Euro-Krise: Warum die Rückkehr zur D-Mark nicht unmöglich ist

26. Mai 2010
D-Mark-Münzen: Mehr als die Quelle: APBild vergrößern
D-Mark-Münzen: Mehr als die Hälfte der Deutschen wünschen sich die alte Währung zurück Quelle: AP
von Malte Fischer

Der Austritt aus dem Euro-Klub würde zwar große politische Verwerfungen provozieren, technisch wäre er jedoch durchaus machbar. Welche Konsequenzen hätte die Wiedereinführung der D-Mark?

Die Finanzmärkte haben ihr Urteil längst gefällt: Das 750 Milliarden Euro schwere Rettungspaket für finanzschwache Mitgliedsländer der Europäischen Währungsunion (EWU) und die Käufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) spülen den Euro weich. Nach der Rettungsaktion setzte die Gemeinschaftswährung daher ihre Talfahrt fort. In der vergangenen Woche kostete ein Euro nur noch 1,21 Dollar, 24 Cent (17 Prozent) weniger als zu Jahresbeginn. Experten halten es für möglich, dass der Euro bald wieder die Parität zum Dollar erreicht. Damit einher geht ein massiver Vertrauensverlust bei den Bürgern: Laut Umfragen wünschen sich mehr als die Hälfte der Deutschen die D-Mark zurück. In Asien kursierten Anfang vergangener Woche bereits Gerüchte, die Bundesbank bereite den Druck von D-Mark-Scheinen vor.

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Was sich bis vor wenigen Wochen noch wie eine tollkühne Fantasterei anhörte, rückt inzwischen – zumindest langfristig – in den Bereich des Möglichen. Je mehr die EWU zur Schulden-, Transfer- und Inflationsunion mutiert und die Deutschen zum ultimativen Nettozahler dieses Clubs werden, desto größer dürfte der innenpolitische Druck auf die Regierung in Berlin werden, aus dem Euro-Klub auszutreten. Dies würde zwar große politische Verwerfungen in der EU provozieren, technisch jedoch wäre ein Austritt durchaus machbar.

D-Mark würde aufwerten

Die Bundesbank könnte die Geschäftsbanken sofort mit Liquidität versorgen, da sie in der Währungsunion ohnehin die Offenmarktgeschäfte mit den Banken abwickelt. Zudem hat sie nach wie vor Zugriff auf die nationalen Währungsreserven von rund 142 Milliarden Euro, die aus Devisen, Wertpapieren und Gold bestehen. Bis die frisch gedruckten D-Mark-Scheine zirkulieren, könnten die hier hergestellten Euro-Scheine und Münzen übergangsweise als Zahlungsmittel dienen. So lassen sich die in Deutschland gedruckten Scheine durch das X vor der Seriennummer identifizieren. Die Euro-Münzen, die im Auftrag des Bundesfinanzministeriums in Deutschland geprägt und von der Bundesbank in Umlauf gebracht werden, weisen auf ihrer Rückseite nationale Symbole wie den Bundesadler auf.

Was aber würde eine Rückkehr zur D-Mark ökonomisch bedeuten? Zunächst dürfte die D-Mark im Gefolge massiver Kapitalzuflüsse aufwerten – schlecht für den Export. Ein dramatischer Einbruch der Ausfuhren wäre jedoch eher unwahrscheinlich. Ökonometrische Studien zeigen, dass der Wechselkurs nicht die zentrale Bedeutung für die deutschen Exporte hat. Wertet der reale effektive Außenwert um ein Prozent auf, gehen die Exporte nur um 0,5 Prozent zurück. Hinzu kommt, dass eine starke Währung die Importe verbilligt. Da rund 42 Prozent der deutschen Exporte aus importierten Vorleistungen bestehen, eröffnen sinkende Bezugskosten den Exporteuren Spielräume für Preisnachlässe, mit denen die Betriebe die wechselkursbedingte Verteuerung ihrer Produkte ausgleichen könnten.

