten sechs Monaten dieses Jahres summierten sich die weltweiten Schäden durch Naturkatastrophen auf 41 Milliarden Dollar.

von Christian SchnellQuelle:Handelsblatt Online

Weltweit gab es im ersten Halbjahr so wenige Schäden durch Naturkatastrophen wie zuletzt im Jahr 2006. Kein Grund zur Entwarnung, meinen die Experten und verweisen auf ein Land, das es diesmal besonders heftig traf.

MünchenDonald Trump würde die Nachricht vermutlich unter die Kategorie „Fake News“ einstufen. Unterscheidet sich doch seine Meinung zu den Auswirkungen des Klimawandels in weiten Teilen von der im Rest der Welt. Dass gerade die USA von den Klimakapriolen im ersten Halbjahr besonders betroffen war, zeigt die Auswertung der weltweiten Naturkatastrophen durch den Rückversicherungskonzern Munich Re. Demnach lösten Gewitterstürme in den Vereinigten Staaten drei der fünf teuersten Schadenereignisse weltweit im ersten Halbjahr aus.
„Dass die USA besonders stark vom Klimawandel betroffen sind, ist Fakt“, ist Peter Höppe überzeugt. Der Leiter der Geo-Risikoforschung beim weltgrößten Rückversicherer hat die Auswertung maßgeblich begleitet und dabei ein eindeutiges Ergebnis festgestellt. Knapp die Hälfte der Schäden durch Naturkatastrophen in den ersten sechs Monaten sind durch Gewitter und Tornados in den USA entstanden. Bei 18,5 Milliarden Dollar lag die Schadenssumme dort, hervorgerufen durch insgesamt sechs schwere Gewitter und Tornados vor allem im ersten Quartal des Jahres. Weltweit betrug die Schadensumme durch Naturkatastrophen 41 Milliarden Dollar.

Damit jedoch blieben die weltweiten Schäden diesmal weit unter denen des Vorjahres sowie unter dem langfristigen Durchschnitt: Im Vorjahreszeitraum summierten sich die Schäden auf 111 Milliarden Dollar, im zehnjährigen Schnitt auf 102 Milliarden und sogar im 30-jährigen Durchschnitt sind es 66 Milliarden Dollar. „Es liegt elf Jahre zurück, dass zuletzt eine solch niedrige Schadensumme weltweit gemessen wurde“, hat Peter Höppe errechnet. Grund zur Entwarnung oder gar den Klimawandel zu verneinen, sieht er trotzdem nicht. Eher zufällig schadensarm sei das erste Halbjahr gewesen.

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Dabei war das teuerste Schadensereignis mit 3,1 Milliarden Dollar das Hochwasser in Peru im Februar und März. Insgesamt hat die Datenbank Natcat-Service der Munich Re im ersten Halbjahr 350 schadenrelevante Ereignisse erfasst und damit 40 weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre waren es dagegen nur 310.

Dass Peru und vor allem die USA diesmal besonders betroffen waren, lag vermutlich auch am sogenannten Küsten-El-Niño, vermuten die Experten. Dadurch war der tropische Ostpazifik vor der Nordwestküste Südamerikas außergewöhnlich warm. Das ist aus Sicht der Experten zwar noch kein ausgeprägtes El-Niño-Ereignis, deswegen verwenden die peruanischen Behörden auch den Begriff Küsten-El-Niño. Kühlt es westlich der peruanischen Küste ab, dann kann dieses Gefälle die atmosphärische Zirkulation in den USA verändern. Eine größere Zahl an Gewittern mit Tornados und starkem Hagel wird wahrscheinlicher.

Weil in den USA die Versicherungsdichte besonders hoch ist, war diesmal ein höherer Anteil an Schäden versichert als in früheren Jahren. Weltweit bestand für gut die Hälfte der Schäden eine Versicherung, im Schnitt der vergangenen zehn Jahre waren zwei Drittel der Schäden nicht versichert.


In Deutschland vor allem Berlin betroffen

Deutschland kam diesmal im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 glimpflich davon. Damals waren Orte in Ostbayern, vor alle Simbach am Inn, komplett überflutet. Diesmal war Berlin von Hagelschäden betroffen, die Auswirkungen der Unwetter waren aber bei weitem nicht so stark wie vor einem Jahr.

Seit Jahren mahnt der Branchenverband GDV dennoch die Bürger, sie sollten sich mit verbessertem Versicherungsschutz gegen die veränderten Naturgewalten schützen. So sind in Deutschland zwar 85 Prozent der Wohngebäude gegen Sturm und Hagel versichert, allerdings nur 37 Prozent gegen das Risiko, dass der Keller vollläuft, heißt es bei der Munich Re.

Wie unterschiedlich regionale Wetterphänomene zuschlagen können, verdeutlicht indes die Entwicklung im asiatisch-ozeanischen Raum im ersten Halbjahr. Die Region war diesmal gemessen an der Schadensumme weniger stark von Naturkatastrophen betroffen als sonst. Mit dem Zyklon Debbie, der Ende März die Küste von Queensland im Nordosten von Australien traf, gab es jedoch ein außergewöhnlich starkes Schadensereignis. Mit 2,7 Milliarden Dollar war es das zweitteuerste weltweit im ersten Halbjahr, knapp über die Hälfte davon war versichert. „Das Schadenbild durch Debbie in Australien zeigt die weiterhin hohe Exponierung einzelner Gebiete, der die Industrie mit Verbesserung baulicher Maßnahmen sowie professionellem Versicherungsschutz begegnen muss“, wertet Hermann Pohlchristoph, der im Vorstand der Munich Re für die Region Asien/Pazifik zuständig ist, das sehr konzentrierte Auftreten starker Schäden diesmal in der Region.

Nur geringe Konsequenzen für die Meerespegel erwartet Peter Höppe dagegen vom dem Billionen Tonnen schweren Eisberg, der sich kürzlich in der Antarktis gelöst hat. In vielen Medien wurde daraufhin über die Auswirkungen für die nördliche Halbkugel spekuliert. „Die Entwicklung in der Arktis ist besorgniserregender als in der Antarktis“, glaubt dagegen Peter Höppe. Dort sei die Meereisbedeckung zurzeit so gering wie im Jahr des bisherigen Minimums 2012, was wiederum wegen der erhöhten Absorption von Sonnenstrahlung den Klimawandel erheblich beschleunige.

Quelle:  Handelsblatt Online
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