Einreiseverbot trotz Greencard: Gestrandet am Arabischen Golf

Einreiseverbot trotz Greencard: Gestrandet am Arabischen Golf

, aktualisiert 30. Januar 2017, 04:00 Uhr
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Trumps Einreiseverbot für Bürger aus sieben überwiegend muslimischen Ländern wird von vielen als Angriff auf den Islam verstanden.

Quelle:Handelsblatt Online

Trotz Arbeitserlaubnis darf der gebürtige Iraker Zain Kenderian vorerst nicht in die USA zurück. Seine Geschäftsreise endete am Arabischen Golf. Kritik für Trumps Einreiseverbot kommt nun auch aus den eigenen Reihen.

Washington/New YorkEigentlich hätte Zain Kenderian schon längst wieder zurück sein müssen. Er war aus Minnesota an in die Vereinigten Arabischen Emirate geflogen, eine normale Geschäftsreise. Kenderian arbeitet als Gesundheitsbeauftragter für ein großes Unternehmen. Doch als sein Heimflug am Freitag abhob, blieb Kenderian Platz leer. Der 34-Jährige ist am Arabischen Golf gestrandet, ein Betroffener der Einreisesperren, mit denen Präsident Donald Trump Amerika geschockt und die Welt überrumpelt hat.

Kenderian hat eine unbefristete Arbeitserlaubnis, eine Greencard; die USA sind sein Zuhause, auch wenn er im Irak geboren wurde. Nächste Woche wollte er sich um die amerikanische Staatsbürgerschaft bewerben und im Mai seine Verlobte im kalifornischen Wüstenidyll Palm Springs heiraten. Doch jetzt muss er fürchten, seine eigene Hochzeit zu verpassen.

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Trumps Einreiseverbot schließt Greencard-Besitzer mit ein, jedenfalls tat es das ursprünglich. Als der Regierung am Sonntag bewusst wird, welches Unheil sie mit ihrer Politik angerichtet hat, rudert sie zurück. „Jene, die eine Greencard besitzen, werden künftig nicht mehr betroffen sein“, verkündet Trumps Staatschef Reince Priebus im Fernsehen. Doch was bedeutet das für Reisende wie Kenderian, die schon gestrandet sind? Wann dürfen sie zurückkehren? Niemand weiß es zurzeit, auch nicht die US-Botschaft in Abu Dhabi, mit der Kenderian in Kontakt steht. „Chaos-Kandidat“ wurde Donald Trump im Wahlkampf genannt, und er bleibt sich treu, auch im Weißen Haus. Die USA erleben ihren ersten Chaos-Präsidenten.

Schon nach zehn Tagen, in denen Trump nun offiziell im Amt ist, erkennen viele Amerikaner ihr Land kaum wieder, sie begreifen Trumps Einwanderungspolitik als Verrat an den Idealen der Nation. Auch am Sonntag gibt es Proteste, Tausende versammeln sich am Nachmittag vor dem Weißen Haus. Sie halten Schilder hoch: „Refugees Welcome“ und „Ban Trump“. Währenddessen sitzt der Präsident im Oval Office und telefoniert mit dem saudischen König Salman und Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan, dem Kronprinzen von Abu Dhabi. Der Versuch der Schadensbegrenzung hat begonnen.

Trump bestreitet, mit seinem Dekret ein generelles Einreiseverbot für Muslime erlassen zu haben, auch wenn er genau das im Wahlkampf angekündigt hatte. „Um klar zu sein“, teilt er in einer Mitteilung auf Facebook am Sonntag mit: „Das ist kein Verbot gegen Muslime, wie die Medien falsch berichten. Es geht nicht um Religion, es geht um Terror, und darum, unser das Land sicher zu machen.“ Am Freitag hatte Trump verfügt, dass Personen aus dem Irak, Syrien, Iran, Sudan, Libyen, Somalia und Jemen drei Monate lang nicht in das Land einreisen dürfen. Ein Regierungsprogramm zur Aufnahme von Flüchtlingen wurde für vier Monate ausgesetzt. Für Syrier gilt gar ein Einreiseverbot auf unbestimmte Zeit.

Auch aus den eigenen Reihen hagelt es in der Sache Kritik für Trump. Die republikanischen Senatoren John McCain aus Arizona sowie Lindsey Graham aus South Carolina erklärten in einer gemeinsamen Mitteilung, das Dekret sei nicht ordentlich überprüft worden. Den ranghohen Parteimitgliedern nach könnte der Entschluss als Abkehr von Muslimen verstanden werden, die als Militär-Übersetzer oder Diplomaten für die Staaten ihr Leben riskieren. „Letztendlich befürchten wir, dieses Dekret könnte eine selbst zugefügte Wunde im Kampf gegen Terrorismus werden. Die Anweisung könnte Terroristen das Werben um Anhänger erleichtern, anstatt unsere Sicherheit zu verbessern“, heißt es in der Meldung.

Donald Trump nutze wie so oft, wenn er sich angegriffen fühlt, seinen Twitter-Account, um den Senatoren zu antworten: „Die gemeinsame Stellungnahme des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten John McCain und Lindsey Graham ist falsch – traurigerweise sind sie sehr schwach, wenn es um Einwanderungspolitik geht.“


Auch US-Konzerne sind beunruhigt

Trumps Einreiseverbot beunruhigt auch immer mehr US-Unternehmen. Howard Schultz, der Chef der Kaffeerestaurantkette Starbucks, wandte sich in der Nacht auf Montag mit „tiefer Besorgnis“ auf der Website des Unternehmens an die Mitarbeiter. Er bezeichnete Trumps Erlass als verwirrend und kündigte Pläne an, um in den nächsten fünf Jahren 10.000 Flüchtlingen Jobs bei Starbucks anbieten zu können.

„Viele Menschen, die negativ von dieser Politik betroffen sind, sind starke Unterstützer der USA“, twitterte Tesla-Chef Elon Musk. „Sie haben das Richtige getan, nicht das Falsche, und sie verdienen es nicht zurückgewiesen zu werden.“ Trumps Einreiseverbot für Staatsangehörige einiger überwiegend muslimischer Länder sei „nicht der beste Weg“, mit den Herausforderungen des Landes umzugehen.

Uber-Chef Travis Kalanick bezeichnete das Dekret in einem Facebook-Post als „verkehrt und ungerecht“. General-Electric-Chef Jeff Immelt erklärte in einem Firmenblog, aus dem verschiedene US-Medien zitierten, er teile die Sorgen seiner Mitarbeiter. Immelt versprach, GE werde den betroffenen Angestellten zur Seite stehen und versuchen, mit der Trump-Administration an Lösungen zu arbeiten. Zuvor hatte es bereits Kritik und Reaktionen etwa von Google, Facebook, Microsoft und Twitter gegeben. Die Tech-Konzerne setzen besonders stark auf Experten aus dem Ausland.

Auch die größte US-Bank JPMorgan Chase richtete sich im Zuge von Trumps Entscheidung laut US-Medienberichten an ihre Mitarbeiter. Vorstandschef Jamie Dimon versprach demnach in einem Statement allen Angestellten, die von dem Einreiseverbot betroffen sein könnten, das Unternehmen werde sich standhaft für sie einsetzen.
Immelt, Kalanick, Musk und Dimon zählen zu einer Reihe von Top-Managern, die Trump in Wirtschaftsfragen beraten wollen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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