Thailand: Das Mekka für illegale Waffen

Thailand: Das Mekka für illegale Waffen

, aktualisiert 03. August 2016, 20:19 Uhr
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Auf der Burapha-Straße in Bangkoks Innenstadt ist es einfach, Pistolen zu kaufen.

Quelle:Handelsblatt Online

Thailand zieht mit seinem friedlichen buddhistischen Image jedes Jahr Millionen Besucher an. Doch das Land hat eine dunkle Seite: Die Waffengewalt ist schlimmer als in den USA. 14 Menschen sterben pro Tag durch Schusswaffen.

BangkokEin kleiner Laden voller Glasvitrinen in Bangkoks Innenstadt, sechs, sieben Kunden sind da. Der eine fachsimpelt angeregt mit einem Verkäufer, der nächste handelt, und ein dritter zieht ein dickes Bündel Geldscheine aus der Hosentasche und blättert sie auf den Ladentisch.

Pistolen zu kaufen ist einfach in Thailands Hauptstadt. In der 300 Meter langen Burapha-Straße nahe dem Königspalast liegen mehr als 100 Waffenläden. Das Land, das mit seinem „Land-des-Lächelns“-Charme und der friedlichen buddhistischen Kultur Millionen Touristen aus aller Welt anzieht, birgt ein blutiges Geheimnis.

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Jedes Jahr werden hier mehr als 5000 Menschen erschossen, fast 14 jeden Tag. Der Pro-Kopf-Anteil liegt doppelt so hoch wie in den USA: In Thailand sind es statistisch gesehen 7,48 Erschossene pro 100.000 Einwohner, in den USA 3,55 – das geht aus einer Statistik der University of Washington in Seattle hervor. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Anteil bei 0,15 pro 100.000.

„Eigentlich sind die Thailänder nicht schießwütig und vermeiden Konfrontationen“, sagt Sicherheitsexperte Anthony Davis, der seit fast zehn Jahren in Thailand lebt. „Aber es gibt so viele Waffen, dass es schnell brutal wird, wenn einem die Hutschnur platzt.“

Das Zentrum für Handfeuerwaffen an der Hochschule für Internationale Studien in Genf sammelt Daten über die Verbreitung von Kleinwaffen. 650 Millionen gibt es weltweit, schätzen die Experten, zehn Millionen davon in Thailand. Statistisch haben damit 15 von 100 Einwohnern eine Waffe – was allerdings gar nicht mal so viel ist. In den USA haben 89 von 100 Einwohnern Waffen, und selbst in Deutschland 33 von 100 Einwohnern.

Das Problem in Thailand: Nur 3,8 Millionen Waffen sind mit Lizenz im Land, der Rest ist illegal. „Strikte Gesetze sind schön und gut, aber damit stoppt man keine Schießereien, wenn die Leute, die nichts Gutes im Sinn haben, sich einfach mit illegalen Waffen versorgen können“, sagt Thititorn Bupparamanee. Er ist Präsident des Waffenhändlerverbandes und Ladenbesitzer, der wie seine Nachbarn auf der Burapha-Straße Waffen nur an Lizenzbesitzer verkauft, wie er sagt.


Kriminelle, Waffenhändler, Polizisten

„Die wenigsten Todesfälle passieren mit legal gekauften Waffen“, sagt er. Das bestätigt das Innenministerium: Die allermeisten Schießereien passierten mit illegalen Waffen, sagt ein Sprecher. Manchmal kämen Pistolen bei Überfällen zum Einsatz, oft bei persönlichen Streitereien oder bei Abrechnungen unter Geschäftsleuten, vor allem im kriminellen Milieu.

Warum ist Thailand aber ein Mekka für illegale Waffen? „Thailand gilt als wichtigster schwarzer Markt für Waffen in Südostasien“, berichtet das Zentrum für Handfeuerwaffen. Das habe historische Gründe: Die USA und China hätten Thailand in den 70er Jahren als Transitroute für Waffen an die Bürgerkriegsparteien in Kambodscha genutzt.

Nach dem Ende des Bürgerkriegs seien viele Waffen von dort via Thailand nach Myanmar geschmuggelt worden. So habe sich ein lukratives Geschäft für Agenten, Händler und Logistiker entwickelt. In den Netzwerken seien Kriminelle, Waffenhändler, Polizisten und Armeeangehörige zu finden.

Privat lamentieren viele Thailänder über die Waffenkultur, aber es gibt keine einzige Organisation, die das Thema zur öffentlichen Debatte macht. Besitzer legaler Waffen wehren sich wie in den USA gegen striktere Auflagen: „Wie soll ich meine Familie sonst schützen?“, sagt der pensionierte Manager Sopchai Chaiyaphum. „Der Polizei vertraue ich nicht, und das Militär patrouilliert schließlich nicht die Straßen.“

Auf der Burapha-Straße unterhält sich vor einem Waffenladen ein Wachmann angeregt mit einem jungen Ehepaar über die Vorzüge bestimmter Modelle. Ihr Sohn, etwa sechs Jahre alt, betrachtet die Schaufensterauslagen sehnsüchtig wie ein Spielzeuggeschäft. Er zeigt auf eine Waffe. „Die da, die sieht echt cool aus“, meint der Kleine.

Quelle:  Handelsblatt Online
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