Rohstoffe: Milliardenschatz unter der Erde Afghanistans

Rohstoffe: Milliardenschatz unter der Erde Afghanistans

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Eine Gruppe von Afghanen im Sarobi Distrikt überquert eine hölzerne Hängebrücke

von Hans Jakob Ginsburg

Wird der vom amerikanischen Verteidigungsministerium herausposaunte Fund gewaltiger Bodenschätze in Afghanistan dem Land Frieden bringen? Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Erst wenn es in Afghanistan Frieden gibt, lässt sich der Schatz wirtschaftlich nutzen.

Eine Mitteilung aus Washington hat Anfang der Woche viel Hoffnung geweckt. Wissenschaftler haben unter dem Boden des Bürgerkriegslandes schier unglaubliche Mengen von Rohstoffen gefunden, so klingt es jedenfalls aus dem US-Verteidigungsministerium. Danach sind mineralische Vorkommen in Afghanistan gefunden worden, die nach heutigen Marktpreisen 908 Milliarden US-Dollar wert sind. Zum Schatz am Hindukusch zählen der Pentagon-Studie auch Erdöl und Erdgas im Wert von bis zu 223 Milliarden Dollar, außerdem Lithium, das für die Zukunft der Auto fahrenden Menschheit (aufladbare Batterien!) immens wichtige Metall.

Gewaltige Zahlen sind das für ein bettelarmes Land mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 800 Dollar und Opium als Hauptexportgut. Die wohlhabenden Staat der Welt haben Afghanistan auf diversen Geberkonferenzen bisher 57 Milliarden Dollar Hilfe versprochen, das wäre mehr als das Doppelte der offiziellen jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Und aus Washington hieß es sogleich, die Rohstoff-Studie sei ein Mittel, Afghanistans Abhängigkeit von den Geberstaaten zu reduzieren, die derzeit fast alle Militär- und Polizeioperationen und große Teile des schlecht funktionierenden Staatsapparates finanzieren.

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Chinesen fördern bereits

Wenn das so einfach wäre. „Eher wird Sudan Gastgeberland der Olympischen Winterspiele, bevor diese Typen in Afghanistan eine Billion Dollar an ihren Rohstoffen verdienen", ließ sich der Sprecher des Verbands US-amerikanischer Bergbauunternehmen vernehmen. An der Tatsache, dass bis auf die Ausrüster der Streitkräfte kein amerikanischer Konzern wirtschaftliches Interesse am afghanischen Kriegsschauplatz hat, ändern auch die neuen Funde nichts.

Aber handelt es sich überhaupt um neue Funde? Ältere deutsche Geologen erinnern sich, dass in den Sechziger- und Siebzigerjahren, als die Bundesrepublik viel Entwicklungshilfe im damals noch friedlichen Afghanistan leistete, deutsche Experten viel Arbeit in die Kartierung und Bewertung von Rohstofflagerstätten in dem Entwicklungsland steckten. „Wir hätten damals solche Projekte nie durchgeführt, wenn keine bedeutenden Funde zu erwarten gewesen wären", meint ein Experte. Die Fachwelt weiß auch, dass nach dem sowjetischen Einmarsch 1979 Wissenschaftler aus Moskau die Arbeit fortsetzten. Amerikanische Zeitungsberichte deuten jetzt an, dass die jetzt so stolz proklamierten Ergebnisse zum großen Teil auf Explorationsberichten und Forschungspapieren beruhen, die afghanische Geologen in den vergangenen wirren Jahren schlicht aus ihrem Institut mit nach Hause genommen hatten.

Warum das alles nicht längst zu florierendem Bergbau in Afghanistan geführt hat, weiß jeder: Bürgerkrieg, Terror, eine kaputte Infrastruktur, die schon den ganz gewöhnlichen Handel behindert. Zum funktionierenden Abbau von Kupfer, Eisen oder Kohle braucht man Wasser, das im dürren Hochland knapp ist. Man muss Schächte bauen, Arbeiter finden, anlernen und vom Terror der Taliban schützen. Man braucht Straßen zum Transport der geförderten Rohstoffe. Passt alles nicht zum Afghanistan von heute. Von der erfolgreichen Exploration bis zur kontinuierlichen und profitablen Förderung „können überall auf der Welt leicht zehn oder fünfzehn Jahre vergehen", sagt Volker Steinbach von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Welcher Investor hat im unsicheren Afghanistan dafür genug Atem?

Einen gibt es freilich schon. Im Aynak-Tal, nicht weit von Kabul, fördert die China Metallurgical Group seit zwei Jahren Kupfer. Das Vorkommen hier wird auf einen Wert auf 88 Milliarden Dollar geschätzt, und die Chinesen haben sich einen auf 30 Jahre begrenzten Nutzungsvertrag drei Milliarden Dollar kosten lassen. Das ist bis heute die mit Abstand größte ausländische Investition in Afghanistan. Der damals amtierende Bergbauminister lebt inzwischen im wahrscheinlich komfortablen Ruhestand. Angeblich war er viel korrupter als der Durchschnitt seiner Kabinettskollegen. Das will was heißen.

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