Reformen in Russland: Wladimir Putins letzte Chance

Reformen in Russland: Wladimir Putins letzte Chance

von Florian Willershausen

Während der 16-jährigen Regentschaft von Wladimir Putin ist der Staatsanteil an der russischen Wirtschaft von 10 auf mehr als 50 Prozent gestiegen. Putin braucht eine neue Wirtschaftspolitik, wenn er im Amt bleiben will.

Eigentlich müssten die Russen ihrem Präsidenten Wladimir Putin massiv die Unterstützung entziehen: Der Rubel bricht mit dem Ölpreis ein, die zweistellige Inflation entwertet die Ersparnisse der Russen und mindert so deren Lebensstandard, die Wirtschaftsleistung sinkt rapide und liegt kaum mehr über der deutlich kleinerer Länder wie Italien oder der Türkei, einem von Putins neuen politischen Kontrahenten. Doch trotz der schweren Wirtschaftskrise ist die Popularität Putins, des Allrounders mit eingebauter Reformresistenz, innerhalb Russlands ungebrochen. Diese Unterstützung für Putin ist aber alles andere als für die Ewigkeit garantiert.

Jewgenij Gontmacher Russlands Wirtschaft im freien Fall?

Der russische Ökonom Jewgenij Gontmacher spricht im Interview über die Notwendigkeit liberaler Reformen in Russland, seine Erwartungen für das Wirtschaftswachstum und die Gefahr der Abhängigkeit von Öl und Gas.

Blick auf das Historische Museum (l), die St. Basilius Kirche (M) und den Kreml am roten Platz in Moskau. Quelle: dpa

Wenn Putin nicht kurzfristig zur Reform der überkommenen Wirtschaftsstrukturen Russlands ansetzt, wird seine Macht bröckeln. Ein dauerhaftes Absinken ihres Lebensstandards werden die Russen ihm nicht verzeihen. Zu sehr fußt Russlands ökonomische Krise auf einer Ansammlung von Putins ökonomischen Fehlleistungen: Statt freie Unternehmer und ihre Ideen zu fördern, stieg während Putins 16-jähriger Regentschaft der Staatsanteil an der russischen Wirtschaft von 10 auf mehr als 50 Prozent. Statt Anreize zur Weiterverarbeitung von Öl im Inland zu schaffen, entwickelte er ein Steuersystem, das bloße Rohölexporte begünstigt.

Anzeige

Statt dass Korruption und Bürokratie abgebaut wurden, wuchert in Russland ein korruptes Justiz- und Zollsystem. Nicht zuletzt schuf Putin mit seiner unberechenbaren Außenpolitik ein Klima der Unsicherheit für Investoren: Wer als Russe früher in Russland investiert hätte, schafft sein Geld heute lieber ins Ausland; internationale Investoren machen ohnehin einen Bogen um den Risikomarkt. Der Weg zur Weltmarktfähigkeit ist also weit.

Weitere Links zum Artikel

Solange sich Russen mit ihren Ideen im Silicon Valley selbstständig machen, weil sie in Russland keinen Kredit bekommen, solange ein Mittelständler des Erfolgs wegen von größeren Wettbewerbern enteignet wird, weil Letzterer die Gerichte bestechen kann, solange Banken selbst Konzernen für den Bau einer petrochemischen Fabrik keine langfristigen Kredite bewilligen – so lange wird dieses Land in der Stagnation feststecken. Beheben lässt sich die Schieflage nur, wenn Putin Russland aus der selbst gewählten Isolation holt und sich dem internationalen Wettbewerb stellt. Das Land braucht ein moderneres Bildungssystem statt mehr Militär. Rechtssicherheit muss her, Korruption und Bürokratie müssen bekämpft werden. Noch bestimmt nicht der Ölpreis Putins Schicksal, sondern er selbst. Aber nicht mehr lange.

Anzeige

3 Kommentare zu Reformen in Russland: Wladimir Putins letzte Chance

  • Vielleicht kümmern wir uns viel zu viel um Russland, wir sollten die Sanktionen ausbauen, Russische Ausweisdokumente außerhalb Russlands nicht mehr anerkennen und uns von diesen sinkenden Giganten Weitestgehend abkoppeln, dann kann uns egal sein was Russland macht und wann sie untergehen .
    Öl liefert die OPEC gern und Über Gaslieferungen steht heute ein sehr schöner Beitrag in der Welt !
    Russland hat an an Bedeutung verloren und das darf man ihnen auch merken lassen , also lassen wir Russland dort wo sie selber sein wollen , weit, sehr weit im Osten .

  • HUCH! Woher plötzlich die russlandkritischen Töne?
    Ein bisschen Mitleid hab ich ja immer schon empfunden, mit dieser geschundnen Nation. Das Land erstreckt sich über die halbe Erdkugel mit (je nach Betrachtungsweise)der doppelten Bevölkerungszahl von Deutschland.
    Ziemlich schwer, damit Staat zu machen.
    Wenn ich von Moskau aus Politik machen müßte, wäre ich auch froh um jeden daher gelaufenen Gauner, der sich am Arsch der Welt als Gouverneur oder Staatsanwalt oder Polizeihauptmann hergibt und würde selbstverständlich die Dieste eines ehemaligen KGB-Apparats dankbar in Anspruch nehmen, um dieses ganze Gesindel halbwegs unter Kontrolle zu halten.
    Von "Corporate Governance" in einem solchen Milieu zu träumen, verbietet sich von selbst...also lieber woanders hin mit Geld, Leib und Leben!
    Eine etwas betagte Nachbarin brachte es mir gegenüber mal halb flüsternd im Treppenhaus auf den Punkt:
    "Ach wissen Sie, Herr Jourdant, die Russen waren ja schon immer ein klein wenig hintenan!"

  • Guten Tag. Alle Artikel der Russischen ins Russische übersetzt und wird in den freien Zugang gelegt. Das ist echte Demokratie. In als auch Deutschland?
    Hier ist die Übersetzung ins Russische. Lesen Sie Kommentare (leider sind sie in Russisch). Sie werden sehen, dass es sehr weit von der Realität ist. Kudrin Russlands Hass und fühle mich sehr schlecht Ökonom.
    http://inosmi.ru/economic/20160213/235389350.html
    Es gibt viele Websites in Russland

Alle Kommentare lesen
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%