Bürgerkrieg in Syrien: Darum wird so verbissen um Aleppo gekämpft

Bürgerkrieg in Syrien: Darum wird so verbissen um Aleppo gekämpft

, aktualisiert 01. August 2016, 18:58 Uhr
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In den Straßen von Aleppo tobt der Bürgerkrieg, dabei leben in der Stadt noch Hunderttausende Zivilisten.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Stadt Aleppo ist ein Symbol für den wohl grausamsten Bürgerkrieg der Welt gibt. Umkämpft, geteilt und eingekesselt ist sie ein Spielball der Propaganda im Zentrum der Gewalt. Dabei lebten dort noch viele Zivilisten.

AleppoWer Aleppo erobert, gewinnt womöglich den gesamten syrischen Bürgerkrieg. Das sagen Experten, die seit Jahren die Gewalt in der ehemaligen Millionenmetropole verfolgen.

Warum ist Aleppo für den syrischen Bürgerkrieg so wichtig?

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Aleppo in Nordsyrien ist – noch vor der Hauptstadt Damaskus – das größte Zentrum im Bürgerkriegsland. Doch es ist nicht nur die immense historische, kulturelle und vor dem Konflikt auch wirtschaftliche Bedeutung, die die Stadt zum Symbol für den wohl grausamsten Bürgerkrieg der Welt macht: Umkämpft wie keine andere Stadt ist Aleppo zwischen den Regimetruppen von Machthaber Baschar al-Assad und verschiedenen Rebellengruppen zerrissen. So wie das gesamte Land. Wer Aleppo – strategisch wichtig nahe der türkischen Grenze gelegen – erobert, könnte auch den gesamten Bürgerkrieg gewinnen.

Warum ist die Stadt geteilt?

Nachdem es in Aleppo 2011, zu Beginn des syrischen Bürgerkrieges, relativ ruhig blieb, starteten Rebellen im Sommer 2012 eine Offensive, um die Regierung aus Nordsyrien zu vertreiben. Doch sie konnten die Millionenstadt nur zum Teil einnehmen. Seitdem ist Aleppo zwischen Assad-Truppen und Aufständischen geteilt. Luftangriffe erschüttern die Stadtteile in Rebellenhand. Die Milizen wiederum beschießen die Bezirke unter Regierungskontrolle.

Wer kämpft wo in Aleppo?

Das syrische Regime kontrolliert mit seinen Verbündeten – zu denen unter anderem Russland gehört – den Westteil der Stadt und hält auch Gebiete außerhalb der Stadtgrenzen, so dass die Rebellen im Osten Aleppos belagert sind. Die eingeschlossenen Gruppen gehören einem weiten Spektrum zwischen extremistisch, islamistisch bis hin zu moderat an. Einige werden auch von den USA unterstützt. Genauso wie die kurdischen Kämpfer, die einige Viertel im Norden der Stadt kontrollieren.

Und außerhalb der Stadt?

Im Westen und Südwesten herrscht das Islamisten-Bündnis Dschaisch al-Fatah, das am Sonntagabend eine Offensive gestartet hat, um den Belagerungsring um Aleppo zu brechen. Der Koalition gehören zwar auch moderate Kämpfer an, sie wird aber von mächtigen und teils extremistischen Gruppen dominiert. So handelt es sich bei Fatah al-Scham – noch vor wenigen Tagen als Al-Nusra-Front der offizielle Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida in Syrien – um Dschihadisten. Die islamistische Miliz Ahrar al-Scham gibt sich dabei etwas pragmatischer und weniger radikal. Die Türkei gilt als wichtige Unterstützerin der Miliz.


Das sagen die Vereinten Nationen zur aktuellen Lage

Wie ist die Lage in der Stadt?

Hilfsorganisationen warnen vor einer humanitären Katastrophe. Allerdings funktioniert die Grundversorgung in Aleppo noch weitgehend, wie Bewohner berichten. Brot müsse zwar rationiert werden, sei aber noch ausreichend vorhanden, sagte Hagi Hassan vom Stadtrat der Rebellengebiete in Aleppo. „Treibstoff gibt es immer noch ausreichend und die Krankenhäuser haben das Notwendigste.“ Durch kürzlich von der Regierung eingerichtete Fluchtkorridore sollen Zivilisten die Stadt sicher verlassen können. Die Opposition spricht von einem Propagandatrick.

Was sagen die Vereinten Nationen dazu?

Die Hilfsorganisationen und die UN haben zwar betont, dass sie alles begrüßen, was irgendwie die Not der Bevölkerung lindert. Zugleich haben sie Vorbehalte deutlich gemacht. Flucht- und Hilfskorridore seien nutzlos, wenn es nicht zugleich eine Waffenruhe gebe. „Wie kann man erwarten, dass Menschen durch solche Korridore gehen, wenn ringsum geschossen, bombardiert und gekämpft wird?“, fragte der UN-Vermittler Staffan De Mistura.

Mit der Einrichtung der Fluchtkorridore haben die syrische Regierung und ihr Verbündeter Russland die USA sowie die UN vor vollendete Tatsachen gestellt. Das weckt den Verdacht, dass es nicht nur um humanitäre Hilfe, sondern um militärisches Kalkül geht. So könnten möglichst viele Zivilisten aus der Kampfzone gebracht werden, um einen Sturm auf die östlichen Stadtteile zu erleichtern, sagte der russische Experte Wladimir Frolow der Zeitung „Wedomosti“.

Warum kämpft Russland in Syrien?

Russland hat im vergangenen September militärisch in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen. Offiziell geht es darum, den Terrorismus zu bekämpfen. Tatsächlich haben russische Luftangriffe vor allem das schwankende Assad-Regime stabilisiert. Moskau will nicht unbedingt Assad als Person, aber zumindest sein Regime erhalten. Daneben erzwingt Russland auch, auf internationaler Bühne wieder als wichtiger Akteur akzeptiert zu werden.

Welche Bedeutung hat die Rebellenoffensive?

Wenn die Aufständischen es schaffen, eine neue Versorgungsroute in die belagerten Gebiete freizukämpfen und diese zu halten, würde es die Position der Regierung deutlich schwächen. Eine Versorgung - für Kämpfer und Zivilisten - wäre gewährleistet und die Schlacht um Aleppo wieder offener. Auch wird der Kampf im Südwesten der Stadt Assad-Truppen binden. Das könnte zur Schwächung anderer Verbände in der Region führen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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