Freytags-Frage: Wie soll Deutschland Namibia für den Völkermord von 1904 entschädigen?

kolumneFreytags-Frage: Wie soll Deutschland Namibia für den Völkermord von 1904 entschädigen?

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Abendstimmung in der Wüste Namib in Namibia im Südwesten von Afrika.

Kolumne von Andreas Freytag

Vor 100 Jahren haben deutsche Soldaten zigtausende in Deutsch-Südwestafrika getötet. Nun verhandeln Namibia und Deutschland über Entschädigungen. Projekte, die Namibia in Zukunft stärken, wären die beste Wahl.

Gegenwärtig verhandelt die Bundesregierung mit Namibia über die Anerkennung der deutschen Untaten an den Nama, Herero, Damara und San während der Kolonialzeit. Insbesondere geht es darum, ob die Schlacht am Waterberg im Jahr 1904 als Völkermord anerkannt wird. Bis zu 100.000 Menschen wurden damals von deutschen Soldaten getötet.

Dies ist keineswegs nur eine symbolische Frage, daran hängt die Frage nach Entschädigung. Zum einen geht es um die Entschädigung der Nachfahren der namibischen Opfer, zum anderen könnte die Anerkennung als Völkermord in Verbindung mit Entschädigungen den Auftakt für Initiativen anderer Opfergruppen deutscher Vergangenheit bilden.

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Letzteres liegt nicht im Interesse der deutschen Regierung – man erinnert sich nur an die recht absurden Forderungen mancher griechischer Politiker in den vergangenen Jahren, heutige Schulden mit Entschädigungszahlungen zu saldieren. Außerdem argumentiert die deutsche Seite mit den auf die Bevölkerung bezogen außergewöhnlich hohen Entwicklungshilfezahlungen. Dennoch kann man auf dem heutigen Stand der Beziehungen zwischen Deutschland und Namibia nicht stehenbleiben.

Es wird abseits der moralischen Verpflichtung zur Anerkennung der Schuld und förmlichen Entschuldigung sicherlich Geld fließen; die Frage ist nur: Wieviel und wohin? Eine direkte Kompensation der Nachfahren der Opfer erscheint am wenigsten wahrscheinlich, auch wenn einige Akteure gerade dies in einer hohen Größenordnung fordern. Sie würde dem Problem nur in Ansätzen gerecht werden.

Denn Untaten kann man mit Geld nicht aufwiegen, und es sollte keine Anreize dafür geben, dass die mit den deutschstämmigen Landsleuten auf freundschaftlicher Basis zusammenlebenden Nachfahren der Opfer nun feindselig werden, weil sie plötzlich „Geld riechen“. Vielmehr erscheint es nötig, die Aufarbeitung des Geschehenen von etwaigen Geldflüssen unabhängig zu machen. Deshalb ist es wichtig, dass Zahlungen fließen, die aber nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft gerichtet sind.

Herausforderung Expansion Investieren im Niemandsland

Es erfordert unternehmerischen Mut, ins Ausland zu gehen. Noch mutiger muss sein, wer in völlig unerschlossenen Märkten aktiv werden will. Die Vorreiterrolle kann sich allerdings auszahlen.

Namibische Wüste: Investoren in entlegenen Regionen brauchen besonderes Durchhaltevermögen. Quelle: mauritius images

Die namibische Seite hat jetzt eine Initiative gestartet, die genau dieses tut. Im Zusammenhang mit dem “Harambee Prosperity Plan“, der die Entwicklung Namibias und vor allem die Armutsbekämpfung in den kommenden Jahren mit Hilfe von marktwirtschaftlichen Lösungen, einer umfassenden Bildungs- und Sozialpolitik sowie Investitionen in die Infrastruktur vorsieht, hat die Botschaft Namibias 16 Projekte der deutschen Bundesländer angeregt – jeweils in Zusammenarbeit mit einer der 14 namibischen Provinzen einschließlich zweier übergreifendender Projekte. Dabei soll jeweils ein Schwerpunkt, beispielsweise im Bereich Bau, in der Landwirtschaft oder im Tourismus gelegt werden. Diese Projekte sind nicht als Wohltätigkeitsveranstaltungen ausgelegt, sondern sollen als Partnerschaften auf Augenhöhe sogenannte win-win-Situationen erzeugen. Beteiligte sollen jeweils öffentlich, private und wissenschaftliche Partner sein. Auf diese Weise kann jedes Projekt zum Leuchtturm werden und die deutsch-namibische Zusammenarbeit auf eine breite Basis stellen.

Dennoch braucht es dafür eine finanzielle Ausstattung. Die Projekte brauchen Land, Startmittel, laufende Mittel und Manpower. Diese Grundausstattung kann von deutscher Seite kommen .Man könnte sich sogar vorstellen, dass ein Fonds gegründet wird, der ähnlich wie der Marshallplan in den 1950er Jahren revolvierend neue Projekte finanziert; der Eigenanteil der Beteiligten muss allerdings signifikant sein, damit die Projekte nachhaltig sind. Auf diese Weise wird der Versöhnungsprozess keine Geste bleiben, sondern mit Leben gefüllt werden. Denn es gibt kein besseres Mittel zur Versöhnung als miteinander in die Arbeitsteilung einzutreten. So lernen sich die Partner kennen und schätzen; die gemeinsamen Projekte werden wahrgenommen und stärken die Kräfte der Versöhnung.

Das deutsch-namibische Verhältnis ist traditionell gut, ungeachtet der komplizierten Vergangenheit. Die namibische Regierung hat nach der Erlangung der Unabhängig die deutschstämmigen Namibianer als eigenen Stamm anerkannt und auch die Eigentumsrechte akzeptiert. Es wird vor diesem Hintergrund wohl möglich sein, die Anerkennung des Völkermordes mit einer auf die Zukunft gerichteten Unterstützung des positiven Entwicklungsprozesses in Namibia zu verbinden.

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