Frankreich: Sarkozy will's noch mal wissen

Frankreich: Sarkozy will's noch mal wissen

, aktualisiert 22. August 2016, 16:36 Uhr
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Zurück in den Elysee-Palast? Der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy und seine Frau Carla Bruni-Sarkozy 2011 beim G8 Gipfel in Deauville.

Quelle:Handelsblatt Online

Acht Monate vor den Präsidentenwahlen in Frankreich gehen bei den Konservativen die Anwärter in Stellung. Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy will kandidieren – und muss dafür erst einmal zurücktreten.

Es soll ein ganz großer Auftritt werden. Frankreichs früherer Präsident Nicolas Sarkozy (61) will in dieser Woche seine Kandidatur für die Vorwahlen bei den Konservativen anmelden. Wie Vertraute aus seinem Umfeld berichten soll es am Mittwoch soweit sein. Dann erscheint ein Buch, in dem der 61-Jährige seine Bewerbung für die Präsidentschaftskandidatur der konservativen Republikaner verkünden. Die Kür Ende November ist die erste Etappe auf dem Weg zur Präsidentenwahl im April und Mai kommenden Jahres.

Der Schritt wurde generalstabsmäßig vorbereitet. Dazu gehörte auch die strikte Geheimhaltung, das steigert die Spannung. Die Regeln sind klar. Sarkozy muss bis Donnerstag als Parteivorsitzender der konservativen Republikaner zurücktreten, um an den Vorwahlen teilnehmen zu können. Der Nachfolger an der Parteispitze ist schon so gut wie inthronisiert: Laurent Wauquiez, ehrgeiziger Präsident der neuformierten Region Auvergne-Rhône-Alpes.

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Bei der bürgerlichen Rechten sind rund ein Dutzend Anwärter in den Startlöchern, unter ihnen Sarkozys damaliger Premier François Fillon oder Ex-Minister Bruno Le Maire. Es wird aber mit einem Duell zwischen Sarkozy und dem früheren Regierungschef Alain Juppé (71) gerechnet. Der als besonnen und erfahren geltende Bürgermeister von Bordeaux führt derzeit die Umfragen bei den Konservativen an. Frankreich ist nach einer Serie von Terroranschlägen im Ausnahmezustand. Sarkozy schlägt in der aufgeheizten Stimmung knallharte Töne an, will damit offensichtlich Punkte machen.

„Uns wurde der Krieg erklärt“, sagte er unlängst der Zeitschrift „Valeurs actuelles“. Frankreich müsse sich unbarmherzig zeigen und dürfe sich nicht in schwer verständlichen Debatten verzetteln, lautet das Credo des gelernten Rechtsanwalts, der bei der Wahl 2012 vom Sozialisten François Hollande geschlagen wurde.

Es geht also um Sicherheit, und um das schwierige Thema Identität der Franzosen. Nach dem Attentat von Nizza mit 86 Toten und der Ermordung eines Priesters in der Normandie machte Sarkozy im Juli Schlagzeilen mit der Forderung, mutmaßliche Islamisten vorsorglich zu internieren, auch wenn sie sich nicht strafbar gemacht haben. „Man kann nicht 10 000 Menschen ins Gefängnis sperren“, lautete die kühle Replik von Staatschef Hollande.

Viel Protest erntete Sarkozy mit dem Vorstoß, in Frankreich geborenen Kindern von Ausländern nicht automatisch die französische Staatsbürgerschaft zu geben. Schon jetzt wird diese üblicherweise erst im Alter von 13 bis 18 Jahren zuerkannt; aber Sarkozy will Anwärtern mit Vorstrafen den französischen Pass verweigern. Die Vorschläge in diesem Zusammenhang seien „unmenschlich, kafkaesk und unnütz“, urteilte der Politologe und Historiker Patrick Weil unlängst in der Tageszeitung „Le Monde“.

Es ist nicht damit zu rechnen, dass Sarkozy in den kommenden Monaten vom Gaspedal geht. Denn er hat laut Beobachtern längst die Wahl im kommenden Jahr im Blick. Die Gegnerin sei für ihn Marine Le Pen, Chefin der rechtsextremen Front National (FN), resümiert die Zeitschrift „L'Express“ in ihrer neuesten Ausgabe: „Dieses Mal denkt er, dass er beim zweiten Wahlgang der FN-Vorsitzenden gegenüberstehen wird.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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