Vorsorgeatlas: Junge Deutsche sind die Generation Rentenlücke

Vorsorgeatlas: Junge Deutsche sind die Generation Rentenlücke

, aktualisiert 10. Oktober 2017, 11:42 Uhr
von Ingo NaratQuelle:Handelsblatt Online

Zu wenig Geld im Alter: Die gesetzliche Rente wird nicht reichen. Den heute Jungen werden nach dem Arbeitsleben viele hundert Euro fehlen – jeden Monat. Wie viel, das hat ein Professor bundesweit ausgerechnet.

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Den heute Jungen werden nach dem Arbeitsleben viele Hundert Euro pro Monat fehlen.

Die gesetzliche Rente bleibt die Hauptstütze der Altersversorgung in Deutschland. Doch die Älteren stehen besser da als die Jungen. Wie groß die Unterscheide sind, hat der Freiburger Finanzprofessor Bernd Raffelhüschen im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment durchgerechnet und im „Vorsorgeatlas Deutschland 2017“ beziffert. Die Zahlensammlung gilt als umfangreichste ihrer Art.

Die 50- bis 65-Jährigen erreichen den Daten zufolge rund 64 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens, können damit ihren Lebensstandard sichern. Dagegen kommen die 20- bis 34-Jährigen nur auf 38,6 Prozent. „Sie benötigen daher etwa 800 Euro zusätzlich pro Monat und müssen aktiv werden“, sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment, bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt.

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Das Thema Generationengerechtigkeit ist brisant. Es stand auch im Mittelpunkt des Rentenversicherungs-Nachhaltigkeitsgesetzes aus dem Jahr 2004. Dort ist festgelegt, dass nie mehr als ein Fünftel des Lohns an die gesetzliche Rentenversicherung abgegeben werden soll und das Rentenniveau sich entsprechend anzupassen habe. Diese Regelung soll die geburtenschwachen nachfolgenden Generationen vor übermäßiger Belastung durch die wachsende Rentnerzahl schützen.

Altersvorsorge: So viel Rente darf der Standardrentner erwarten

  • Zur Prognose

    Die Prognosen beziehen sich auf den sogenannten Standardrentner, der 45 Jahre Beiträge gezahlt und immer das Durchschnittseinkommen der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verdient hat. Die angegebene Bruttostandardrente versteht sich vor Steuern. Das Sicherungsniveau vor Steuern gibt das Verhältnis der Renten im Vergleich zum Durchschnittseinkommen der beitragszahlenden Beschäftigten abzüglich der durchschnittlichen Sozialversicherungsbeiträge an.

     

    Quelle: Rentenversicherungsbericht 2015, Deutsche Rentenversicherung Bund, Stand: November 2015

     

  • 2010

    Beitragssatz zur GRV: 19,9 %

    Bruttostandardrente: 1224 Euro monatlich

    Sicherungsniveau vor Steuern: 51,6 %

  • 2016

    Beitragssatz zur GRV: 18,7 %

    Bruttostandardrente: 1372 Euro monatlich

    Sicherungsniveau vor Steuern: 47,7 %

  • 2020

    Beitragssatz zur GRV: 18,7 %

    Bruttostandardrente: 1517 Euro monatlich

    Sicherungsniveau vor Steuern: 47,6 %

  • 2025

    Beitragssatz zur GRV: 20,4 %

    Bruttostandardrente: 1680 Euro monatlich

    Sicherungsniveau vor Steuern: 46,0 %

  • 2029

    Beitragssatz zur GRV: 21,5 %

    Bruttostandardrente: 1824 Euro monatlich

    Sicherungsniveau vor Steuern: 44,6 %

In der gesamten Bevölkerung haben laut Raffelhüschen etwa 33,5 Millionen Deutsche Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung, Beamtenversorgung und berufsständischer Versorgung. Insgesamt erreichen sie damit 48,9 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens. Zur Sicherung des Lebensstandards gelten 60 Prozent beziehungsweise das als Grundsicherung geltende Niveau als kritische Marke.

Dazu kommt die zweite Absicherungsebene mit Riester-Rente, betrieblicher Altersversorgung und der Zusatzversorgung des öffentlichen Dienstes. Ansprüche daraus haben 19,6 Millionen Menschen, die so ihren Lebensstandard im Alter tatsächlich sichern können. Nimmt man die dritte Säule mit dem Privatvermögen hinzu, dann erreichen diese Personen sogar knapp 83 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens.

Der Vorsorgeatlas kommt für alle Versicherten in Deutschland im Durchschnitt auf eine monatliche gesetzliche Rente von 1070 Euro. Damit erreichen die Betroffenen nur 48 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. „Entscheidend ist, die Möglichkeiten vor allem der privaten Vorsorge zu nutzen“, sagt Reinke.

Die umfangreiche Datensammlung legt unterschiedliche Absicherungsniveaus in Deutschland auch getrennt nach Region, Einkommen und Geschlecht offen. Aus der geografischen Brille erhalten die Bürger im Osten Deutschlands die geringsten Zahlungen aus der gesetzlichen Rente. Im Schnitt sind es 988 Euro, in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns nur 926 Euro.

Besser kommen viele Regionen aus dem Süden Deutschlands weg. Die höchsten Rentenzahlungen erhalten die Oberbayern mit 1169 Euro. Allerdings sind hier auch die Versorgungslücken höher, die immer auf die Bruttogehälter bezogen sind – die hier im Schnitt höher liegen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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