Tagesgeld: Das Girokonto ist immer die schlechteste Lösung

Tagesgeld: Das Girokonto ist immer die schlechteste Lösung

, aktualisiert 19. August 2016, 14:08 Uhr
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Die Niedrigzinsen veranlassen viele Sparer dazu, ihr Geld einfach auf dem Girokonto liegen zu lassen.

von Gertrud HusslaQuelle:Handelsblatt Online

Mindestens eine halbe Billion Euro lassen die Deutschen auf dem Girokonto vergammeln. Tendenz steigend Geld, an dem nur die Banken verdienen. Dabei gibt es auch jetzt noch deutlich rentablere Wege, Geld zu parken.

DüsseldorfJetzt also auch die Postbank. Immer mehr Banken haben das Girokonto als Geldquelle entdeckt und nehmen Gebühren. Für ihre Kunden aber ist das Gehaltskonto die schlechteste Lösung, um Geld zu horten. Es kostet, bringt aber null Zinsen. Doch das scheint viele Deutsche nicht zu stören. Mindestens eine halbe Billion Euro haben deutsche Privatpersonen auf dem Girokonto geparkt und verschenken damit jeden Monat ordentlich Geld. Denn selbst im Umfeld niedriger Zinsen lohnt es sich noch, Reserven für das neue Auto oder eine plötzliche Handwerkerrechnung auf dem Tagesgeldkonto zu parken. Häufig sind die Zinsen nämlich dort höher, als die extrem niedrige Inflation von 0,4 Prozent.

Max Herbst von der Finanzberatung FMH rechnet es auf seiner Webseite vor: Wer 10.000 Euro etwa bei der österreichischen Austrian Anadi Bank parkt, hat nach drei Monaten schon 29 Euro mehr auf dem Konto. Dafür könnte man schon mal nett zu Abend essen. Wer sich nach einem Tagesgeldkonto umsieht, will im Durchschnitt aber 44.800 Euro für acht Monate anlegen, hat Herbst aus über 50.000, anonym ausgewerteten Kundenanfragen auf seiner Webseite ermittelt. Bei dieser Anlage-Summe und diesem Anlagezeitraum beträgt der Unterschied zwischen einem Null-Prozent-Konto bereits 299 Euro. Das reicht schon für einen Wochenendtrip. Wer wert auf die deutsche Einlagensicherung lege, könne sich gegenüber einem Null-Prozent-Konto immerhin um bis zu 209 Euro verbessern.

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Positiver Realzins

Viele Banken, vor allem Direktbanken, locken mit Tagesgeldzinsen, die deutlich über der derzeitigen Inflationsrate von 0,4 Prozent liegen. Interessant ist übrigens, dass viele Banken darauf verzichten, Neukunden mit Konditionen zu locken, Bestandskunden aber mit weit niedrigeren Zinsen abzuspeisen. Gerade die Klassenbeste, die Anadi Bank, hält sich konstant an die versprochenen 1,15 Prozent. Bei anderen aber gelten die Top-Zinsen nur für ein paar Monate oder nur bis zu einer bestimmten Geldsumme, danach ist die Verzinsung schlechter als bei anderen Tagesgeld-Konten. Darunter sind auch größere Namen wie etwa die ING Diba oder die Consors Bank (siehe Tabelle). Auch das ist bei der Kontowahl zu berücksichtigen. „Wer nichts verschenken will muss sich einfach die Arbeit machen, und nach Möglichkeiten suchen, Geld sinnvoll zu parken. Daran geht nichts vorbei“, sagt Herbst.

Teils deutlich über der Inflationsrate

Tagesgeldsätze in Deutschland zugelassener Banken*)
AnbieterZinsZins
NeukundenBestandskunden
Austrian Anadi Bank 1,15 %1,15%
Volkswagen Bank 1,10 %

