Opel Astra Sports Tourer im Test: Der Unterschätzte

Opel Astra Sports Tourer im Test: Der Unterschätzte

, aktualisiert 11. August 2016, 08:11 Uhr
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Abhängig von Motorvariante und Ausstattung ist der Astra Sports Tourer im Vergleich zum Vorgänger bis zu 190 Kilo leichter und im Verbrauch bis zu 20 Prozent günstiger geworden, verspricht der Hersteller. Die Fahrzeuglänge blieb mit 4,70 m gleich, damit zählt der Opel zu den Größen in seinem Segment. Und er fährt einige echte Premium-Argumente auf, wenn man bei den Extras nicht zu geizig ist.

von Frank G. HeideQuelle:Handelsblatt Online

Viel Kofferraum, wenig Charisma: Der neueste Kombi von Opel ist vollgepackt mit modernster Technik, ist erstklassig vernetzt, und bietet perfekte Sitze. Doch beim Image fährt er der Konkurrenz hinterher. Zu Unrecht?

DüsseldorfWenn von Europas „Auto des Jahres“ eine Kombiversion auf den Markt kommt, dann ist das in unserer Kombi-Nation Nr. 1 immer noch eine Nachricht wert. Und kurz bevor Opel von seinem neuen Erfolgsmodell Astra die Lademeister-Variante im April zu den Händlern stellte, zeichnete sich ihr Erfolg schon ab: Das erste Quartal 2016 war für die Rüsselsheimer das beste seit fünf Jahren. Die deutsche GM-Tochter verkaufte mit 59.000 Pkw rund 7500 Pkw oder 14,5 Prozent mehr als in den ersten drei Monaten 2015, der Marktanteil kletterte auf 7,5 Prozent.

Gleich doppelt gute Nachrichten für und von Opel also, denn die starke Entwicklung zum Jahresauftakt resultierte vor allem aus der hohen Nachfrage dem Opel Astra. Und dessen Kombivariante, der Astra Sports Tourer, feierte am 9. April Premiere bei den deutschen Händlern, zu diesem Zeitpunkt lagen für die Baureihe europaweit mehr als 140.000 Bestellungen vor.

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Gerechtfertigte Vorschusslorbeeren? Nachdem uns der kompakte Opel Astra schon im Handelsblatt-Test ausgesprochen gut gefallen hatte, mussten wir den Kombi natürlich auch sofort ausprobieren. Er wendet sich sich stärker an Gewerbekunden, Außendienst-Vielfahrer und Familien, und punktet mit zwei Kennzahlen bei diesen Zielgruppen: 1630 Liter und 1,87 Meter.

1630 Liter Volumen passen maximal in den Kofferraum, mindestens sind es 540 Liter. Und 1,87 Meter lang macht sich der Laderaum, wenn die geteilte Rücksitzbanklehne umklappt ist. Das sind Daten, die sich im Wettbewerb durchaus sehen lassen können, wie die Vergleichswerte in unserer Tabelle zeigen:

Modell

Seat


Leon ST
Ford Focus


Turnier
Opel Astra


Sports Tourer

Stauvolumen / L

587 - 1470

490 - 1516

540 - 1630

Modell

Volkswagen
Golf Variant

Hyundai
i30 cw

Peugeot
308 sw

Stauvolumen / L

605 - 1620

528 - 1648

610 - 1660

Modell

Skoda
Octavia Combi

Mazda6
Kombi

Renault Talisman
Grandtour

Stauvolumen / L

610 - 1740522 - 1664572 - 1681

Damit verbessert Opel das Stauvolumen im Vergleich zum Vorgänger um rund 80 Liter, während das Fahrzeug äußerlich bei den gleichen Abmessungen bleibt. Doch nicht nur das Gepäck gewinnt: Auch die Insassen spüren, dass alle relevanten Innenmaße großzügiger geworden sind, was sich auf Raumgefühl und Komfortgewinn schon auf den ersten Testkilometern sehr positiv auswirkt.


