Berlin intern: Keiner will für Philipp Rösler sprechen

kolumneBerlin intern: Keiner will für Philipp Rösler sprechen

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Henning Krumrey, Leiter des Hauptstadtbüros der WirtschaftsWoche

Kolumne von Henning Krumrey

Der FDP-Vorsitzende hat ein Suchtproblem. Er sucht und sucht und sucht einen stellvertretenden Regierungssprecher.

Die Frage traf Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans frontal. Über seine Ablösung könne er nichts sagen, aber er habe sich gerade noch mit Kanzlerin Merkel „ausgetauscht“. Das Stichwort passte – ausgetauscht wird er nun selbst.

Anstelle des Westerwelle-Vertrauten möchte der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler lieber eine eigene Stimme im Bundespresseamt platzieren. Für Anfang der Woche haben Röslers Leute einen Termin bei Angela Merkel vereinbart, gleich nach deren Rückkehr aus dem Urlaub. Der Aspirant muss zum Vorstellungsgespräch. Denn Stellvertretende sind immer auch die Stimme der Kanzlerin, wenn Regierungssprecher Steffen Seibert gerade mal nicht kann.

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Der oder die Neue muss im Idealfall zwei Bedingungen erfüllen: gut vernetzt sein im Berliner Politik- und Journalistenbetrieb und gleichzeitig das Vertrauen des neuen FDP-Vorsitzenden genießen. Das Problem: Die Leute, zu denen Rösler einen engen Draht hat, sitzen in seiner früheren Wirkungsstätte Hannover oder sind bereits an Berliner Schaltstellen platziert. Und bei denen, die sich schon lange in Berlin tummeln, fehlt meist der Kontakt zum Niedersachsen. Hinzu kommt: Der Job, den Rösler zu vergeben hat, gilt nicht als attraktiv.

"Wer den Job annimmt, macht einen Fehler"

Es ist ein prekäres Beschäftigungsverhältnis. Zwar ist die Besoldung mit knapp 11.000 Euro sehr ordentlich, aber der Vertrag ist befristet. In zwei Jahren endet die Legislaturperiode, und derzeit schaut es nicht so aus, als könnte die FDP nach 2013 über Planstellen im Presseamt verfügen. „Wer den Job annimmt, macht einen Fehler“, sagt einer, der ihn gerade abgelehnt hat. „Der geht als Verlierer vom Platz.“

Für Rösler entwickelte sich die Personalsuche zum peinlichen Bittgang. Sechs Absagen sind inzwischen überliefert. Der frühere Parteisprecher und Pressemann des Bundespräsidenten Horst Köhler, Martin Kothé, führt mit sichtlicher Freude eine PR-Agentur. Der aktuelle Parteisprecher Wulf Oehme, bei den Journalisten als fair und korrekt, freundlich und verlässlich geschätzt, hat nur noch ein Jahr bis zur Rente. Schon im April hatte Rösler beim anstehenden Umzug aus dem Gesundheits- ins Wirtschaftsressort Holger Schlienkamp gefragt, ob er ihn begleiten oder als Nummer zwei ins Presseamt wechseln wollte. Schlienkamp votierte für die konzentrierte Sacharbeit.

Genauso ungünstig verlief Röslers Sondieren aufseiten der Journalisten. Ein Redakteur der „Bild“-Zeitung zog seine Zusage zurück, der Büroleiter einer Regionalzeitung wies schon Röslers Emissär ab. Auch bei ehemaligen Fraktionssprechern fühlte man vergeblich vor.

Dankbarkeit und Fairness sind in der Politik selten

Noch-Sprecher Steegmans zumindest kann der Ersatzkraft zwei Erfahrungen mit auf den Weg geben. Erstens: Dankbarkeit und Fairness sind in der Politik selten. Rösler hatte ihm zwar schon im April den Wechselwunsch angekündigt, dann aber nichts mehr von sich hören lassen. Steegmans hatte auf seine Erfahrung verwiesen und Loyalität zugesichert; Ersatz würde schwer zu finden sein. Ende Juli las er dann in der Zeitung vom bevorstehenden Karriere-Aus; erst vier Tage später bestätigte Rösler das im Vorbeigehen, am Rande der Kabinettssitzung. Zwölf Jahre lang hat Steegmans mit Umsicht der Partei in verschiedenen Funktionen gedient, Vertrauen bei Journalisten aufgebaut.

Zweitens: Familie hilft bei der Alltagsarbeit. „Es ist für einen Sprecher vorteilhaft, verheiratet zu sein. Denn dann ist er es strukturell gewohnt, für alles und jedes eine Erklärung haben zu müssen.“

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