Nordkorea und Guam: Kleine Insel, große Bedeutung

Nordkorea und Guam: Kleine Insel, große Bedeutung

, aktualisiert 10. August 2017, 13:41 Uhr
von Sha HuaQuelle:Handelsblatt Online

Guam ist zum Brennpunkt in der Auseinandersetzung zwischen Nordkorea und Amerika geworden. Jetzt hat Pjöngjang seine Pläne für einen Raketenangriff konkretisiert. Was hat es mit dem kleinen US-Außengebiet auf sich?

Der US-Luftwaffenstützpunkt Guam ist für Nordkorea die Möglichkeit den Feind USA zu treffen, ohne größere Anstrengungen zu unternehmen. Die Insel liegt etwa 3500 Kilometer südlich von Pjöngjang und 6000 Kilometer westlich von Hawaii. Für die vier Mittelstreckenraketen vom Typ Hwasong-12, die der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un laut Nachrichtenagentur KNCA auf die Insel abfeuern möchte, nicht unerreichbar. Bis Mitte August werde der konkrete Einsatzplan vorliegen, kündigte das nordkoreanische Regime am Donnerstag an.

Macht Kim Jong-Un seine Drohung wahr, würde er damit amerikanisches Territorium angreifen. Denn die 60 Kilometer lange und 20 km breite Insel ist eine der wichtigsten militärischen Vorposten der Amerikaner. Seit die USA die Insel nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg in 1898 eingenommen haben, ist die Bedeutung Guams für die amerikanische Geopolitik stetig gewachsen.

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Zuerst wurde sie vor allem als Bekohlungsanlage für Dampfschiffe und Kommunikationsstation genutzt. Von 1941 bis 1944 befand sie sich unter japanischer Besatzung, bis die US-Amerikaner sie zurückeroberten und als Basis der Luftwaffe nutzten – zuerst für Bomben-Angriffe auf Japan während des zweiten Weltkriegs, dann im Vietnamkrieg. Im Jahre 2000 bauten die USA ihre Militärpräsenz im westlichsten Territorium weiter aus, 2004 wurden die ersten B-52 Bomber dort stationiert. Nachdem Nordkorea mit der Auslöschung der B-52-Basis auf Guam drohte, dient sie als eine der Stationen des Raketenabwehrsystems Thaad. 

Heute leben rund 6.000 Einsatzkräfte des US-Militärs auf der Insel und nehmen 29 Prozent des Territoriums ein. Weitere 5.000 Marineinfanteristen aus Okinawa sollen dazukommen, nachdem die Obama Regierung 2012 eine verstärkte Fokussierung auf den pazifischen Raum angekündigt hatte. Bis 2020 sollen 60 Prozent der Marineflotte in den Pazifik verlagert werden, darunter sechs von elf Flugzeugträgern.

Momentan hält der Andersen-Stützpunkt im Norden der Insel eine Hubschrauberstaffel und mehrere Langstreckenbomber, die zwischen Guam und dem amerikanischem Festland rotieren. Am Marine-Stützpunkt befinden sich vier nuklear betriebene U-Boote und zwei U-Boot Begleitschiffe. Diese sollen Seehandelsrouten wie die Straße von Malakka schützen und Informationen in der Region, zum Beispiel von der koreanischen Halbinsel oder aus dem südchinesischen Meer sammeln. Im Krisenfall sollen die US-Soldaten zudem den Verbündeten in Japan, Südkorea, den Philippinen und Taiwan zur Hilfe eilen.

Das beruht auf Gegenseitigkeit. So verkündete der japanische Verteidigungsminister Itsunori Onodera laut der Nachrichtenagentur Kyodo, es sei legal für Japan, Raketen abzufangen, die auf Guam zielen. Der Sprecher der südkoreanischen Generalstabs warnte, das südkoreanische Militär und die US-Südkoreanische Allianz werde mit einer starken Antwort auf nordkoreanische Provokationen reagieren. Am Nachmittag findet zudem ein Krisentreffen des Sicherheitsrats statt.

Derweil versuchen die USA, die Brisanz des Konflikts kleinzureden. Während eines Zwischenstopps in Guam sagte US-Außenminister Rex Tillerson, dass es keine unmittelbare Bedrohung gebe, die Amerikaner könnten ruhig schlafen. Die Rhetorik Trumps spiegele bloß die der Nordkoreaner. Damit bestätigt er die Videobotschaft von Guams Gouverneur Eddie Bazzo Calvo am Mittwoch, in der er eine akute Bedrohung ausschloss und das Weiße Haus zitierte, die Bedrohungsstufe sei nicht gestiegen. Zudem habe Washington zugesichert, die Insel auf jeden Fall zu verteidigen.

Guam genießt einen territorialen Sonderstatus, der es den Amerikanern ermöglicht, jederzeit militärische Kräfte einzusetzen ohne sich Sorgen um Gast-Nationen zu machen. Auch für die ca. 160.000 Einwohner hat das Vorteile: Sie müssen keine Steuern zahlen, gelten als US-Bürger, dürfen sich dafür aber nicht bei Präsidentschaftswahlen beteiligen.  Es gibt immer wieder populäre Bewegungen, die einen befürworten die Eigenverwaltung für Bevölkerung, andere tendieren zu einem kompletten US-Beitritt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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