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Die Digitalisierung hat mehr Gewinner als Verlierer. Quelle: Getty Images

Digitalisierung: Mehr Gewinner als Verlierer

Martin Feldstein Quelle: Bloomberg, Montage
Martin S. Feldstein US-amerikanischer Ökonom, Professor für Wirtschaftswissenschaften und ehemaliger Oberster Wirtschaftsberater für US-Präsident Ronald Reagan Zur Kolumnen-Übersicht: Post aus Harvard

Harvard-Ökonom Martin Feldstein glaubt, dass viele traditionelle Jobs durch den technologischen Wandel verschwinden, auf der anderen Seite aber neue Chancen an anderen Stellen entstehen – vor allem im Dienstleistungssektor.

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Keine Frage: Hinter dem Steuerrad vieler Autos und Lastwagen sitzen in absehbarer Zeit keine Menschen mehr. Allen spektakulären Rückschlägen zum Trotz werden fahrerlose Kraftfahrzeuge immer besser und sicherer. Und nicht nur auf den Straßen werden Menschen als Akteure überflüssig ­ - sondern auch in den Büros. Die Revolution der künstlichen Intelligenz führt dazu, dass künftig Computer und Roboter viele Aufgaben erledigen, für die man heute noch Schreibtischpersonal braucht.

Kein Wunder, dass sich viele Menschen Sorgen machen: Welche Arbeitsplätze sind durch die neuen Technologien bedroht? Was passiert mit den Millionen Männern und Frauen, die heute Taxis und Lastwagen steuern, wenn die Fahrzeuge von allein fahren? Was passiert mit Bürokaufleuten oder medizinischen Assistenten, deren Arbeit der Computer übernimmt? Es gibt Untersuchungen, wonach der digitale Vormarsch enorm viele Arbeitsplätze vernichten wird, weil sich eine gleich bleibende Menge von Waren und Dienstleistungen bald von weniger Menschen produzieren lässt. Das ist eine Sorge, die man nicht abtun kann.

Trotzdem sehe ich die Entwicklung  optimistisch. Gerade die USA werden sich erfolgreich an die neue Technologie anpassen. Es dürfte individuelle Verlierer des Wandels gegen, aber vor allem individuelle Gewinner. Insgesamt werden die USA durch den technologischen Wandel besser da stehen als zuvor. Die Wirtschaftsleistung wird zunehmen und damit potenziell auch der Lebensstandard. Wer arbeiten will, dürfte  gerade wegen dieses Wandels leichter Arbeit finden ­ nur eben oft eine ganz andere als bisher. 

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Der Hauptgrund für meine Zuversicht ist die Wirtschaftsgeschichte. Gewaltige technologische Umbrüche in kurzer Zeit sind überhaupt nichts Neues. Seit vielen Jahren erleben wir, wie Erfindungen  alte Maschinen überflüssig machen und wie der Computer Menschen um ihre bisherige Beschäftigung bringt. Und trotzdem bewegt sich die amerikanische Volkswirtschaft bei allen Konjunkturschwankungen am Ende in Richtung Vollbeschäftigung.

Am dramatischsten war der Umbruch in der Industrie. Roboter und selbsttätig arbeitende Maschinen ersetzen seit vielen Jahren immer mehr manuell arbeitende Menschen. Seit 1950 ist die Zahl der industriellen Arbeitskräfte in den USA von 13 Millionen auf neun Millionen zurückgegangen, während der Wert der Industrieproduktion inflationsbereinigt um 75 Prozent stieg. Viele der Millionen Arbeitnehmer, die in der Industrie keinen Job  mehr fanden, kamen in anderen Sektoren der  Volkswirtschaft unter.

Computer haben auch nicht nur Arbeitsplätze in der Industrie vernichtet, sondern auch im Dienstleistungssektor. Sie haben außer in alten Spielfilmen sicher schon lange keinen Liftboy mehr gesehen. Die Vermittlerinnen in der Telefonzentrale sind auch verschwunden. Die Bordkarte auf dem Flughafen kommt heute in der Regel aus Automaten. Und auch in der Anwaltskanzlei oder beim Steuerberater übernimmt  heute der Computer Tätigkeiten, die früher Angestellte für den Chef erledigten.

Das hat große Folgen – aber nicht für das Beschäftigungsniveau. Die amerikanische Arbeitslosenrate liegt augenblicklich bei 4,9 Prozent und damit unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte. Bei Amerikanern mit akademischem Abschluss, die in den USA 40 Prozent der Erwerbsbevölkerung ausmachen, liegt die Quote sogar nur bei 2,7 Prozent. Schon weil unter den jungen Menschen mehr studiert haben oder noch studieren als in der älteren Generation, wird die gesamte Arbeitslosenrate im Lauf der nächsten Jahre und Jahrzehnte tendenziell eher sinken.

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