Eskalation in Marawi: Stadt auf Philippinen verhängt nach IS-Angriff das Kriegsrecht

Eskalation in Marawi: Stadt auf Philippinen verhängt nach IS-Angriff das Kriegsrecht

, aktualisiert 24. Mai 2017, 15:51 Uhr
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Nach einem Überfall des IS will der philippinische Präsident brutal gegen die Terrorgruppe vorgehen.

Quelle:Handelsblatt Online

Extremisten enthaupten den Polizeichef von Marawi und hissen dort die IS-Flagge. Das Militär versucht, die Kontrolle über die Stadt im Süden der Philippinen wiederzuerlangen. Die Lage ist unübersichtlich.

ManilaRadikalislamische Extremisten sind in eine Stadt im Süden der Philippinen eingefallen und haben dort mehrere Soldaten und Polizisten getötet und Christen als Geiseln genommen. Präsident Rodrigo Duterte verhängte das Kriegsrecht im südlichen Drittel des Landes und kündigte an, es notfalls auf die gesamten Philippinen auszuweiten. Er versprach, mit harter Hand gegen die Gruppen Abu Sayyaf und Maute vorzugehen, die der Terrormiliz Islamischer Staat die Gefolgschaft geschworen haben. Die Gefechte dauerten am Mittwoch noch an.

Auslöser für die Eskalation in der Stadt Marawi war eine Razzia der Militärs auf das Versteck des Abu-Sayyaf-Kommandeurs Isnilon Hapilon Dienstagnacht. Die Extremisten riefen die mit ihnen verbündete radikalislamische Gruppe Maute zu Hilfe, die mit 50 Mann in die Stadt eindrang. Die Extremisten töteten nach Angaben der Regierung mindestens zwei Soldaten und einen Polizisten und nahmen einen katholischen Priester und 13 Gläubige als Geiseln. Außerdem hätten sie mehrere Gebäude in Brand gesteckt und IS-Flaggen gehisst. Duterte sagte, sie hätten auch den örtlichen Polizeichef enthauptet. Er kürzte seine Russland-Reise ab und kam am Mittwoch zurück nach Manila.

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Details zur Lage in Marawi waren am Mittwoch kaum zu bekommen. Die mehrheitlich muslimische Stadt mit mehr als 200.000 Einwohnern war von der Armee weitgehend abgeriegelt. Es gab auch keinen Strom. Generalstabschef Eduardo Ano sagte, die Stadt sei umstellt, um eine Flucht von Abu-Sayyaf-Kommandeur Hapilon zu verhindern. Der Extremist steht auch auf der US-Terroristenliste. Für seine Festnahme wurde eine Belohnung von fünf Millionen Dollar (4,5 Millionen Euro) ausgelobt.

Ano sagte, das Militär werde in Marawi Haus um Haus absuchen. Die Lage sei aber schwierig, weil Zivilisten ins Kreuzfeuer geraten könnten. Verteidigungsministerin Delfin Lorenzana erklärte, die Extremisten hätten Scharfschützen auf den Dächern platziert. Sie hätten dort das Rathaus, eine Klinik und ein Gefängnis besetzt und die katholische Kirche sowie eine Hochschule und mehrere Häuser in Brand gesteckt.

Der Vorsitzende der philippinischen Bischofskonferenz, Erzbischof Socrates Villegas, sagte, keine der von den Extremisten festgehaltenen Geiseln habe in dem Konflikt irgendeine Rolle gespielt. Der Priester sei kein Kämpfer. „Er trug keine Waffen. Er hat niemanden bedroht. Seine Gefangennahme und die seiner Begleiter verletzt jede Norm“, sagte Villegas. Die Geiselnehmer hätten die Regierung aufgefordert, ihre Truppen zurückzuziehen.

Doch Duterte versprach, nach der Verhängung des 60-tägigen Kriegsrechts hart durchzugreifen. „Ich habe jeden gewarnt, mich nicht dazu zu zwingen. Ich muss es tun, um die Republik zu bewahren“, sagte er. Für das Militär wird es durch das Kriegsrecht einfacher, schnelle Durchsuchungen und Verhaftungen vorzunehmen.

Im Süden des mehrheitlich katholischen Landes tobt seit Jahrzehnten ein islamistischer Aufstand. Mit zwei großen Gruppen führt die Regierung Friedensgespräche, die mit dem IS verbündeten Gruppierungen versuchte Duterte hingegen zu zerschlagen. Während Abu Sayyaf dort seit langem aktiv ist, sind die Maute eine von mehreren neuen bewaffneten Gruppen, die dem IS Gefolgschaft geschworen haben. Sie bildeten ein loses Bündnis mit Abu Sayyaf, die angeblich von Hapilon angeführt wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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