Bundestagswahl 2017: AfD will Merkel das Direktmandat abnehmen

Bundestagswahl 2017: AfD will Merkel das Direktmandat abnehmen

, aktualisiert 22. Januar 2017, 14:51 Uhr
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Der AfD-Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern will bei der Bundestagswahl als Direktkandidat im Wahlkreis von Bundeskanzlerin Merkel antreten.

Quelle:Handelsblatt Online

Im vorpommerschen Wahlkreis von Kanzlerin Merkel schickt die Landes-AfD ihren Frontmann Holm ins Rennen ums Direktmandat. Doch ist das Vorhaben überhaupt realistisch?

StralsundEs blitzt herausfordernd in seinen Augen: Klar doch, es sei machbar, Angela Merkel das Direktmandat für die Bundestagswahl abzujagen. „Merkel hat mit ihrer Politik auf ganzer Linie versagt“, sagt der AfD-Landeschef von Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm. Im Staccato jagt der 46-Jährige durch Flüchtlingspolitik, Banken-Krise und Energiepolitik der Kanzlerin. Holm, ein ehemaliger Radiomoderator, gibt sich dabei pointiert kritisch, aber moderat. Scharfe Rechtsaußen-Töne - wie vom Thüringer Parteikollegen Björn Höcke - waren von ihm bislang nicht zu hören.

Am Sonntag hat ihn die AfD von Mecklenburg-Vorpommern für das Rennen um das Direktmandat in Merkels Wahlkreis 15 nominiert, der die Insel Rügen und die Region um die Städte Stralsund und Greifswald umfasst. „Wir wollen Merkel aus ihrem Wahlkreis politisch vertreiben“, sagt Holm. „Wir werden hier nicht kleckern, sondern klotzen.“ Die Bundes-AfD sei sich der Bedeutung dieses Wahlkreises bewusst.

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Ein Sieg Holms im angestammten Wahlkreis der Kanzlerin hätte nach Einschätzung der Partei mehr als nur Symbolwert: „Er würde zu einem Rücktritt von Merkel führen müssen“, glaubt Holms Amtskollege, Co-Landessprecher Bernhard Wild. „Eine Wahlschlappe würden Merkels Gegner aus den eigenen Reihen genüsslich aufgreifen.“

Seit 1990 hat Merkel das Direktmandat geholt. Bei der letzten Bundestagswahl vereinte sie 56,2 Prozent der Erstwählerstimmen auf sich. Die Kanzlerin kennt die Region an der Ostsee, kann mit einem Landwirt über die Fruchtfolge auf dem Acker ebenso fachsimpeln wie mit einem Fischer über Fangquoten, wie selbst politische Konkurrenten einräumen.

Der Rostocker Politologe Martin Koschkar ist deshalb skeptisch, dass es der AfD gelingen wird, Merkel den Wahlkreis streitig zu machen - trotz des starken AfD-Ergebnisses bei der Landtagswahl, wo sie mit 20,8 Prozent das zweitbeste Ergebnis nach der SPD einfuhr und noch vor der CDU landete. „Solche Äußerungen sind eine facettenreiche Form der Mobilisierung von potenziellen Wählern“, sagt Koschkar zu den vollmundigen Tönen, der Kanzlerin den Wahlkreis abzunehmen.


Der Rückhalt für die CDU bröckelt

Zudem wisse der Wähler zwischen Landes- und Bundespolitik zu unterscheiden, erklärt Koschkar. Die AfD hatte bei der Landtagswahl im touristisch geprägten Vorpommern nicht vorrangig wegen Merkels Kurs in der Flüchtlingspolitik gepunktet, sondern weil die Landesregierung mit unpopulären Strukturreformen vor allem im Ostteil des Landes für Unzufriedenheit gesorgt hatte.

Unübersehbar ist: Der Rückhalt der CDU in ihrer einstigen Hochburg Vorpommern bröckelt. Drei ehemalige Christdemokraten aus Merkels Wahlkreis sitzen inzwischen als AfD-Abgeordnete im Landtag. Im Dezember gründeten CDU-Mitglieder in Vorpommern als Reaktion auf das desaströse Wahlergebnis den landesweit ersten Konservativen Kreis, um hadernde Wähler und Mitglieder zu binden. Die CDU müsse wieder den konservativen Bereich abdecken, soweit wie es das Grundgesetz zulasse, gab der Sprecher des Kreises, Sascha Ott, vor.

Der CDU-Landesvorsitzende Lorenz Caffier gibt sich angesichts der Holm-Nominierung gelassen: „Angela Merkel hat immer die politische Auseinandersetzung gesucht und sich ihrem Wählerauftrag gestellt.“ Holm sei unglaubwürdig und unbeständig. Noch vor wenigen Tagen habe er gesagt, für die Menschen im Land Politik gestalten zu wollen, jetzt ziehe es ihn doch nach Berlin. Eine aktuelle Umfrage der „Ostsee-Zeitung“ sieht die Christdemokraten wieder im Aufwind.

Vorpommerns CDU-Basis will Merkel am kommenden Samstag als Direktkandidatin nominieren. Dies ist ihr erster Beliebtheitstest im Wahljahr 2017 in ihrer politischen Heimat. Bei der Aufstellung vor vier Jahren stand die Basis zu 100 Prozent hinter ihr.

Quelle:  Handelsblatt Online
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