Libanon: Regierungschef Hariri wurde angeblich entführt

Libanon: Regierungschef Hariri wurde angeblich entführt

, aktualisiert 11. November 2017, 16:23 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Der libanesische Ex-Ministerpräsident Saad al Hariri ist nach Aussagen des Staatspräsidenten Michel Aoun entführt worden. Die Situation sei „mysteriös“. Hariri habe vor seinem Rücktritt Furcht um sein Leben gehabt.

BeirutDer zurückgetretene libanesische Ministerpräsident Saad al Hariri wurde nach Worten von Staatspräsident Michel Aoun entführt. Das habe Aoun gegenüber ausländischen Botschaftern erklärt und Immunität für Hariri gefordert, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag aus Regierungskreisen in Beirut. Aoun, der sich mit führenden libanesischen Politikern und ausländischen Diplomaten beriet, habe den Vorwurf bereits am Freitag erhoben, sagte der Insider. Hariri hatte am 4. November von Saudi-Arabien aus überraschend seinen Rücktritt erklärt. Er begründete seinen Schritt damit, dass er um sein Leben fürchte.

Präsident Aoun bezeichnete in einer Stellungnahme die Situation Hariris als mysteriös. Alles, was dieser sage oder möglicherweise noch sagen werde, „spiegelt nicht die Realität wider“. Es resultiere vielmehr aus der „dubiosen und mysteriösen Lage, in der er sich im Königreich (Saudi Arabien) befindet“.

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Bereits kurz nach Hariris Rücktrittserklärung gab es Spekulationen, der lange mit Saudi-Arabien verbündete Regierungschef könne zum Rückzug gezwungen worden sein. In seiner Erklärung verurteilte Hariri den Iran, den Erzfeind Saudi-Arabiens, und die Hisbollah. Diese vom Iran unterstützte schiitische Miliz ist an der libanesischen Einheitsregierung beteiligt.

Saudi-Arabien, das sich als Schutzmacht der Sunniten begreift, und der schiitische Iran sind seit langem verfeindet und ringen um die Vorherrschaft in der Region. Der Konflikt hat sich verschärft, seit der Iran im Zuge des internationalen Atomabkommens immer mehr aus der Isolation kommt und als Regionalmacht an Bedeutung gewinnt. Im Jemen, das an Saudi-Arabien grenzt, führen das Königreich und der Iran bereits einen Stellvertreterkrieg.

Quelle:  Handelsblatt Online
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