Görlachs Gedanken: Der amerikanische Klassenkampf eskaliert

kolumneGörlachs Gedanken: Der amerikanische Klassenkampf eskaliert

Kolumne

Weiße Polizisten erschießen grundlos junge schwarze Männer, ein Schwarzer tötet heimtückisch fünf weiße Polizisten. Was nach Rassenkampf klingt, ist viel mehr. Amerika erlebt einen neuen Klassenkampf.

Amerika hat seine Rassenunruhen zurück. Man reibt sich die Augen und merkt, dass der Traum von Martin Luther King ausgeträumt ist.
Ein Präsident schwarzer Hautfarbe in den Vereinigten Staaten, vor acht Jahren als jüngster Triumph der Rassengleichheit gefeiert, konnte höchstens kaschieren, welche Probleme das Land der unbegrenzten Möglichkeiten seinen Kindern nicht-weißer Hautfarbe immer noch bereitet.

Die Frage ist angesichts der Toten, der Unruhen, der Demonstrationen, ob es eine Gleichberechtigung der Rassen im Amerika nach Martin Luther King und seinen Weggefährten überhaupt je gegeben hat. Die Antwort fällt ernüchternd aus: Schon in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat der Journalist Bill Dedman rassistische Benachteiligungen aufgedeckt und publiziert. Sein Thema war das so genannten red-lining. Darunter versteht man, dass bestimmte Dienstleistungen bestimmten Bevölkerungsgruppen vorenthalten werden. Seine Recherche-Ergebnisse, die mit einem Pulitzer-Preis gewürdigt wurden, waren so einfach wie erschreckend. Beispiel Kredite: Banken haben demnach weißen US-Amerikanern mit geringem Einkommen häufiger Kredite gegeben, als schwarzen US-Amerikanern mit mittleren und hohen Einkommen.

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Alexander Görlach ist Affiliate der Harvard University. Quelle: Lars Mensel / The European

Alexander Görlach ist Affiliate der Harvard University, wo er im Government Department zum Konzept des Abendlands arbeitet. Er ist ferner Senior Fellow des Carnegie Council for Ethics in International Affairs, Kommentator für die New York Times und Herausgeber des Online-Magazins www.saveliberaldemocracy.com.

Photo Credit: David Elmes, Harvard University

Bild: Lars Mensel / The European

Wie viele weiße Amerikaner mögen aufgrund dieser Banken-Praxis einen Hauskredit bekommen haben, den sie nicht haben abtragen können? Und wie vielen schwarzen US-Amerikanern wurde eben dieser Kredit über Jahrzehnte verwehrt, obwohl sie ihn wirtschaftlich hätten schultern können? Der volkswirtschaftliche Schaden, den dieses red-lining anrichtet, mag immens sein, moralisch ist diese Praxis mehr – sie ist eine Kapitulation. Die Benachteiligung in Sachen Wohnraum hat bei der Kreditvergabe kein Ende: Wer einmal als schwarzer US-Amerikaner seine Wohnung gekündigt bekommt, der hat Schwierigkeiten, wieder eine neue zu finden. Auf diese Weise wird ein Unterschichten-Dasein zementiert, wie eine jüngst im New Yorker erschienene Reportage zeigt. Der amerikanische Traum, er gilt vor allem für Weiße. Ein Schwarzer kann froh sein, wenn er seinen Job als Tellerwäscher behält – zu einem kleinen Stundenlohn versteht sich.

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