Donald Trump: Streit mit den Medien setzt sich fort

Donald Trump: Streit mit den Medien setzt sich fort

, aktualisiert 23. Januar 2017, 20:22 Uhr
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Der neue Mann im Weißen Haus versteht sich nicht sonderlich gut mit den Vertretern der Medien.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Streit zwischen dem neuen US-Präsidenten Trump und den Medien setzt sich auch nach der Vereidigung fort. Beide Seiten werfen einander vor, falsche Informationen zu verbreiten. Die Fronten sind verhärtet.

New YorkAuch nach seinem Einzug ins Weiße Haus nimmt es das Team von US-Präsident Donald Trump mit der Wahrheit nicht so genau. Nicht belegbare und offenkundig falsche Behauptungen werden als Fakten präsentiert und die Medien für Fehlinformationen verantwortlich gemacht. Einige von Trumps Anhängern bejubeln seinen Feldzug gegen die Presse, Kritiker sehen die Glaubhaftigkeit der US-Regierung grundsätzlich in Gefahr.

Trump steht bereits seit der Ankündigung seiner Bewerbung auf die Präsidentschaft mit den traditionellen Nachrichtenmedien auf Kriegsfuß. Sein Antreten wurde als aussichtslos verlacht, seine Tweets und Wortmeldungen wurden immer wieder von Journalisten zerpflückt und als Fehlinformationen enttarnt. Doch als der neue Pressesprecher im Weißen Haus, Sean Spicer, am Wochenende nicht haltbare Behauptungen über die Zuschauerzahl bei der Vereidigung verbreitete, war für viele ein neues Niveau an Desinformation erreicht.

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Pressesprecher im Weißen Haus hätten immer wieder falsche Informationen ihrer Vorgesetzten bekommen und die dann an die Presse weitergegeben, sagte die US-Journalistenlegende Dan Rather am Sonntag. Oder sie hätten die Pressevertreter durch das Verschweigen wichtiger Details in die Irre geführt. Aber nie in seiner jahrzehntelangen Karriere seien offenkundig falsche Informationen so unverhohlen als Wahrheit präsentiert worden. „Das ist eine vorsätzliche Propagandakampagne“, sagte Rather.

Spicer ist ein altgedienter Republikaner, war unter anderem für Ex-Präsident George W. Bush tätig und arbeitete zuletzt als Sprecher des Republikanischen Nationalkomitees. Bei einem Pressebriefing am Samstag behauptete er, die Bilder von der Vereidigung Trumps seien von den Medien absichtlich zugeschnitten worden, um die Menge kleiner aussehen zu lassen. Dabei sei es die größte Menschenansammlung bei einer Amtseinführung eines US-Präsidenten jemals gewesen.

Beide Behauptungen sind nicht belegbar, auf Fotos der ersten Amtseinführung von Ex-Präsident Barack Obama sind deutlich mehr Menschen zu sehen. Beweisbar falsch sind weitere Aussagen, die Spicer während dieses Briefings traf: dass die Washingtoner U-Bahn am Freitag mehr Passagiere verzeichnete als bei der zweiten Amtseinführung Obamas vor vier Jahren; dass am Freitag erstmals die Mall vor dem Kapitol mit weißem Boden ausgelegt war, wodurch der Platz dort leerer gewirkt habe; und dass zusätzliche Kontrollen durch „Magnetometer“ Hunderttausende vom Betreten des Areals abgehalten hätten.

Von Fernsehmoderator Chuck Todd am Sonntag in der Sendung „Meet the Press“ auf diese „Unwahrheiten“ angesprochen, sagte Trump-Beraterin Kellyanne Conway, es seien „alternative Fakten“. Auch Trump selbst warf den Medien vor, die Zuschauerzahl absichtlich zu niedrig angesetzt zu haben. Journalisten bezeichnete er als die „unehrlichsten menschlichen Wesen auf der Erde“.

Ein früherer Sprecher im Weißen Haus, Ari Fleischer, vermutet, dass Trump persönlich Spicer angewiesen habe, die nicht belegbaren Behauptungen über die Amtseinführung zu präsentieren. Fleischer, der wie Spicer für Ex-Präsident Bush tätig war, mahnte, dass Pressesprecher im Weißen Haus nicht nur ihren Vorgesetzten verpflichtet seien. Sie müssten auch den Journalisten die Informationen geben, die sie für ihre Arbeit brauchten, sagte er. Bei seinen künftigen Pressebriefings müsse Spicer die harten Fragen zulassen und Vernunft an den Tag legen.

Auch Terence Hunt, langjähriger Korrespondent der Nachrichtenagentur AP im Weißen Haus, sieht Spicers Ruf auf dem Spiel stehen. Ein Pressesprecher, dessen Worten man nicht glauben könne, sei nichts wert, sagte er. Ähnlich sieht das Ben Mullin vom Poynter Institute. Wenn der US-Regierung schon bei Kleinigkeiten wie der Zuschauerzahl bei der Vereidigung nicht zu trauen sei, werde sich die Öffentlichkeit fragen, wie das denn bei wichtigen Themen wie Terrorismus oder Atomwaffenfähigkeiten Nordkoreas sei.

Anders wurde die Affäre auf der konservativen Nachrichtenwebseite Breitbart News dargestellt, deren Ex-Chef Steve Bannon mittlerweile Trumps Chefstratege ist. Spicer habe die „vorsätzlich falsche Berichterstattung“ der traditionellen Medien offengelegt und sei dafür auch in den sozialen Medien im Internet gefeiert worden, war da zu lesen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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