Post aus Harvard: Digitalisierung: Mehr Gewinner als Verlierer

kolumnePost aus Harvard: Digitalisierung: Mehr Gewinner als Verlierer

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Die Digitalisierung hat mehr Gewinner als Verlierer.

Kolumne von Martin S. Feldstein

Harvard-Ökonom Martin Feldstein glaubt, dass viele traditionelle Jobs durch den technologischen Wandel verschwinden, auf der anderen Seite aber neue Chancen an anderen Stellen entstehen – vor allem im Dienstleistungssektor.

Keine Frage: Hinter dem Steuerrad vieler Autos und Lastwagen sitzen in absehbarer Zeit keine Menschen mehr. Allen spektakulären Rückschlägen zum Trotz werden fahrerlose Kraftfahrzeuge immer besser und sicherer. Und nicht nur auf den Straßen werden Menschen als Akteure überflüssig ­ - sondern auch in den Büros. Die Revolution der künstlichen Intelligenz führt dazu, dass künftig Computer und Roboter viele Aufgaben erledigen, für die man heute noch Schreibtischpersonal braucht.

Kein Wunder, dass sich viele Menschen Sorgen machen: Welche Arbeitsplätze sind durch die neuen Technologien bedroht? Was passiert mit den Millionen Männern und Frauen, die heute Taxis und Lastwagen steuern, wenn die Fahrzeuge von allein fahren? Was passiert mit Bürokaufleuten oder medizinischen Assistenten, deren Arbeit der Computer übernimmt? Es gibt Untersuchungen, wonach der digitale Vormarsch enorm viele Arbeitsplätze vernichten wird, weil sich eine gleich bleibende Menge von Waren und Dienstleistungen bald von weniger Menschen produzieren lässt. Das ist eine Sorge, die man nicht abtun kann.

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Trotzdem sehe ich die Entwicklung  optimistisch. Gerade die USA werden sich erfolgreich an die neue Technologie anpassen. Es dürfte individuelle Verlierer des Wandels gegen, aber vor allem individuelle Gewinner. Insgesamt werden die USA durch den technologischen Wandel besser da stehen als zuvor. Die Wirtschaftsleistung wird zunehmen und damit potenziell auch der Lebensstandard. Wer arbeiten will, dürfte  gerade wegen dieses Wandels leichter Arbeit finden ­ nur eben oft eine ganz andere als bisher. 

So entwickeln Sie die richtige Digitalstrategie

  • Analysieren Sie die aktuelle Situation

    Bernd Holitzner ist seit 2010 Geschäftsführer des Beratungsunternehmens menovo GmbH, das sich auf Automation, Optimierung und Beratung von Geschäftsprozessen spezialisiert hat.

    Er rät: "Ermitteln Sie den aktuellen Prozessablauf – über Abteilungsgrenzen hinweg. Stellen Sie Start- und Endpunkt des Gesamtprozesses fest und definieren Sie Haupt- und Subprozesse. Zum Schluss eruieren Sie die verwendeten Tools. Wahrscheinlich haben Sie erste Schwachstellen und Optimierungspotenziale aufgedeckt. Jetzt können Sie sich vergewissern, ob die gestellte Anforderung diese berücksichtigt."

  • Prüfen Sie die Unternehmensstrategie

    "Prüfen Sie, ob die Anforderung die Unternehmensstrategie berücksichtigt. Ein Beispiel ist der Onboarding-Prozess. Die IT-Abteilung erwartet, dass Software installiert und Berechtigungen angelegt werden. Die Unternehmensstrategie fordert, dass der Prozess effizienter wird. Diese Bedürfnisse müssen Sie in Einklang bringen."

  • Optimieren Sie den Prozess.

    "Analysieren Sie die Optimierungspotenziale des aktuellen Prozesses. Das sind Prozessschritte, die die Unternehmensstrategie nicht unterstützen. Wenn Sie eine fundierte Auswertung benötigen, führen Sie eine Prozesskennzahlenanalyse durch. Dokumentieren Sie die Optimierung anschließend detailliert."

