Silber-Experte im Interview: "Tausch bei 100"

Silber-Experte im Interview: "Tausch bei 100"

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Thorsten Schulte, 36, stieg nach Stationne bei DZ Bank und Deutsche Bank Mitte 2008 aus dem Bankgeschäft aus und gründete einen Silber-Börsenbrief

Ex-Investmentbanker und Silber-Experte Thorsten Schulte rechnet mit starker Geldentwertung und sagt einen Ansturm auf Silber voraus.

WirtschaftsWoche: Herr Schulte, Sie sagen einen Anstieg des Silberpreises von 16 Dollar bis auf 100 Dollar pro Unze in 2012 voraus. Braucht man als Börsenbriefschreiber knackige Prognosen?

Thorsten Schulte: Da unterscheide ich mich nicht von anderen Medien. Im Ernst: Keiner weiß, wie die Welt morgen aussieht. Es geht um Wahrscheinlichkeiten. Und ich halte es für wahrscheinlich, dass immer mehr Menschen begreifen, dass ihre Ersparnisse entwertet werden von Regierungen, die eine Schuldenkrise bekämpfen, indem sie hemmungslos Geld drucken.

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Davor schützt doch Gold.

Silber wird in Papierwährungen noch stärker steigen.

Warum sollte das passieren?

Weil es gegenüber Gold unterbewertet ist. Es gibt zwar mehr als fünfmal so viel Silber wie Gold, das sich heute wirtschaftlich abbauen ließe. Doch dieses Silber wird nur mit einem Zehntel des Wertes des Goldes bewertet. Bezogen auf den Preis pro Unze, müsste das Preisverhältnis zwischen Gold und Silber also nicht bei 60 liegen, sondern auf 30 fallen.

Ist das so einfach? Potenzielles Silberangebot liegt auch über der Erde. Rechnet man die bereits geförderten Mengen dazu, dann wirkt Silber nicht unterbewertet.

Der Vergleich hinkt. Ein Großteil des bereits gewonnenen Silbers ist doch verbraucht worden. Gold dagegen wird gehortet und wiederverwertet.

Weil Gold seinen monetären Stellenwert behauptet hat, während sich Silber immer mehr zum Industriemetall entwickelt hat.

Richtig. Deshalb haben Notenbanken heute ja kein Silber mehr, das sie verkaufen könnten. Der IWF verkauft Gold, nicht Silber. Trotzdem hat Silber seinen Währungscharakter nicht verloren. Selbst unser Finanzminister lässt Silber-Gedenkmünzen prägen, die auch offizielles Zahlungsmittel sind. In der Doppelrolle von Silber als Edel- und Industriemetall sehe ich einen starken Preistreiber. Die Nachfrage aus der Industrie stieg binnen zehn Jahren um 75 Prozent.

Das reichte gerade, um den Nachfrageschwund aus anderen Bereichen  aufzufangen. Fotografiert wird heute  digital, als Aussteuer ist Silberbesteck out. Und bei schwacher Konjunktur braucht auch die Industrie weniger Silber.

Etwas, aber nicht dramatisch weniger. Silber ist bei vielen neuen Anwendungen, wie etwa bestimmten Chips, für die Industrie unverzichtbar geworden. Es besitzt zum Beispiel unter allen Metallen die höchste Leitfähigkeit von Wärme und Elektrizität.

Noch geht der Welt das Silber aber nicht aus. Die Minenproduktion steigt. Fürchten Sie keine Silberüberschüsse?

Nein. Das meiste Silber fällt als Beiprodukt in Minen an, die zyklische Metalle wie Blei, Zink und Kupfer produzieren. Viel Silber wird also nur produziert, wenn die Konjunktur läuft. Dann aber steigt die Nachfrage aus der Industrie und nach Schmuck.

Bestimmende Größe am Silbermarkt aber sind doch die Investoren.

Ja. Die Zuflüssen in die mit Barren gedeckten Wertpapiere zeigen, dass immer mehr Silber entdecken. Es sind starke Hände, die hier kaufen und die sich auch von traditionell hohen Preisschwankungen bei Silber nicht abschrecken lassen.

Wie sollten Privatanleger investieren?

In physisches Silber, ergänzend in Aktien von Silberproduzenten und Silber-ETF, etwa von der Zürcher Kantonalbank.

Bei Silberbarren und -münzen wird, anders als bei Gold, Mehrwertsteuer fällig.

Wenn Sie bei 100 Dollar ihr Silber eintauschen, denken Sie daran nicht mehr.

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