Tool der Woche – Riester-Rente: 15 Jahre und auf dem Prüfstand

Tool der Woche – Riester-Rente: 15 Jahre und auf dem Prüfstand

, aktualisiert 20. Januar 2017, 16:54 Uhr
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Mit einer guten Altersversorgung lässt es sich im Ruhestand entspannter Sport treiben.

von Anke RezmerQuelle:Handelsblatt Online

Die staatlich geförderten Zusatzrente fürs Alter wird intensiv diskutiert. Zum 15. Geburtstag will die Bundesregierung die Förderbedingungen der Riester-Rente verbessern. Ob sie sich lohnt, zeigt ein Vergleichsrechner.

FrankfurtNun ist sie schon 15 Jahre alt und noch immer umstritten, die nach dem früheren Bundesarbeitsminister Walter Riester benannte private Förderrente. Teuer, starr, oft renditeschwach und bei ihrer eigentlichen Zielgruppe zu wenig verbreitet, lautet die Kritik an der Riester-Rente.

Anfang 2002 wurde die Zusatzrente mit dem „Altersvermögensgesetz“ eingeführt. Doch die heutige Arbeitsministerin Andrea Nahles lässt sich nicht beirren und hat eine Reform angestoßen. Ende vergangenen Jahres einigte sich die Bundesregierung auf einen Gesetzentwurf zur Reform der Betriebsrente, mit dem auch die Riester-Rente verbessert werden soll.

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Denn sozialpolitisch betrachtet hat die Riester-Rente ihr Ziel in der Tat bisher nicht erreicht: Die Zahl der Verträge stagniert bei rund 16,5 Millionen. Damit riestert gut die Hälfte der förderungswürdigen Arbeitnehmer, Beamten, Hausfrauen. Aber nur gut zwölf Millionen Vertragsinhaber erhalten die begehrten staatlichen Zulagen, ein Fünftel der Verträge ruht. Und vor allem Geringverdiener, die mit Hilfe eines Riester-Vertrags die Lücke aus der abschmelzenden gesetzlichen Rente stopfen sollen, haben oft keinen Vertrag.

Diejenigen, für die die Förderrente als besonders attraktiv gilt - Familien mit unterdurchschnittlichem Einkommen und mehreren Kindern - , riestern offenbar besonders wenig. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW errechnete für 2015, dass 38 Prozent der heutigen Fördersumme von immerhin drei Milliarden Euro das obere Fünftel einkommensstarker Bürger im Land einstrich. Die unteren 20 Prozent erhielten nur sieben Prozent.

Nun sollen einige Riester-Hürden beseitigt werden. Stark kritisiert wurde, dass Niedrigverdiener ihr angespartes Riester-Vermögen bisher auf eine Grundrente anrechnen müssen. Nun will die Bundesregierung einen Freibetrag für die Anrechnung von Riester-Kapital auf die Grundsicherung schaffen. Bis zu 202 Euro Riester-Rente im Monat sollen ausgenommen werden.

Außerdem soll die staatliche Förderung steigen: Die Riester-Grundzulage für jeden Vertragsinhaber soll 165 Euro im Jahr betragen statt bisher 154 Euro. Familien bekommen generell zusätzlich für jedes Kind 185 Euro Zulage jährlich, für nach 2008 geborenen Nachwuchs sogar 300 Euro.


Ob sich Riestern lohnt, hängt vom Vertrag ab

Um in den Genuss der Riester-Förderung zu kommen, muss ein Sparer aber jede Menge Bedingungen akzeptieren: Vier Prozent seines sozialversicherungspflichtigen Einkommens im Jahr sind in den Vertrag einzuzahlen – sonst gibt es die Förderung anteilig. Außerdem kann jeder bis zu 2100 Euro im Jahr von der Steuer absetzen, die Zulagen werden damit verrechnet. Ausgezahlt wird die Riester-Rente frühestens ab einem Alter von 62 Jahren. 70 Prozent werden verrentet, den Rest kann man auf einmal bekommen. Auf die Auszahlung fallen Steuern an.

Ob sich das Riestern für jemanden lohnt, hängt von seinem Vertrag ab – von Laufzeiten, Steuervorteilen, den Zuschüssen und vor allem von Kosten und der Qualität des über Jahrzehnte laufenden Kontraktes.
Besonders in der Kritik stehen Riester-Versicherungen, die mit knapp elf Millionen Verträgen das Gros der Riester-Renten stellen.

