Nordkorea: Die abgeschottete Herrscherdynastie

Nordkorea: Die abgeschottete Herrscherdynastie

, aktualisiert 15. Februar 2017, 20:01 Uhr
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Journalisten belagern Mitarbeiter der nordkoreanischen Staatsführung vor dem Krankenhaus in Kuala Lumpur. Sie versuchen, Informationen zum Tod von Kim Jong Nam zu bekommen. Die Bevölkerung Nordkoreas wird von dem mutmaßlichen Mord wohl nie etwas erfahren.

Quelle:Handelsblatt Online

Das Attentat auf Kim Jongs Uns Halbbruder gibt der Welt Rätsel auf – wie vieles an der Herrscherdynastie in Nordkorea. Die Staatsführung scheint diese Geheimniskrämerei regelrecht zu zelebrieren.

PjöngjangDer Mord an Kim Jong Uns Halbbruder dürfte wohl der spannendste Verschwörungs-Thriller sein, von dem die Nordkoreaner nie erfahren werden. Und falls doch, bräuchten sie vermutlich ein paar gute Erklärer der Handlung. Denn die wenigsten werden wissen, dass Kim überhaupt einen Halbbruder hatte.

Kaum ein Land auf der Welt frönt einem so eifrigen Personenkult um sein Führungspersonal wie Nordkorea. Jegliche Information über den Machthaber wird sorgsam abgebürstet und ausgewählt, wodurch sogar grundlegende Details wie etwa Kims genaues Alter dem Volk verborgen bleiben. Da scheint es fast vorhersehbar, dass die Existenz eines Halbbruders - und gerade die eines in der Pjöngjanger Führung als rebellisch und freigeistig verrufenen - nie Teil der offiziellen Erzählung über Nordkoreas Herrscher war.

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Einfacher erscheint es wohl der Führung, die Erbfolge und Machtfrage so klar und direkt wie möglich zu gestalten. Im Großen und Ganzen bedeutet das für die Kim-Dynastie: Großvater, Vater und Sohn.

Vor diesem Hintergrund wirkt es wie eine Ironie der Geschichte - oder auch nicht -, dass die Berichte über das Attentat auf Kim Jong Nam am Flughafen von Kuala Lumpur zu einer Zeit kommen, in der das Land sich auf eine der größten Feiern zu Ehren der Herrscherfamilie des Jahres vorbereitet.

Anlass ist der „Tag des Leuchtenden Sterns“, der Jahrestag der Geburt des verstorbenen Führers Kim Jong Il, der sowohl Kim Jong Uns als auch Kim Jong Nams Vater war. Der einzige Feiertag, der noch wichtiger wäre, ist der „Tag der Sonne“, an dem der Geburtstag von Kim Jong Uns Großvater und Staatsgründer Kim Il Sung begangen wird, der auch als „ewiger Präsident“ verehrt wird.

Tatsächlich ist die Kim-Verherrlichung in Nordkorea allezeit zu besichtigen. Jahr für Jahr werden sogar Blumenfestivals mit Begonien und Orchideen namens „Kimilsungia“ und „Kimjongilia“ veranstaltet. Am Mittwoch etwa wurden in der Hauptstadt Pjöngjang in Vorbereitung auf den großen Feiertag schon Eiskunstlauf- und Schwimmwettbewerbe abgehalten. Eine Meldung über Kim Jong Nams Tod in den Staatsmedien? Fehlanzeige.

Auch andere Mitglieder im Stammbaum der Kims finden kaum oder gar nicht Erwähnung. Da wäre etwa Kim Jong Uns jüngere Schwester Kim Yo Jong, der eine gewichtige Rolle in der Führungsriege nachgesagt wird, was viele Nordkoreaner ebenfalls überraschen dürfte. Ihr Name taucht von Zeit zu Zeit auf offiziellen Gästelisten oder bei der Nennung von Parteiposten auf, wenn auch ohne jede nähere Erläuterung.


Kim Jong Nam wollte offenbar ins Disneyland

Kims anderer Bruder Kim Jong Chul und seine ältere Halbschwester Kim Sul Song sollen ebenfalls Mitglieder der kommunistischen Partei sein und dort einen guten Stand haben.

Bei Kim Jong Nam jedoch soll die Sachlage seit langem problematischer gewesen sein. Ehe sich Kim Jong Un als der klare Erbe seines Vaters herausschälte, galt sein Halbbruder einigen Beobachtern im Ausland als der mögliche Führer der neuen Generation in Nordkorea. Allerdings soll Kim Jong Nam in Ungnade gefallen sein, als er im Jahr 2001 an einem Flughafen in Japan erwischt wurde. Der junge Mann wollte dem Vernehmen nach zum Disneyland in Tokio. 

Jahrelang lebte Kim Jong Nam außerhalb Nordkoreas. Er hat zudem einen Sohn, der in Frankreich studierte. Doch sind nur wenige solide Fakten über seine Person erhältlich. Er hatte sich sporadisch öffentlich geäußert und angedeutet, dass das Land Reformen brauche, um zu überleben. Zudem stellte er die Erbfolgeherrschaft in Nordkorea infrage. Zugleich deutete er an, dass er kein Verlangen nach der Macht seines Halbbruders hatte.

Das Tatmotiv für den Mord an Kim Jong Nam bleibt trotz alledem eines von vielen Rätseln rund um die Herrscherdynastie Nordkoreas. Und zu diesen gehört natürlich auch der Machthaber selbst. In den Medien im Land ist er zwar dauerpräsent, doch weiß niemand sicher, ob Kim Jong Un Kinder hat. Es wird vermutet, dass er mindestens eine Tochter hat. Viele andere biografische Daten zu Kim sind allenfalls schemenhaft. Wenn man nordkoreanische Regierungsvertreter auf die Lücken anspricht, kommt regelmäßig als Antwort, dass der junge Machthaber viel zu demütig sei, um so viel Aufmerksamkeit zu wollen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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