Görlachs Gedanken

Trump kommt, das chinesische Jahrhundert beginnt

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Der Gewinner ist China

Im Moment fremdelt also die Alte mit der Neuen Welt und die Neue mit dem Reich der Mitte. China auf der anderen Seite ist nicht zögerlich, im Ausland zu investieren, seine Anlagen zu diversifizieren oder Technologien in Richtung China zu bewegen. Auch in Deutschland sind chinesische Akteure sehr aktiv, kaufen ein und investieren. Über kurz oder lang wird China mit Ökonomien auf der ganzen Welt vernetzt und so Abhängigkeiten aufgebaut haben. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise wurde evident, wie viele Devisen das Reich der Mitte in US-Dollar auf der hohen Kante hat. Das Land ist also schon seit Längerem auf einem Expansionskurs, ein einstmals kommunistisches Land, das den Mutterländern des Kapitalismus an Liebe zum Freihandel übertrifft.

Eine vorläufige Bilanz des Zeitalters der Globalisierung zeigt: In den armen Ländern hat diese eine Vielzahl von Menschen heute weniger arm gemacht und zu mehr Wohlstand geführt hat. Gleichzeitig hat sie in den reichen Ländern einige wenige Reiche noch reicher gemacht. Länder wie China, Indien und Mexiko haben vom globalisierten Zeitalter profitiert – genauso wie Millionen Kunden in den westlichen Industrienationen von niedrigeren Preisen profitiert haben. Der ungehinderte und freie Fluss von Kapital hingegen, gerne über Investitions- und Finanz-Vehikel dubioser Art, hat zu einer Massierung von Wohlstand geführt, dem eine pralle Stagnation von Lohnentwicklung und eine gewisse Entkernung im Sozialstaatshandeln der westlichen Nationen gegenübersteht.

Das ist der Graben, der China und die USA (und der Westen insgesamt) voneinander trennt. Dieser Gegensatz beschreibt, warum Freihandel im Moment verschieden gesehen und politisch bewertet wird. Im Westen führt das zu einem gewissen Stillstand im politischen Handeln, was an den Debatten um Freihandelsabkommen mit den USA und mit China deutlich wird. Der Gewinner ist China. In der Weise wie die USA sich aus dem Weltgeschehen zurückziehen und isolieren, wird das kommunistische Land über Verflechtungen verschiedenster Art in Wirtschaft und Finanz mitsprechen.

Ganz generell ist das nichts Verwerfliches. Aber: China setzt damit Standards und Maßstäbe. Wenn der Westen sich aus dem Prozess herausnimmt, dann wird China die maßgeblichen Parameter bestimmen. Das Land ist nun nicht gerade für seine arbeitnehmerfreundliche Seite bekannt, wenn es auf dem afrikanischen Kontinent seinen Hunger nach Rohstoffen zu stillen versucht. Hat der Westen hier nichts anzubieten? Nachhaltiges, umweltschützendes Handeln? Menschenwürdige Arbeitsbedingungen? Wenn sich der Westen global betrachtet auf seine eigene Scholle zurückzieht, wird das als Misserfolg unseres Modells interpretiert werden. Mit der Wahl Donald Trumps ist diese Entwicklung wahrscheinlicher geworden, eine Entwicklung, von der China maßgeblich profitieren dürfte. Und so ist nicht das pazifische Jahrhundert angebrochen, sondern das chinesische.

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