Diese Produkte, die angesichts der Vertriebsmacht der Anbieter am meisten verkauft wurden, gelten oft als teuer und renditeschwach. Der Bestand schrumpft seit Jahren. Im Handelsblatt-Riester-Renten-Rechner können Interessierte prüfen, was verschiedene Versicherungen bieten. Ebenfalls weniger gefragt sind Banksparpläne, die als preisgünstig gelten, aber in der Niedrigzinsphase kaum noch Rendite bringen.

Der Bestand der anderen beiden Riester-Typen hat zuletzt weiter leicht zugenommen: Riester-Investmentfonds gibt es 3,2 Millionen, Verträge für den Kauf oder Umbau einer selbst genutzten Immobilie – genannt Wohn-Riester – 1,7 Millionen. Diese beiden Riester-Arten sind weniger umstritten. Fonds versprechen die Chance auf höhere Rendite, vor allem wenn Sparer beim Kauf über Fondsvermittler oder direkt beim Anbieter Gebühren sparen.

Der Marktführer bei der Riester-Rente, das genossenschaftliche Fondshaus Union Investment, beziffert die Rendite seines Fonds-Riesters für die vergangenen 15 Jahre mit jährlich 7,9 Prozent nach laufenden Kosten, dies ohne Berücksichtigung staatlicher Förderung. Allerdings bremst die Renditechancen die vorgeschriebene Garantie der eingezahlten Beiträge zum Zeitpunkt der Auszahlung.

Dafür muss ein Teil des Kapitals in risikoarme, sichere Anleihen angelegt werden. Anbieter und Verbraucherschützer fordern daher die Abschaffung dieser Garantie. Vielen geht auch die Förderung der Riester-Rente nicht weit genug. Sie fordern, die staatliche Unterstützung zu dynamisieren, um ein höheres Vermögen ansparen zu können.


Komplizierte Bedingungen kritisiert

Viele Experten beanstanden außerdem die komplizierten Bedingungen des Riesterns. Umfragen ergeben immer wieder, dass die Deutschen die Vorsorgeprodukte oft zu unverständlich finden. Frank Breiting, Leiter Vertrieb für Altersvorsorgeprodukte bei der Deutsche-Bank-Fondstochter Deutsche AM, zeigt dafür Verständnis: „Viele Produkte und die staatliche Förderung sind extrem kompliziert“, sagt er. Selbst Finanzberater seien oft überfordert etwa mit Details zur Riester-Rente.

Für Breiting macht deshalb ein reiner Ausbau der Förderung des Alterssparens wenig Sinn. Viele Sparer nähmen ihre Förderung gar nicht in Anspruch. Mehr als jeder Zehnte Besitzer eines Riester-Vertrags in seinem Haus habe zum Beispiel ihre staatliche Zulage nicht beantragt. Dass Vertragsinhaber überhaupt einen solchen Antrag stellen müssen, findet Breiting ohnehin überflüssig: Die Anbieter müssten den Finanzämtern alle Riester-Verträge melden, das sollte quasi als automatischer Zulagenantrag genügen, meint er.

Um wirklich etwas zu bewirken, muss die Förderung „radikal vereinfacht werden“, meint der Vorsorge-Experte und schlägt vor: „Wer einen Euro fürs Alter spart, erhält die Hälfte dazu.“ Und Bezieher geringer Einkommen sollten noch einen Euro extra bekommen.

Gegner der Förderrente setzen noch an einem anderen Punkt an: „Verbraucher erhalten keine bedarfsgerechten Riester-Produkte“, moniert Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg regelmäßig. Für den Finanzexperten liegt der Fehler im provisionsgetriebenen Vertrieb. Die Verbraucherzentralen machen sich für eine staatlich gesteuerte Vorsorge stark. Politiker aus Hessen schlagen ein ähnliches Konzept als „Deutschlandrente“ vor.

In der Bundesregierung werden ebenfalls breit Alternativen diskutiert: CDU-Arbeitnehmervertreter Karl-Josef Laumann schlägt ein preiswertes, leichter verständliches Standardprodukt für die Riester-Rente vor. Und Ministerin Nahles macht sich in ihrem Reformentwurf für ein Riester-Standard-Produkt stark, auf das sich Anbieter, Verbraucherschützer und Politiker einigen sollten. Dieses könnte ihrer Ansicht nach als Messlatte für die Produkte dienen. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Gesicht der Riester-Rente in ihrem Jubiläumsjahr verändert.

Quelle:  Handelsblatt Online
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