Entscheidende Bestimmungsgröße für die Exporte ist die Weltkonjunktur. Legt das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um ein Prozent zu, steigen die deutschen Ausfuhren um 2,1 Prozent, haben die Ökonomen der Deutschen Bank in einer Studie ermittelt. Die Auslandskonjunktur hat demnach vier Mal so viel Einfluss auf die Exporte wie der Wechselkurs. Träte Deutschland aus der EWU aus, würde der (alte) Euro nicht nur gegenüber der neuen D-Mark, sondern auch gegenüber Dollar, Yen, Pfund und Yuan abwerten. Das regte die Exporte und die Konjunktur der Euro-Zone an – und verbesserte die Absatzchancen deutscher Exporteure auf diesen Märkten.

Mehr Exporte nach Asien

Dagegen dürften die Besitzer von Auslandsvermögen zu den Verlierern eines Austritts aus der Euro-Zone zählen. Wegen der hohen Leistungsbilanzüberschüsse ist Deutschland ein Nettoexporteur von Kapital. Im Jahr 2008 belief sich das Nettoauslandsvermögen der Bundesrepublik auf 668 Milliarden Euro, davon 273 Milliarden gegenüber den Ländern der Euro-Zone. Zu den Assets zählen Wertpapiere, Beteiligungen und Immobilien. Ginge der Euro gegenüber der D-Mark auf Talfahrt, schmälerte dies den Gegenwert der Auslandsvermögen in D-Mark. Dem stünde gegenüber, dass die starke Mark den Bezug von Waren und Diensten aus dem Ausland verbilligt. Das dämpft die Inflation und steigert die Realeinkommen.

Zielregionen von deutschen Exporten
Zielregionen von deutschen Exporten (Klicken Sie auf das Bild, um die gesamte Grafik zu sehen.)

Ein weiterer Nachteil eines Euro-Austritts: Ohne die Gemeinschaftswährung kommen auf Unternehmen und Bürger wieder – wie früher – hohe Kosten für Währungsumtausch und Wechselkursabsicherung zu. Experten schätzen diese Kosten auf 0,5 bis 1,0 Prozent des BIPs. Das entspräche 12 bis 24 Milliarden Euro. Allerdings verliert der zentrale Vorteil des Euro, der Wegfall von Wechselkursrisiken, für die Wirtschaft tendenziell an Bedeutung. So ist der Anteil der Euro-Zone an den deutschen Exporten von 46,5 Prozent 1995 auf 42,6 Prozent 2008 gesunken. Dagegen werden die mittel- und osteuropäischen Staaten sowie die Länder Asiens als Absatzmärkte für die deutschen Unternehmen immer wichtiger.

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Kommentare | 91Alle Kommentare
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  • 03.06.2010, 19:38 UhrDunkelmayer

    @ Redakteure ohne Ahnung:
    bitte nicht. bitte nicht dieser unterirdische Hellmayer. Ein dienstbeflissenener Wasserträger der unfähigen EU-Politiker. Selbst nur Mittelmass, aber sehr sicher im Auftreten. immer aufs Geschäft bedacht. War kürzlich in der 3sat-börse zu besichtigen. ich habe immer noch Sodbrennen von dem Geschwätz. Keiner, dem man viel Glauben schenken kann. Wer´s doch tut ist selbst schuld.

  • 03.06.2010, 04:35 UhrRedakteure ohne Ahnung

    Was die Schreiberlinge sich so aus den Fingern saugen wenn der Tag lang ist …

    Lassen wir mal lieber wirkliche Experten zu Wort kommen:

    http://www.vdi-nachrichten.com/vdi-nachrichten/aktuelle_ausgabe/akt_ausg_detail.asp?cat=1&id=47769

    "Zur Person:

    -Folker Hellmeyer (Jahrgang 1961) ist seit 2002 Chefanalyst der bremer Landesbank und als fachlicher Leiter des bereichs „Sales Devisen- und Geldhandel“ tätig."

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