Beachtlicher Diät-Erfolg

Und weil Opel für den Sports Tourer einfach nur ins Astra-Regal zu greifen braucht, freut sich der Kunde über ein breite Motorenpalette, die – wie bei der Limousine – für unterschiedlichste Ansprüche etwas Passendes bereithält. In Deutschland werden die meisten Kunden wahrscheinlich wieder zur Dieselmotorisierung greifen, auch wenn die im Moment eher negative Schlagzeilen macht.

Was man beim Fahren nicht direkt spürt, sich aber auf den Verbrauch positiv auswirkt, ist der Diäterfolg von rund 190 Kilo, die der Rüsselsheimer im Vergleich zur vorigen Generation abspeckte. So vergehen mit dem neu entwickelten Diesel mit 118 kW beziehungsweise 160 PS nur 8,1 Sekunden, bis aus dem Stand Tempo 100 erreicht ist.

Der drehmomentstarke Selbstzünder wirkt aber auch souverän, wenn man es gemütlicher angehen lässt. Wohl nicht zuletzt dank des wirkungsvollen Doppel-Turboladers, der jede Anfahrschwäche vergessen lässt. Beeindruckender als die 220 km/h Höchstgeschwindigkeit, bei der es dann doch sportlich laut ist im Astra, fand ich aber den Alltagsverbrauch, der sich nur wenig von den sonst eher theoretischen Normwerten entfernte.

Statt offizieller 4,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer im Drittelmix nahm sich der Testkombi in der Praxis meist deutlich weniger als 6 Liter, was angesichts von Leistungs- und Transportangebot wirklich in Ordnung geht.

Was die meisten Testwagen auszeichnet ist ihre umfangreiche Extra-Ausstattung, mit der die Hersteller beweisen, was man aus einem Basisfahrzeug theoretisch machen kann. Wenn Geld keine Rolle spielt. Da bildet auch Opel keine Ausnahme, und hat dem Sports Tourer beispielsweise die 40:20:40 geteilte Rückbank spendiert, die sich vom Kofferraum aus per Hebelzug umlegen lässt (Aufpreis: 250 Euro). Dazu gesellt sich praktisches Zubehör für die Ladesicherung wie Schienensysteme und Netze, natürlich gegen weiteres Aufgeld.

Ganz neu ist die Option, die Heckklappe schlüssellos per Fußschwenk unter der Stoßstange sowohl zu öffnen als auch zu schließen, was je nach Ausstattung 750 bis 885 Euro kostet. Weiterhin an Bord: Das zu Recht viel gelobte LED-Matrixlicht für 1450 Euro extra und die besonders empfehlenswerten Ergonomiesitze für 685 Euro. Sie lassen in puncto individuelle Anpassung und Rückenfreundlichkeit sogar Sitze von Premiumautos alt aussehen.

So fängt der Astra Sports Tourer (mit 1,4 Liter Benziner und 100 PS) zwar bei 18.260 Euro an, und liegt damit nur 1.000 Euro über der fünftürigen Limousine. Der Top-Diesel mit Innovation-Ausstattung steht allerdings schon mit rund 11.000 Euro mehr in der Liste. Mit der Leder-Ausstattung, schicken 18-Zoll-Felgen und einigen zeitgemäßen Sicherheitsassistenten wie Verkehrsschilderkennung, Spurhaltehelfer oder Parkassistent lässt er sich aber locker auf mehr als 38.000 Euro konfigurieren.

Über 41.000 Euro werden es mit zusätzlichem Panorama-Glasdach (915 Euro), Anhängerkupplung (695 Euro), und Standheizung (1400 Euro). Das legt schon Gedanken an den größeren Insignia nahe, natürlich in sparsamerer Möblierung.


OnStar macht den Unterschied

Was ist das Besondere am Astra? Dass man schon nach einigen Testkilometern und entspannt erledigten Alltagsfahrten gar nicht mehr verstehen kann, warum Opel für viele angeblich immer noch ein Imageproblem haben soll. Wenn das so ist, muss es an der verfehlten Modellpolitik und Management-Missgeschicken der Vergangenheit liegen, sowie hartnäckigen Vorureilen, die sich lange halten. Am Produkt Astra kann es nicht liegen, dass gilt beim sehr nutzwertigen Sports Tourer, der endlich auch hinten Großgewachsenen genug Platz bietet, noch mehr als bei der Limousine.

