Atomabkommen: Iraner wütend auf Trump, aber auch auf die eigene Regierung

Atomabkommen: Iraner wütend auf Trump, aber auch auf die eigene Regierung

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Iranerinnen demonstrieren.

Für die Iraner haben die Entscheidungen von Trump nichts mehr mit politischen Differenzen zu tun. Er scheint was gegen Perser zu haben, meinen viele. Ganz unschuldig ist die iranische Regierung für sie aber auch nicht.

Die Iraner hatten gehofft, dass nach dem Atomabkommen alles besser wird. Tatsächlich gab es merkliche Fortschritte, Teile der internationalen Sanktion gegen das Land wurden aufgehoben. Aber dann kam Donald Trump - und alles scheint wieder von vorne anzufangen. Einreisestopp für alle Iraner in die USA, neue Sanktionen, erneute Drohungen und auch wieder die Angst vor einer militärischen Eskalation.

Zwei Wochen nach der Amtsübernahme des neuen Präsidenten in Washington haben die USA am Freitag neue Wirtschaftssanktionen gegen 25 iranische Personen und Einrichtungen verhängt. Der Schritt erfolgte als Reaktion auf Tests einer Rakete und eines Marschflugkörpers der iranischen Streitkräfte.

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Die offizielle Reaktion in Teheran: „Die dilettantische und irrationale Politik der neuen amerikanischen Regierung wird an den Prinzipien der iranischen Politik nichts ändern.“ Das Raketenprogramm diene lediglich der Verteidigung, dies sei das legitime Recht des Landes. Außerdem werde Teheran weiterhin gegen Terrorismus und für Frieden und Stabilität in der Region kämpfen.

Wissenswertes zum Iran

  • Bedeutung in der Golf-Region

    Der Iran ist schon alleine wegen der Bevölkerungszahl von fast 80 Millionen eine Macht in der Golf-Region. Der Gottesstaat war jedoch wegen seiner kompromisslosen Atompolitik in den vergangenen zehn Jahren international isoliert. Die im Zusammenhang mit dem Atomstreit verhängten Sanktionen führten in dem öl- und gasreiche Land auch zu einer Wirtschaftskrise. Viele Beobachter rechneten daher mit einem zweiten Nordkorea am Persischen Golf.

  • Wandel durch Hassan Ruhani

    Mit dem Sieg von Hassan Ruhani bei der Präsidentenwahl 2013 im Iran änderte sich jedoch das Bild. Sein Wahlslogan „Versöhnung mit der Welt“ führte im Juli 2015 zu einem Atomabkommen mit dem Westen. Der Iran wurde plötzlich zu einem potenziellen politischen und wirtschaftlichen Partner des Westens in einer von Krisen geschüttelten Region. Besonders im Syrien-Konflikt hofft der Westen auf eine positive Rolle Teherans.

  • Rolle im Kampf gegen den IS

    Mit seinen beiden gut ausgerüsteten Streitkräften - der klassischen Armee und den Revolutionsgarden - kann der Iran besonders im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine entscheidende Rolle spielen. Diese Rolle aber ist innerhalb der Region höchst umstritten, unter anderem bei der anderen Regionalmacht Saudi-Arabien. Ideologische und besonders religiöse Differenzen zwischen dem schiitischen Iran und den sunnitisch-wahhabistischen Saudis sorgen daher immer wieder für Spannungen in der Region. 

Auch viele Bürger sehen ihr Land zu Unrecht gestraft. „Bis jetzt war es Politik, Trump aber scheint persönlich was gegen uns zu haben“, sagt die 46-jährige Hausfrau Fariba D. aus Teheran. „Der (ehemalige US-Präsident Barack) Obama hatte ja nur was gegen das Regime, aber der Neue (Trump) angeblich auch was gegen Land und Volk“, befürchtet sie.

„Trumps Politik ist einfach beleidigend“, sagt auch Asghar Farhadi, der Regisseur des Oscar-nominierten Films „The Salesman“. Aus Protest werden er und seine beiden Hauptdarsteller Taraneh Alidoosti und Schahab Hosseini die Preisverleihung Ende Februar boykottieren. Wie viele Iraner halten sie die neue Trump-Politik für diskriminierend und rassistisch.

Dass ausgerechnet Raketentests als Rechtfertigung für erneute Sanktionen herhalten müssen, scheint vielen unglaubwürdig: „Die hat es ja immer gegeben, die amerikanische Reaktion ist diesmal total übertrieben“, sagte ein iranischer Student. Er hält auch amerikanische Unterstellungen bezüglich Irans Rolle im Terrorismus für grundlos.

Nach den verheerenden Terrorangriffen vom 11. September 2001 in New York und Washington wurden keine iranischen Staatsbürger verdächtigt, geschweige denn verhaftet. „Aber die in diesem Zusammenhang eindeutig involvierten Länder werden von Trump nicht mal angesprochen“, kritisiert Schauspielerin Alidoosti.

Doch auch die eigene Regierung steht in der Kritik. „Ich verstehe nicht, warum die jeden Monat Raketen in die Luft schießen müssen“, sagt ein Basar-Händler in Teheran. Gleich am Anfang seiner Präsidentschaft Donald Trump so zu provozieren sei „einfach nur dumm“. Die Verteidigung gegen eine theoretische Gefahr eines Angriffs auf den Iran beschere seinen Bürgern mit den Sanktionen nun reale Probleme, argumentiert ein anderer Händler.

Allerdings bleibt bisher unklar, welche Auswirkungen die neuen Sanktionen tatsächlich haben werden. Sie wären nach Meinung von Wirtschaftsexperten nur dann effektiv, wenn sie die nach dem Atomabkommen mit den USA getroffenen Abkommen betreffen sollten - darunter ein Geschäft mit dem Flugzeugbauer Boeing, bei dem die Wartung der alten iranischen Boeings vereinbart wurde. Auch Geschäfte mit amerikanischen Medikamenten und Nahrungsmitteln könnten betroffen sein.

Die Hardliner im Iran freuen sich indes über die Entwicklung. Vier Monate vor der Präsidentschaftswahl wittern sie Chancen, mit ihrem Kandidaten gegen den gemäßigten Amtsinhaber Hassan Ruhani zu gewinnen. „Der neue US-Präsident kann sich dann freuen, dass nun ein iranischer Trump die Wahl gewinnen könnte“, so der ironische Kommentar eines Teheraner Politologen.

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