Werner knallhart: Olympische Spiele: höher, schneller und unglaublich langweilig

kolumneWerner knallhart: Olympische Spiele: höher, schneller und unglaublich langweilig

Kolumne von Marcus Werner

Für die Sportler soll Olympia ein unvergessliches Erlebnis sein. Aber die Gigantomanie lässt einen als Zuschauer mittlerweile kalt. Beeindruckend sind nur noch die Pleiten und Pannen. Solche Riesenspiele sind doch einfach nicht mehr zeitgemäß.

Es war der 8. Februar 1984. Ich war ein kleiner Junge, als die Winterspiele in Sarajevo eröffnet wurden. Das wollte ich unbedingt sehen, denn eigentlich hatte ich an diesem Tag Klavierstunde. Ich hatte aber die Woche über nicht geübt und auch keine Lust und so lag ich meiner Mutter so lange in den Ohren, ich wolle lieber die spektakuläre Eröffnungsfeier im Fernsehen gucken ("einmaliges Ereignis/ unvergesslich / willst doch, dass ich mich für Sport interessiere/ historisch/ Klavierlehrerin blöde Kuh"), bis sie die Klavierlehrerin entnervt anrief und mir einen winterlichen Fernsehnachmittag ermöglichte.

Das war der Olympia-Höhepunkt meines Lebens. Er wurde nicht mehr getoppt.

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Heute spiele ich freiwillig (und sehr klimperlich) Klavier. Und frage mich: Muss das wirklich sein mit Rio? Lässt das ganze Brimborium die Menschen nicht verhältnismäßig kalt im Verhältnis zum Aufwand?

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    Unternehmen, eigene Recherche

Den Sportlern sei es ja gegönnt. Eine Riesenparty, eine unvergessliche Zeit. Aber selbst von den Athleten gibt es Kritik: am gesundheitlich bedenklich verdreckten Wasser in der Segler-Bucht, an fehlenden Notstrom-Aggregaten für die Wasserpumpen auf dem See der Kanuten, an den spartanischen Unterkünften, an der fehlenden Stimmung im olympischen Dorf.

Und da haben wir schon den ersten Knackpunkt: die Organisation des Ganzen. Für Schwellenländer wie Brasilien mag der Zuschlag für die Spiele ein Kompliment sein, ist aber eben auch eine dramatische wirtschaftliche Belastung und überfordert die Verwaltung. Und die Fußball-WM 2014 in Brasilien hat gezeigt: Da spielt der Gastgeber einmal 1:7 und alles war umsonst. Fragen Sie mal einen Brasilianer, was ihm von diesem Turnier am stärksten in Erinnerung geblieben ist.

In wirtschaftlich starken, in der Organisation von Großevents erfahrenen Ländern wie Deutschland wiederum haben die Menschen gar keine große Lust mehr auf diesen Aufwand einer Olympia-Riesenshow. Man könnte auch sagen: Wir haben es nicht mehr nötig, es uns zu beweisen. Wir wissen auch so, wie man eine U-Bahn und einen Flughafen nicht rechtzeitig fertig kriegt.

Und das ist der allergrößte Knackpunkt. Das alte Prinzip von "höher, schneller, weiter" zieht nicht mehr, zumindest nicht mehr in unserer satten nordwestlichen Welt. Wir wissen, was wir können. Und wir wissen, dass das, was wir können, oftmals einfach zu teuer ist. Es scheitert nicht am Know-how, sondern am Geld. Man könnte auch sagen: an der Vernunft.

Wozu sollen wir uns die höchsten Hochhäuser der Welt in unsere Städte bauen? Unsere Ingenieure bauen sie lieber für andere in die Wüste, wo so etwas noch was zählt. Für uns selber bauen wir kleiner und bescheidener.

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