Mögliche Geheimdienst-Entführung: Deutschland weist vietnamesischen Botschafts-Mitarbeiter aus

Mögliche Geheimdienst-Entführung: Deutschland weist vietnamesischen Botschafts-Mitarbeiter aus

, aktualisiert 02. August 2017, 14:09 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Eine Entführung auf offener Straße hat Konsequenzen. Der Vertreter des vietnamesischen Nachrichtendienstes muss Deutschland verlassen. Hintergrund ist wohl eine politische Affäre.

Berlin/HanoiDie Bundesregierung hat den Vertreter des vietnamesischen Nachrichtendienstes an der Botschaft in Berlin aufgefordert, Deutschland innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Grund dafür sei die Entführung eines ehemaligen vietnamesischen Parteifunktionärs von Berlin nach Vietnam, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, am Mittwoch in Berlin.

Am 23. Juli soll ein vietnamesischer Geschäftsmann im Berliner Tiergarten entführt worden sein. Polizei und Staatsanwaltschaft untersuchen, ob der 51-Jährige – ein ehemaliger Funktionär von Vietnams Kommunistischer Partei (KP) – sowie eine weitere Person gewaltsam in ein Auto gezerrt wurden. Polizeisprecher Winfrid Wenzel sagte am Mittwoch: „Das ist ein Verdachtsfall.“ Die Berliner Staatsanwaltschaft erteilte mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren keine weiteren Auskünfte. Zuvor hatte bereits die „taz“ darüber berichtet. Dem Blatt zufolge könnte der vietnamesische Geheimdienst dahinter stecken.

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Bei dem Mann handelt es sich möglicherweise um den ehemaligen KP-Führungskader, Trinh Xuan Thanh, nach dem fast ein Jahr lang international gesucht wurde. Nach Angaben der vietnamesischen Polizei wurde er am Montagabend (Ortszeit) in seiner Heimat verhaftet. Demzufolge stellte er sich selbst den Behörden. Thanh wird zur Last gelegt, als Chef einer Tochterfirma des staatlichen Öl- und Gaskonzerns PetroVietnam für Verluste von umgerechnet etwa 125 Millionen Euro verantwortlich zu sein.

In Vietnam sorgte die Affäre bereits für viel Aufsehen. Vor einem Jahr wurde Thanh sein Abgeordnetensitz im Parlament aberkannt. Später wurde er auch aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen. Die Partei führt derzeit eine Kampagne gegen Korruption.

Quelle:  Handelsblatt Online
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