0,30%

Audi Bank 1,10 %

0,30%

Consorsbank 1,00 %

0,20%

ING-DiBa1,00 %

0,35%

Renault Bank direkt 0,80 %

0,60%

HKB Bank0,75 %

0,65%

MoneYou 0,70 %0,70%
DKB Deutsche Kreditbank 0,60 %0,60%
DenizBank0,60 %0,60%
NIBC Direct 0,60 %0,60%
akf bank0,50 %0,50%
RaboDirect0,50 %0,50%
1822direkt0,50 %0,30%
GarantiBank0,40 %0,40%
Merkur Bank 0,40 %0,40%
pbbdirekt0,40 %0,40%
Santander Direkt Bank0,35 %0,35%
CosmosDirekt0,34 %0,34%
*) Anlagesumme 10 000 Euro
Quelle: FMH-Finanzberatung
Stand: 18.8.2016

Die komplette Tabelle inklusive Angaben zur Einlagensicherung ist als Tool der Woche zu finden. Bislang hat nur jeder dritte Bankkunde das Tagesgeldkonto entdeckt, ergab eine Studie der Postbank. Tagesgeld gehört genau so wie das Girokonto technisch zu den „Sichteinlagen“. Dass diese Sichteinlagen in Deutschland seit Jahren rasant steigen, scheint also eher an der wachsenden Vorliebe vieler Bürger zu liegen, gar nichts mehr mit ihrem Geld zu machen. Laut Bundesbank hat sich die Position "Sichteinlagen" binnen zehn Jahren auf 911 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

Auf ihrer Webseite ermöglicht es die FMH-Finanzberatung auch, nach Region, Art der Bank (online oder Filialbank) Anlagesumme und der Rubrik „Bestandskunde oder Neukunde“ das persönlich günstigste Angebot herauszufiltern.

Und noch eine Zahl lässt auf die Sorglosigkeit vieler deutscher Sparer schließen: Sie halten eisern am Sparbuch fest. Gute eine halbe Billion Euro liegt auf deutschen Sparkonten. Meist kommt der Kunde im Notfall gar nicht so einfach an sein Geld ran. Denn für Beträge über 2000 Euro besteht häufig eine gesetzliche Kündigungsfrist. Möglicherweise ist das Sparbuch einfach nur Gewohnheit. Die Summe, die Deutsche dort liegen haben, hat sich in den letzten Jahren nach Daten der Deutschen Bundesbank kaum bewegt.

Und das, obwohl der Zins immer weiter geschrumpft ist und sich inzwischen im Mikrobereich bewegt, wenn es auf dem Sparbüch überhaupt noch Zinsen gibt. 0,1 Prozent bieten etwa die Sparkasse Düsseldorf, die Deutsche Bank oder Santander. Es gibt es hunderte Sparkassen und Banken, die überhaupt keine Zinsen mehr zahlen. Was in Kindertagen ein sinnvoller Weg war, um das Sparen zu lernen, ist heute oft bloß noch Unsinn.

Aber sogar beim Sparbuch sind noch attraktive Ausnahmen auf dem Markt, zeigt eine Tabelle, die ebenfalls die Frankfurter FMH Finanzberatung erstellt hat. Die Merkur Bank, eine Münchner Privatbank, bietet 0,5 Prozent Zinsen auf Einlagen bis zu einer Million Euro. Motto: „Es gibt nicht nur eine Lösung gegen Zinsen, wir haben mehrere.“

Minizinsen oder gar keine
Sparbuchzinsen ausgewählter Banken
Merkur Bank0,50%
BMW Bank0,35%
CosmosDirekt0,30%
GEFA Bank0,30%
VTB Direktbank0,30%
Greensill Bank0,15%
Targobank0,15%
PSD Bank Nürnberg0,10%
Postbank0,05%
Umweltbank0,05%
Sparda Bank München 0,05%
Volksbank Dreieich0,03%
BBBank eG0,01%
Commerzbank0,01%
Deutsche Bank0,01%
HypoVereinsbank0,01%
Santander Bank0,01%
Raiffeisenbank Gmund0,00%
Quelle: FMH-Finanzberatung, eigene Recherche
Stand: 18.8.2016

Da sind Anleger der Sparkasse Gmund schlechter dran. Sie wirbt zwar ebenfalls mit "fairen Zinsen", das wären bei ihrem Sparbuch genau 0,0 Prozent. Attraktiv ist das für die Verhältnisse dieser Bank allemal. Bundesweit bekannt wurde die Bank in den letzten Tagen damit, dass sie auf Sichteinlagen über 100 000 Euro einen Strafzins von 0,4 Prozent verlangt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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