Trumps Schwiegersohn Jared Kushner: Die stille Schlüsselfigur

Trumps Schwiegersohn Jared Kushner: Die stille Schlüsselfigur

, aktualisiert 19. November 2016, 12:09 Uhr
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Trumps Schwiegersohn wirkt unscheinbar und zurückhaltend. Bei den US-Wahlen soll er dennoch eine wichtige Rolle gespielt haben.

Quelle:Handelsblatt Online

Diplomaten beschreiben Jared Kushner als eine Art Anti-Trump. Nun wird der Schwiegersohn des künftigen US-Präsidenten für ein Regierungsamt gehandelt. Viel spricht aber dafür, dass er die Rolle der grauen Eminenz wählt.

WashingtonNicht immer muss Macht dröhnen. Jared Kushner ist ein stiller Mann. Er ist der Schwiegersohn des künftigen US-Präsidenten. Verheiratet mit Ivanka Trump, sind die beiden vielleicht das eigentliche Power Couple der neuen Präsidentschaft. Schon während des Wahlkampfs beschrieben US-Medien Kushners Rolle als die des eigentlichen Chefs hinter den gewaltigen Kulissen: entschlossener Treiber und Verhandler, ruhiger Weichensteller und Entscheider. Jetzt wird er für ein Regierungsamt gehandelt.

Trump traut außerhalb seiner Familie angeblich niemandem wirklich. Der heute 35-Jährige Kushner hat, wie es so schön heißt, sein Ohr, und er könnte für den nächsten US-Präsidenten extrem wichtig sein. Vielleicht ist es dafür gar nicht so wichtig, ob er dafür persönlich im Weißen Haus wirkt. Die Macht dieser Präsidentschaft entfaltet sich bisher reichlich informell und unorthodox. Trump sucht das Rampenlicht wie die Luft zum Atmen. Kushner scheut es eher.

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Würde Kushner ein Amt in der Regierung übernehmen, ließe sich das mit seinen bisherigen Tätigkeiten nicht vereinbaren. Laut „Wall Street Journal“ tätigte er Immobiliengeschäfte im Umfang von insgesamt 14 Milliarden Dollar (13,18 Milliarden Euro). Nun prüfen seine Anwälte angeblich rechtliche Konstruktionen für eine tragfähige Struktur.

Wäre er offiziell in Diensten der Regierung, würde Kushner in dieser Zeit keine Einkünfte aus seinen Geschäften erhalten. Und er müsste wohl mit seiner Familie nach Washington ziehen. Beides könnte dafür sprechen, dass er doch eher die Rolle der grauen Eminenz wählt. Informell und im Hintergrund. Kaum sichtbar, maximaler Einfluss.

Diplomaten, die Kushner getroffen haben, beschreiben ihn als eine Art Anti-Trump. Höflich, zurückhaltend, fast scheu. Respektvoll und ruhig habe er sich alle Positionen angehört, seine Meinung in den Treffen aber vollständig für sich behalten. Über seine Ansichten ist nicht viel bekannt.


Immer an Ort und Stelle

Aufgewachsen ist Kushner in einer Familie reicher Demokraten in New Jersey. Die Familiengeschäfte übernahm er de facto mit 25. In dieser Zeit lernte er Ivanka kennen, das Paar hat heute drei Kinder. Die meisten Bilder vor dem Wahlkampf zeigen Kushner als klassischen All American Boy: ein gertenschlanker Mann in Chinos, Poloshirt und Sportschuhen. Harvard-Abschluss, frischgewaschene Ausstrahlung, geschmackvoll gekleidet, ein echtes Ostküstengewächs.

Mit aller Macht widerspricht Trumps Team dieser Tage Berichten, es gebe eine Art Säuberungswelle, und Kushner sei daran maßgeblich beteiligt. Die Theorie geht so, dass Kushner für Chris Christie und dessen Umfeld eine Art Nemesis ist.

Christie war mal ein richtiger aufgehender Stern bei den Republikanern, unter Trump sollte er schon alles mögliche werden. Pech für ihn, dass er 2005 als Ankläger für die Verurteilung von Kushners Vater Charles wegen Korruption beteiligt war. 16 Monate saß der in Alabama ein. Angeblich soll nun Kushner dafür verantwortlich sein, dass nicht nur Christie keinen Fuß mehr auf den Boden bekommt, sondern dessen Umfeld gleich mit. Bewiesen ist das alles nicht.

In Innerstem der präsidialen Macht solle künftig Kushners Platz sein, erzählen Insider dem „Wall Street Journal“ und anderen Medien. Dort, wo Stabschef Reince Priebus wirken wird - und Chefstratege Stephen Bannon, für viele einer der größten Schmutzfinken der US-Politik. Das könnte auch deswegen spannend werden, weil Bannon mit antisemitischen Äußerungen auffällig wurde. Kushner ist jüdischen Glaubens.

Das hat immer wieder eine Rolle gespielt. Trumps Rede für die mächtige jüdische Lobbyorganisation AIPAC im Februar schrieb offensichtlich Kushner, zumindest war sein Name auf dem Redemanuskript zu finden. Wochen später verbreitete Trump ein Anti-Clinton-Bild bei Twitter weiter. Es zeigte einen Stern im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen, der nur mit viel Fantasie nicht antisemitisch interpretiert werden konnte. Trump erfuhr dafür heftige Kritik. Wieder sprang ihm Kushner sofort bei.

Im Wahlkampf wählte Kushner gezielt Veranstaltungsorte aus, bestimmte den Reiseplan maßgeblich mit. Nun soll er maßgeblich an der Auswahl der künftigen Regierung beteiligt sein. Er hat wichtige, mächtige Verbindungen ins Silicon Valley und als Herausgeber des „Observer“ in die weite Welt der Medien. Smart und jungenhaft, ist Jared Kushner eine Schlüsselfigur in Trumps Welt, und vielleicht bald weit darüber hinaus.

Quelle:  Handelsblatt Online
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