Ende eines diplomatischen Drahtseilaktes: Papst gibt sich in Bangladesch jovial

Ende eines diplomatischen Drahtseilaktes: Papst gibt sich in Bangladesch jovial

, aktualisiert 02. Dezember 2017, 12:38 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Der Besuch von Papst Franziskus in Myanmar und Bangladesch stand vor allem im Zeichen der Rohingya-Flüchtlingskrise. Deren Leid und Not sprach er aber nur in Bangladesch direkt an.

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Das Kirchenoberhaupt besuchte auch das Heim für Waisenkinder und Kranke des Mutter-Teresa-Ordens in Tejgaon bei Dhaka (Bangladesch).

Dhaka Papst Franziskus hat seine Zwei-Länder-Reise in Asien beendet und aus Bangladesch seinen Heimflug Richtung Rom angetreten. Zum Abschluss der sechstägigen Reise traf er sich in der Hauptstadt Dhaka am Samstag mit Jugendlichen einer katholischen Schule. Am Morgen (Ortszeit) hatte der Pontifex ein Heim für Waisenkinder und Kranke des Mutter-Teresa-Ordens besucht.

Danach hielt er noch eine freie Rede, „damit wir uns nicht langweilen“, wie Franziskus in einer nahe gelegenen Kirche scherzte. „Ich weiß nicht, ob das (freie Sprechen) besser oder schlechter ist, aber ich verspreche euch, es wird weniger langweilig sein.“ Anschließend warnte er vor dem „Terrorismus“ des Geschwätzes. „Wie viele religiöse Gemeinschaften wurden wegen des Geistes des Geschwätzes zerstört“, sagte das Katholiken-Oberhaupt. „Bitte beißt auf eure Zungen.“

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Der Besuch in Myanmar und Bangladesch stand vor allem im Zeichen der Rohingya-Flüchtlingskrise. Mehr als 620.000 Angehörige der muslimischen Minderheit in Myanmar sind seit Ende August nach Bangladesch geflohen. Am Freitag hatte der Papst 16 Rohingya getroffen und sie um Vergebung unter anderem für die „Gleichgültigkeit der Welt“ gebeten. Er hatte dabei erstmals auf seiner Reise das Wort „Rohingya“ öffentlich ausgesprochen.

Im mehrheitlich buddhistischen Myanmar werden die Rohingya „Bengalen“ genannt, weil sie als illegale Einwanderer aus dem überwiegend muslimischen Bangladesch angesehen werden. Das ehemalige Birma verweigert ihnen seit Jahrzehnten die Staatsangehörigkeit und erkennt sie nicht als Ethnie an. Franziskus war dafür kritisiert worden, dass er in Myanmar, der ersten Station seiner Reise, das Leid der Rohingya nicht direkt angesprochen und sie nicht beim Namen genannt hatte. Die katholische Kirche vor Ort hatte ihm davon abgeraten.

Es wurde zudem bemängelt, dass in Bangladesch, wohin der Papst am Donnerstag weiter geflogen war, kein Besuch eines Flüchtlingslagers auf dem Programm stand. Franziskus hatte nach Angaben des Erzbischofs der betroffenen Region Chittagong, Moses Costa, durchaus Interesse an einem solchen Besuch gezeigt. Die Regierung von Bangladesch habe das aber wegen Sicherheitsbedenken und politischer Erwägungen abgelehnt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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