  • Finden Sie heraus, ob Technik den Prozess unterstützen muss

    "Anhand des Optimierungskonzeptes erkennen Sie, wo technische Unterstützung sinnvoll ist. Formulieren Sie, welchen Bedarf die Technik erfüllen soll. Soll die Fehleranfälligkeit im Dokumentenmanagement reduziert werden? Sollen Informationen firmenweit zugänglich werden?"

  • Analysieren Sie vorhandene Technik

    "Häufig existieren in Unternehmen Tools, die die Anforderungen erfüllen. Durch Kommunikationsdefizite oder mangelnde Prozesskenntnis werden diese nicht berücksichtigt. Überprüfen Sie genauer den Nutzen und die Potenziale der eingesetzten Tools. Erfüllen bestimmte Tools den Bedarf nicht? Dann untersuchen Sie mit der gleichen Akribie die Auswahl neuer Tools."

  • Stellen Sie sicher, dass die Technik anpassungsfähig ist.

    "Heutzutage ändert sich der Bedarf eines Unternehmens kontinuierlich. Stellen Sie sicher, dass Tools schnell und mit geringem Aufwand angepasst werden können. Zum Beispiel indem Funktionen via Konfiguration geändert werden können."

  • Bleiben Sie am Ball

    "Nachdem die Digitalisierung erfolgreich umgesetzt wurde, ist die größte Herausforderung, sie kontinuierlich anzupassen. Der digitale Prozess muss kontrolliert, hinterfragt und weiterentwickelt werden."

Der Hauptgrund für meine Zuversicht ist die Wirtschaftsgeschichte. Gewaltige technologische Umbrüche in kurzer Zeit sind überhaupt nichts Neues. Seit vielen Jahren erleben wir, wie Erfindungen  alte Maschinen überflüssig machen und wie der Computer Menschen um ihre bisherige Beschäftigung bringt. Und trotzdem bewegt sich die amerikanische Volkswirtschaft bei allen Konjunkturschwankungen am Ende in Richtung Vollbeschäftigung.

Am dramatischsten war der Umbruch in der Industrie. Roboter und selbsttätig arbeitende Maschinen ersetzen seit vielen Jahren immer mehr manuell arbeitende Menschen. Seit 1950 ist die Zahl der industriellen Arbeitskräfte in den USA von 13 Millionen auf neun Millionen zurückgegangen, während der Wert der Industrieproduktion inflationsbereinigt um 75 Prozent stieg. Viele der Millionen Arbeitnehmer, die in der Industrie keinen Job  mehr fanden, kamen in anderen Sektoren der  Volkswirtschaft unter.

Computer haben auch nicht nur Arbeitsplätze in der Industrie vernichtet, sondern auch im Dienstleistungssektor. Sie haben außer in alten Spielfilmen sicher schon lange keinen Liftboy mehr gesehen. Die Vermittlerinnen in der Telefonzentrale sind auch verschwunden. Die Bordkarte auf dem Flughafen kommt heute in der Regel aus Automaten. Und auch in der Anwaltskanzlei oder beim Steuerberater übernimmt  heute der Computer Tätigkeiten, die früher Angestellte für den Chef erledigten.

Das hat große Folgen – aber nicht für das Beschäftigungsniveau. Die amerikanische Arbeitslosenrate liegt augenblicklich bei 4,9 Prozent und damit unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte. Bei Amerikanern mit akademischem Abschluss, die in den USA 40 Prozent der Erwerbsbevölkerung ausmachen, liegt die Quote sogar nur bei 2,7 Prozent. Schon weil unter den jungen Menschen mehr studiert haben oder noch studieren als in der älteren Generation, wird die gesamte Arbeitslosenrate im Lauf der nächsten Jahre und Jahrzehnte tendenziell eher sinken.

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