Roberto Azevêdo: "Natürlich gibt es Verlierer"

InterviewRoberto Azevêdo: "Natürlich gibt es Verlierer"

Bild vergrößern

Roberto Azevêdo

von Christian Schlesiger

Der Chef der Welthandelsorganisation hält Reformen der WTO für notwendig und fordert Unternehmen auf, ihre Stimme für den Freihandel zu erheben. Außerdem hat er hohe Erwartungen an den G20-Gipfel in Hamburg.

WirtschaftsWoche: Herr Azevêdo, weltweit gewinnen Protektionisten an Einfluss. Die WTO steht unter Druck. Muss sich die Welthandelsorganisation verändern?
Roberto Azevêdo: Die WTO ist ein Rechtsrahmen, unter dem der Welthandel organisiert wird. Wenn wir das System verbessern wollen, müssen wir neue Regeln hinzufügen. Wir können zum Beispiel neue Wirtschaftsbereiche in den Rechtsrahmen mit aufnehmen oder ganz neue Verhandlungen starten. Solche Reformen sind nötig.

Reformen innerhalb der WTO halten Sie für überflüssig?
Wir verändern uns doch schon ständig. Nehmen Sie das jüngste Beispiel einer WTO-Vereinbarung. Die Mitgliedsstaaten haben in diesem Jahr beschlossen, wie sie die Zollabwicklung beschleunigen wollen. Diese Vereinbarung funktioniert ganz anders als bisherige Vereinbarungen. Entwicklungsländer können zum Beispiel entscheiden, in welcher Geschwindigkeit Sie die Vereinbarung annehmen oder ob sie technische Hilfe benötigen. Das ist sehr flexibel. Außerdem waren die Verhandlungen für alle mehr als 160 Mitgliedsstaaten vollkommen transparent.

Anzeige

Also planen Sie eine WTO der unterschiedlichen Geschwindigkeiten?
Ja. Eine WTO der unterschiedlichen Geschwindigkeiten ist sinnvoll. Innerhalb einer Handlungsvereinbarung würden künftig die Mitglieder selbst entscheiden, wie viel davon und wie schnell sie Teile des Vertragswerks übernehmen wollen.

Zur Person

  • Roberto Azevêdo

    Der Brasilianer und studierte Elektrotechniker Roberto Azevêdo (Jahrgang 1957) ist seit 2013 Generaldirektor der Welthandelsorganisation WTO.

Im Sommer findet der G20-Gipfel in Hamburg statt. Was erwarten Sie von Deutschland?
Deutschland muss ein Gespräch über Handelspolitik und das multilaterale System anstoßen. Wir müssen jetzt über die Herausforderungen reden, die vor uns liegen. Natürlich gibt es unterschiedliche Sichtweisen innerhalb der G20 über die Bedeutung und die Folgen von Handel. Jedes Land hat eine eigene Handelsagenda. Ich erwarte von dem Gipfel in Hamburg, dass wir intensiv darüber reden werden, wie wir das Regelsystem verbessern wollen.

Ökonomie Die Pflichtlektüre für alle Gegner der Globalisierung

Vor 200 Jahren entwickelte der britische Ökonom David Ricardo seine Win-win-Theorie über die Vorteile des internationalen Warenaustausches. Sie ist aktueller denn je.

David Ricardo ist Pflichtlektüre für alle Gegner der Globalisierung. Quelle: Illustration: Miriam Migliazzi & Mart Klein

Das schwierige ist ja nicht, jene zu überzeugen, die an Handel glauben, sondern jene, die nicht daran glauben. Wie wollen Sie die Kritiker der Globalisierung erreichen?
All die, die vom Freihandel profitieren, müssen endlich ihre Stimme erheben. Sie müssen erklären, warum Handel wichtig ist. In der Realität ist das nicht der Fall. Man hört nur das Negative von jenen, die sich nicht wohl fühlen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%