Wer Opels eigenwillige und teure Paketpolitik und Aufpreise nicht mitmachen möchte, wird doch zugeben müssen, dass die Vielzahl der Annehmlichkeiten die serienmäßig zum Astra gehören, sogar manche Premiumprodukte alt aussehen lässt. Drei Jahre Garantie und Inspektionen inklusive sind da nur eine Kleinigkeit.

Technisch ganz nach vorn fährt Opel mit seinem preisgekrönten Multimedia-Infotainment-System OnStar. Denn der Kombi zählt zwar zu den am besten vernetzten Autos seiner Klasse, verlässt sich aber trotzdem nicht allein auf die digitale Technik. Der aufpreispflichtige Dienst bietet dank installierter SIM-Karte neben Notruf-, Fernwartungs- und Ortungsdiensten auch ein WLAN-Netz im Fahrzeuginneren. Musik-Streaming für den Fahrer und Internet-Surfen für die Passagiere klappt damit schnell und unproblematisch, doch das können andere auch.

Ein echtes Plus: Man kann sich telefonisch zu einem Callcenter verbinden lassen, in dem einem ein Mensch Gehör schenkt. Und schnell und persönlich weiterhilft, sei es auch nur, weil ich während der Fahrt mit dem Navi überfordert war. Der weibliche Operator versteht mich auf Anhieb, die genuschelte Zieladresse macht ihr nichts. Sekunden später schickt sie mir Ort und Straße ins Navi. Nur noch Zielführung starten, fertig. Ein echtes Erfolgserlebnis. Ab der Ausstattungsstufe Dynamic ist OnStar im Astra mit an Bord, ansonsten kostet es 490 Euro. Der Telematikdienst und WLAN kosten aber extra, mindestens 100 Euro pro Jahr.

Und wenn ich mal nicht nach dem Weg fragen muss, freut mich die schnelle, problemlose Smartphone-Anbindung, die sowohl über Apples Car Play als auch über Googles Android Auto funktioniert. Apps, die für den Fahrer als nicht ablenkend identifiziert wurden, werden aus dem Handy auf den Touchscreen des Astra gespiegelt, inklusive Routenführung über Google Maps, die das Opel-Navi ersetzt, wenn man das möchte.

Obwohl OnStar in Deutschland relativ frisch im Opel-Angebot ist, war es in den USA im GM-Angebot schon seit Jahren zu haben. Entwickelt zu einer Zeit, als die Automanager noch nicht wegen Apple-Autos und Google-Datenkraken unruhig schliefen. Womit ein weiteres Vorurteil widerlegt ist: Es muss nicht alles schlecht sein für Opel, was aus den USA kommt.

Technische Daten Opel

Astra Sport

 

Tourer

 

1.6 CDTI ecoflex Business
6-Gang-Handschaltung, Frontantrieb, Start&Stop
Reihenvierzylinder mit BiTurbo1598 ccm Hubraum
Leistung:118 kW / 160 PS bei 4000 U/min
Max. Drehmoment:350 Nm bei 1500 - 2250 U/min

Fahrleistungen

Höchstgeschwindigkeit220 km/h
Beschleunigung 0 - 100 km/h8,1 Sek.

Maße und Gewichte

Länge4702 mm
Breite1871 / 2042 mm
Höhe1510 mm
Radstand2662 mm
Wendekreis11,05 m
Tankinhalt48 L.
Leergewicht1273 - 1435 kg
Zul. Gesamtgewicht1830 - 1985 kg
Kofferraumvolumen540 - 1630 L.
Anhängelast610 - 1700 kg

Verbrauch & Emissionen

Innerorts in l/100 km5,1
Außerorts in l/100 km3,6
Kombiniert in l/100 km4,1
CO2-Emission in g/km109
SchadstoffklasseEuro6
EnergieeffizienzklasseA
Quelle:  Handelsblatt Online
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