Tiran und Sanafir: Ägyptens undurchsichtiger Insel-Deal

Tiran und Sanafir: Ägyptens undurchsichtiger Insel-Deal

, aktualisiert 16. April 2016, 09:03 Uhr
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Das Rote Meer rund um die Insel Tiran vor dem Urlaubsort Sharm el Sheikh gilt als Tauchparadies. Nun geht die Insel (Hintergrund) in Ägypten an Saudi-Arabien.

Quelle:Handelsblatt Online

Zwei Inseln im Golf von Akabar gehören seit Menschengedenken Ägypten. Doch Kairo betont nun plötzlich angebliche Ansprüche Saudi-Arabiens. Kritiker wittern einen Kotau vor dem reichen Nachbarn.

KairoIn anderen Weltregionen streiten Nachbarn erbittert um Territorium und Seegebiete – Ägypten aber will Saudi-Arabien freiwillig zwei Inseln im Roten Meer überlassen. Die Eilande Tiran und Sanafir am Golf von Akaba stünden Riad rechtmäßig zu, erklärt die Regierung in Kairo wortreich. Viele Bürger sind perplex.

„Die Regierung überrascht mit einer Entscheidung 90 Millionen Ägypter, die seit Kindertagen an das Gegenteil gewöhnt waren“, sagte der Autor Ibrahim Eissa in seiner Fernsehsendung. „Deshalb ist das besorgniserregend und erschreckend.“

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Die Ablehnung ist erbittert, der Spott für die Regierung im Internet beißend. Denn Ägypten fühlt sich ohnehin krisengeschüttelt und angezählt, und viele Bürger sehen die Nation in ihrem Stolz verletzt, wenn nun einfach auch noch Land abgetreten wird. Kritiker werfen Präsident Abdel-Fattah al-Sisi nicht nur selbstherrliches und undurchsichtiges Gebaren vor, sie vermuten überdies einen Kotau ihres wirtschaftlich gebeutelten Landes vor dem mächtigen und reichen Saudi-Arabien.

Erst am Sonntag jubelten Al-Sisis Anhänger im Parlament, das letztlich auch über das Inselabkommen zu befinden hat, dem saudischen König Salman zu. Schon zum Empfang des Monarchen standen sie auf und klatschten, die nur sechsminütige Ansprache Salmans wurde mehrfach durch Applaus unterbrochen. Abgeordnete trugen Gedichte mit Lobpreisungen des Königs vor.

In den sozialen Netzwerken empören sich hingegen viele unter dem Hashtag „Awad verkaufte sein Land“ über den Insel-Deal. Es ist ein Hinweis auf ein Radiospiel der 1960er Jahre über einen Mann, der seinen Acker verkaufte – was im ländlichen Ägypten als ehrenrührig galt. „Hier, hier Pascha, eine Insel für eine Milliarde, eine Pyramide für zwei, und dann leg ich noch zwei Statuen drauf“, twitterte der im Exil lebende ägyptische Kabarettist Bassem Jussef.

Tiran, nur etwa sechs Kilometer vom ägyptischen Badeort Scharm-el-Scheich und der Sinai-Halbinsel gelegen, ist die größere der beiden Inseln und inzwischen ein beliebtes Touristenziel. Für viele Ägypter ist sie aber historisch eng verbunden mit den vier Kriegen des Landes gegen Israel in den Jahren 1948 bis 1973. Israel besetzte die Inseln 1967, gab sie aber im Friedensvertrag von 1979 an Ägypten zurück.


Ägypten steht derzeit besonders schlecht da

Dort hegte bislang kaum jemand Zweifel am ägyptischen Anspruch auf die Inseln, die am Eingang zum Golf von Akabar auch die Zufahrt zu den Häfen Eilat in Israel und Akabar in Jordanien kontrollieren. Doch die Regierung sagt jetzt, Saudi-Arabien habe die Inseln 1950 nur unter den Schutz Ägyptens gestellt, um sie gegen einen möglichen Angriff Israels zu verteidigen. Nach dieser Version ist Riad nun selbst in der Lage, die Insel zu schützen. Deshalb bekomme Saudi-Arabien sein eigenes Territorium zurück.

Der Menschenrechtsanwalt und frühere Präsidentschaftskandidat Chaled Ali glaubt nicht daran. Er hat eine Klage eingereicht, um die Vereinbarung zwischen Ägypten und Saudi-Arabien auszuhebeln, denn er hält sie für verfassungswidrig.

Ägypten steht derzeit besonders schlecht da. Nach fünf politisch instabilen Jahren und wegen islamistischen Terrors ist die Wirtschaft geschwächt. Vor allem die wichtige Tourismusbranche liegt darnieder, seit über der Sinai-Halbinsel ein russischer Ferienflieger mit 224 Menschen einem mutmaßlichen Anschlag zum Opfer fiel.

International gibt es diverse wunde Punkte. Viele Ägypter fürchten die Folgen eines Staudammbaus in Äthiopien, der ihnen im Nil weniger Wasser lassen könnte. Mit Italien wachsen Spannungen über den Fall Giulio Regeni, eines Studenten, der in Kairo mit Folterspuren tot aufgefunden wurde. Weil sie mit der Aufklärung nicht zufrieden ist, rief die italienische Regierung jüngst ihren Botschafter aus Kairo zu Konsultationen zurück.

Mit Saudi-Arabien indes ist sich Kairo nach Darstellung des Außenministeriums nach „mehr als sechs Jahren harter und langer Arbeit“ einig geworden. Regierungsnahe Medien beschreiben nun ausführlich, wie berechtigt die saudischen Ansprüche auf die Inseln gewesen seien.

„Ägypten hat unter keinen Umständen einen Quadratzentimeter seines Territoriums abgetreten“, schrieb die staatliche Zeitung „Al-Ahram“ am Montag. „Aber es wäre unvernünftig, unseren Brüdern das Recht zu verweigern, ihr eigenes Territorium zu behalten, da alle Dokumente ihr Eigentum belegen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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