Porträt: Donald Trump: Der (Un-)Mögliche

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, aktualisiert 09. November 2016, 05:24 Uhr
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US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump in seinem Element: Als Lautsprecher und Polarisierer.

von Tim Rahmann

Donald Trump schimpfte sich durch den amerikanischen Vorwahlkampf. Unterstützung erfährt er nicht nur von aufgebrachten Verschwörungstheoretikern, sondern bis weit in den Mittelstand. Ein Porträt.

Der Kampf gegen den „IS“. Der Rauswurf illegaler Einwanderer aus den USA. Und natürlich die Mauer nach Mexiko. Donald Trump gibt bei seinem Wahlkampfauftritt in Muscatine, Iowa, seine bekannten Gassenhauer zum Besten. Der Milliardär, der bei der ersten Vorwahl der Republikaner zu den US-Präsidentenwahlen am Montag in dem kleinen Bundesstaat im Mittleren Westen als Favorit gilt, schürt 65 Minuten lang Ängste und Vorurteile. Und das kommt bei den fast 2000 Anhängern an. In der Turnhalle der örtlichen Highschool sind an diesem Sonntagvormittag zumeist weiße Männer, 50 plus, kräftige Statur, zusammengekommen. Unter ihnen: die „angry white men“, die Wutbürger, die als klassische Unterstützergruppe von Trump gelten. Aber auch: kleine und mittelständische Unternehmer und ihre Angestellten.

Welche Staaten tendieren zu welchem Kandidaten

  • Demokraten

    Kalifornien, Connecticut, Delaware, Hauptstadt Washington, Hawaii, Illinois, Maine, Massachusetts, Maryland, Minnesota, New Jersey, New Mexico, New York, Oregon, Rhode Island, Vermont, Staat Washington (insgesamt 200 Wahlmännerstimmen)

  • Republikaner

    Alabama, Arkansas, Idaho, Indiana, Kansas, Kentucky, Louisiana, Mississippi, Montana, Nebraska, North Dakota, Oklahoma, South Carolina, South Dakota, Tennessee, Texas, West Virginia, Wyoming (insgesamt 144 Wahlmännerstimmen)

  • Eher Demokraten

    Colorado, Michigan, Nevada, Pennsylvania, Wisconsin, Virginia (insgesamt 74 Wahlmännerstimmen)

  • Eher Republikaner

    Alaska, Arizona, Georgia, Iowa, Missouri (insgesamt 46 Wahlmännerstimmen)

  • Völlig offen

    Florida, New Hampshire, North Carolina, Ohio, Utah, Zweiter Wahlbezirk von Maine, Zweiter Wahlbezirk von Nebraska, (insgesamt 74 Wahlmännerstimmen)

Von ihrem Votum hängt es ab, ob Donald Trump aus den Vorwahlen als Sieger hervorgeht und für die Republikaner am 8. November um den Einzug ins Weiße Haus kämpfen darf. Ob dem Mann, der gegen das Establishment hetzt und dessen Aufstieg weltweit mit einer Mischung aus Spott und Schaudern verfolgt wird, der Weg von der Polit-Karikatur zum Anwärter auf das mächtigste Amt der Welt gelingt. Trumps Chancen, bei jenen zu punkten, die täglich ihrer Arbeit nachgehen, dafür ein durchschnittliches Gehalt kassieren und zufrieden sind, wenn sich alle an die Regeln halten, stehen nicht schlecht. Viele Besitzer und Beschäftigte von inhabergeführten Betrieben hegen Sympathien für den erfolgreichen Immobilientycoon mit der Föhnfrisur, bewundern seinen Erfolg. Im Spätsommer gaben in einer Umfrage 41 Prozent der klein- und mittelständischen Unternehmer an, Trump für den besten Mann im Bewerberfeld der Republikaner zu halten. Sie sind der Beweis dafür, dass das Phänomen Trump mehr als nur ein Irrlicht zu Beginn dieses Präsidentschaftswahlkampfes sein könnte. Dass Trump, so irre seine Auftritte wirken, doch auf eine Resonanz trifft, die viel über die Vereinigten Staaten und ihren Zustand zu Beginn dieses Präsidentschaftswahlkampfes aussagt.

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Wo Washington als Bedrohung gilt

Martin McKerrin braucht nicht lange zu überlegen, warum er, der solide Unternehmer, auf einen Milliardär mit Föhnfrisur und Modelfrauen, abfährt: „Trump ist einer von uns“, sagt der Gas- und Wasserinstallateur, der unweit von Iowas Hauptstadt Des Moines einen Betrieb mit fünf Angestellten leitet. Trump kenne eben die Sorgen des kleinen Mannes: die Ungerechtigkeiten des Steuersystems und die Probleme mit immer neuen Regulierungen, die den Unternehmern das Leben schwer machten.

„Die Umweltbehörde, die Gesundheitsbehörde: Von ihnen kommen immer neue Auflagen und Bestimmungen.“ Damit müsse Schluss sei, sonst würde die heimische Wirtschaft noch „erwürgt“, glaubt McKerrin.

Tatsächlich tritt Trump – wie alle Kandidaten der republikanischen Partei – für Deregulierung und Steuersenkungen an. Geht es nach den Plänen des Milliardärs sollen Geringverdiener künftig keine Einkommensteuer mehr zahlen. Insgesamt soll es vier Steuersätze geben – bis maximal 25 Prozent. Wichtig für die Unternehmen: Egal, ob Großkonzern oder Kleinstbetrieb, die Körperschaftsteuer soll künftig bei 15 Prozent liegen. Dafür sollen sämtliche Steuerschlupflöcher geschlossen werden.

Zuletzt machten US-Pharmahersteller Schlagzeilen, indem sie reihenweise irische Unternehmen schluckten, um die Gewinne nicht in den USA, sondern zu deutlich niedrigeren Sätzen in Irland zu versteuern. Dieses System ist „ekelhaft“, sagt Trump. „Es gibt Unternehmer, die würden ins Ausland ziehen, nur um zwei Dollar zu sparen. Damit muss und wird Schluss sein“, ergänzt er in Muscatine.

„Ich habe keine Kunden im Ausland. Ich zahle hier meine Rechnungen, meine Mitarbeiter – und meine Steuern“, sagt McKerrin. „Das sollen bitte auch die reichen Konzerne tun.“ Dass auch andere Präsidentschaftskandidaten die Steuerschlupflöcher schließen wollen, beeindruckt den Handwerker nicht. Einzig Trump sei glaubhaft, findet McKerrin.

Es wirkt auf den ersten Blick absurd, dass die Mittelschicht ihre Hoffnungen in einen Multimilliardär setzt, der mit einem Hubschrauber von Wahlkampfauftritt zu Wahlkampfauftritt fliegt, der sich nie sorgen musste, ob offene Rechnungen beglichen und Mitarbeiter auch im nächsten Monat noch bezahlt werden können. Trump ging auf die teuersten Schulen und Universitäten, er spielt Golf und heiratete gleich mehrmals Models.

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