Kabinettsposten für Milliardäre, Job-Erhalt für Arbeiter: Die zwei Gesichter des Donald Trump

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, aktualisiert 01. Dezember 2016, 10:46 Uhr
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Donald Trump inszeniert sich als Jobretter.

von Tim Rahmann

Donald Trump besetzt Schlüsselposten in seinem Kabinett mit Geschäftspartnern und ultrareichen Freunden. Gleichzeitig kämpft er aktiv um die Jobs der Arbeiter – und kann einen ersten Erfolg verzeichnen.

Welch große Wirkung selbst kleine Gesten haben können, hat Donald Trump Ende des vergangenen Jahres im Niemandsland von Iowa gelernt. In dem kleinen Örtchen Newton, vier Autostunden westlich von Chicago, hält David McNeer ein leidenschaftliches Plädoyer für den Milliardär aus New York, der angekündigt hatte, der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden zu wollen.

McNeer berichtete – wie schon Jahre zuvor im Fernsehen – von den Existenzängsten, die ihn 2010 plagten. Damals beschloss Maytag, ein Hersteller von Haushaltsgeräten, nach über 100 Jahren sein Hauptquartier von Iowa nach Mexiko zu verlagern. Nachbarn und Freunde wurden über Nacht arbeitslos, und viele Zulieferbetriebe mit nach unten gezogen. So auch die kleine Fima von David McNeer, die Werbeartikel herstellt. Einen Tag nach der TV-Ausstrahlung meldete sich Trump bei dem Familienbetrieb. Der Geschäftsmann von der Ostküste wollte helfen und bot an, Geschäfte mit McNeer zu machen.

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„Kein einziger Politiker hat sich bei mir gemeldet. Kein Bürgermeister, kein Senator“, beklagt sich McNeer bei dem Wahlkampfauftritt von Trump Ende 2015. Der Republikaner aber „habe großes Herz bewiesen“ und „Wort gehalten“ und mit seinen Aufträgen die Produktion am Leben gehalten. Die Geschichte macht die Runde.

Bei einem Wahlkampfauftritt Mitte Januar in Muscatine, Iowa, beruft sich Martin McKerrin, ein Gas- und Wasserinstallateur, im Gespräch mit der WirtschaftsWoche auf die Maytag-Story. Der Handwerker glaubt aus der Trump’schen Rettungsaktion ableiten zu können: „Obwohl er Milliardär ist, hat er nie vergessen, wer das Rückgrat unseres Landes ist: die kleinen und mittelständischen Betriebe.“

Trump als Retter der kleinen Leute

In Iowa – aber auch in den ehemaligen Industriehochburgen von Pennsylvania, Michigan, Indiana oder Ohio – ist man fortan überzeugt, dass Trump der Kämpfer des kleinen Mannes ist – und wählt ihn letztendlich ins Weiße Haus. Nun muss Trump, der gegen Freihandelsabkommen, Großkonzerne und die Wall Street gewütet hat, liefern.

Donald Trump im Portrait

  • Beruf

    Unternehmer, Entertainer, Schauspieler, Buchautor

  • Geburtstag

    14. Juni 1946

  • Sternzeichen

    Zwilling

  • Geboren in

    New York City

  • Größe

    1,87 Meter

  • Familienstand und Kinder

    Verheiratet in dritter Ehe mit Melania Trump und insgesamt fünf Kinder.

  • Motto

    „Make America Great Again“

Helfen sollen Trump nun ausgerechnet Freunde und ehemalige Geschäftspartner, die allesamt die Sorgen des kleinen Mannes nur schwerlich nachvollziehen können. Am Mittwoch wurde bekannt: Steve Mnuchin, Ex-Goldman-Banker und Filmfinanzier, wird neuer Finanzminister; Wilbur Ross, Milliardär und Spekulant, neuer Wirtschaftsminister.

Zuvor hatte Trump bereits eine andere Milliardärin für seine Regierungsmannschaft benannt: Die Investmentmanagerin Betsy DeVos, die eine Firma für Windenergie leitet, soll Bildungsministerin werden. Und: Der frühere Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, ebenfalls ein milliardenschwerer Geschäftsmann, gilt zusammen mit dem ehemaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani als Topfavorit für das Außenministeramt.

Vor allem die Wahl Steve Mnuchins sorgt für Stirnrunzeln. Laut Trump ist der 53-Jährige zwar „Weltklassebanker und -Geschäftsmann“. Doch hat Mnuchin 17 Jahre für die Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet. Eine Institution, die für viele Arbeiter symbolhaft für das eiskalte Treiben an der Wall Street steht.

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