Schattenwirtschaft: Schwarzarbeit ist kein Zukunftsmodell

Schattenwirtschaft: Schwarzarbeit ist kein Zukunftsmodell

, aktualisiert 07. Februar 2017, 07:01 Uhr
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Seit 2004 sank ihr Anteil am BIP in Deutschland um 5,3 Prozentpunkte, in Griechenland mit 6,6 Prozentpunkten sogar am stärksten der untersuchten Industriestaaten.

von Donata RiedelQuelle:Handelsblatt Online

Viel Beschäftigung, gute Konjunktur und steigende Löhne. Immer weniger Menschen arbeiten schwarz. Wie fast überall in ganz Europa, ist die Schattenwirtschaft auch in Deutschland auf dem Rückzug.

BerlinSchwarzarbeit ist kein Zukunftsmodell. In diesem Jahr wird sie weiter sinken. Das erwarten jedenfalls Friedrich Schneider von der Universität Linz und Bernhard Boockmann vom Tübinger Institut für angewandte Wirtschaftsforschung, die jedes Jahr im Februar die Schattenwirtschaft vermessen. Ursache dafür ist die anhaltend gute Konjunktur, verbunden mit der guten Lage am Arbeitsmarkt.

„Bessere Beschäftigungsmöglichkeiten führen dazu, dass weniger Personen ihre Arbeitskraft in der Schattenwirtschaft anbieten“, schreiben die Experten. An Fiskus und Sozialversicherungen vorbei dürften in diesem Jahr mit 330 Milliarden Euro sechs Milliarden Euro weniger erwirtschaftet werden als 2016. Der Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird damit auf 10,4 Prozent sinken.

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Der Anreiz schwarz zu arbeiten, sank auch wegen des Abbaus der Kalten Progression, ist Schneider überzeugt. Denn wenn bei Lohnerhöhungen der Steuertarif steigt und weniger im Portemonnaie bleibt, dann „ist das Anreiz“ für Schwarzarbeit, so Schneider. Zwei Drittel der Schwarzarbeit in Deutschland ist laut Schneider Nebenerwerbsarbeit: Der Fliesenleger, der abends und am Wochenende bar hinzuverdient, sei dafür typisch, ebenso der Babysitter und die Putzfrau. Vor allem im Handwerksbereich dürften Steuersenkungen immer auch die Schattenwirtschaft zurückdrängen.

Der Mindestlohn zeigt demgegenüber auf ganz Deutschland gesehen kaum Verdrängungseffekte in Richtung Schattenwirtschaft. Seine Erhöhung dürfte den Schwarzarbeitsumsatz lediglich um 300 Millionen Euro steigern, so die Studie. Allerdings sei der für ganz Deutschland geringe Effekt regional höchst unterschiedlich ausgeprägt.

„In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen arbeitet ohnehin fast niemand auf Mindestlohn-Niveau“, sagte Schneider. In Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg dürften der Mindestlohn und jetzt seine Erhöhung aber durchaus legale Arbeit ins Schattenreich verdrängen, ist Schneider überzeugt.


Schattenwirtschaft in Europa auf dem Rückzug

Insgesamt zeigt die Entwicklung der Schwarzarbeit seit 1995, dass sie eng mit der Marktlage am legalen Arbeitsmarkt verknüpft ist: Solange seit Mitte der 1990er Jahre die Arbeitslosigkeit in Deutschland stieg, legte der Anteil der Schattenwirtschaft kontinuierlich zu.

Seit den Agenda-Reformen der Regierung von Gerhard Schröder (SPD) nimmt sie ab: von einem Höchststand von 16,7 Prozent im Jahr 2003 auf  10.4 Prozent des BIP 2017, mit einem kleinen „Zwischenhoch“ im Rezessionsjahr 2009. Deutschland liegt heute mit seinem Schwarzarbeitsanteil im Durchschnitt der Industriestaaten.

Die Schattenwirtschaft ist in Europa insgesamt allerdings auf dem Rückzug, so die Studie. Seit 2004 sank ihr Anteil am BIP in Deutschland um 5,3 Prozentpunkte, in Griechenland mit 6,6 Prozentpunkten sogar am stärksten der untersuchten Industriestaaten. Trotzdem liegt sie in Griechenland mit 21,5 Prozent des BIP noch immer am höchsten in Europa, gefolgt von Italien mit 19,8 Prozent und Spanien mit 17,2 Prozent.

Die Schweiz verzeichnet dagegen mit 6,0 vom BIP die geringste Schattenwirtschaftsrate in Europa. Außerhalb Europas liegt sie unter den Industriestaaten nur in den USA mit  5,4 Prozent des BIP noch niedriger.  

Quelle:  Handelsblatt Online
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