Energiewende: Die Revolution im Heizungskeller

Energiewende: Die Revolution im Heizungskeller

, aktualisiert 14. Februar 2017, 09:41 Uhr
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Der Wärmesektor steht für mehr als 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland und ist somit eine relevante Größe bei den Treibhausgasemissionen.

von Klaus StratmannQuelle:Handelsblatt Online

Deutschlands Heizungskeller sind unter Klimaschutzgesichtspunkten eine Katastrophe. Die Studie „Wärmewende 2030“ zeigt auf, was sich ändern muss, wenn Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen will.

BerlinDie Latte liegt hoch: Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Die Energieträger Öl und Gas können dann also beim Beheizen von Gebäuden keine Rolle mehr spielen. Davon ist man derzeit noch weit entfernt. In Deutschland sind nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) derzeit rund 21 Millionen zentrale Wärmeerzeuger in Betrieb, darunter mehr als 19 Millionen Gas- und Ölkessel – und weniger als zwei Millionen Biomasse-Kessel und Wärmepumpen. Der Wärmesektor steht für mehr als 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland und ist somit eine relevante Größe bei den Treibhausgasemissionen.

Was muss passieren, damit die ehrgeizigen Ziele im Gebäudesektor erreicht werden können? Die Studie, im Auftrag von „Agora Energiewende“ angefertigt vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik sowie vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik, hält bis 2030 insbesondere einen kräftigen Zubau von fünf bis sechs Millionen elektrisch betriebenen Wärmepumpen für unabdingbar. „Um dort hinzukommen, sollten Wärmepumpen künftig auch in Altbauten eingesetzt werden, zum Beispiel als Hyprid-Modell in Kombination mit Gaskesseln, die an besonders kalten Tagen zusätzlich anspringen“, sagt Agora-Direktor Patrick Graichen.

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Auch an anderer Stelle muss deutlich mehr geschehen. Damit der Energiebedarf des Gebäudebestandes spürbar sinkt, bedarf es einer deutlich verbesserten Dämmung. Derzeit wird jährlich ein Prozent des Gebäudebestandes energetisch saniert. Die Autoren der Studie halten eine Verdopplung für erforderlich. Diese Forderung steht allerdings seit Jahren im Raum. Zwar sind staatliche Förderungen wie das KfW-Gebäudesanierungsprogramm kontinuierliche aufgestockt worden. Das hat aber nicht zu einer spürbaren Steigerung der Sanierungsrate geführt.

Nach Überzeugung der Autoren muss der Gebäudewärmeverbrauch bis 2030 gegenüber heute durch Effizienzverbesserungen um ein Viertel gesenkt werden. Unter dieser Prämisse bleibt dann der Anteil von Erdgas zum Heizen ähnlich hoch wie heute. Verlierer ist dagegen das Erdöl: „Für Heizöl ist in einem klimaschonenden und kosteneffizienten Wärmesystem 2030 kaum Platz mehr“, heißt es bei Agora.

„Die gegenwärtige Entwicklung bei der Gebäudewärme ist nicht so, dass ein solcher Wärmemix von alleine erreicht wird“, heißt es bei Agora. Mit anderen Worten: Die Politik muss nachhelfen. Die Frage, welche Instrumente dazu geeignet sind, lässt die Studie allerdings unbeantwortet. In den vergangenen Monaten hat es im Zusammenhang mit der Debatte um den „Klimaschutzplan 2050“ aus dem Hause von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) Forderungen gegeben, mit den Einbau von Heizkesseln, die mit Öl oder Gas befeuert werden, ab 2030 zu verbieten.

Der Klimaschutzplan bleibt in dieser Frage allerdings vage: Dort heißt es, um langfristig einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, müsse „deutlich mehr und deutlich schneller in die energetische Optimierung des heutigen Bestands“ investiert werden. „Spätestens im Jahr 2030 müssen die politischen Rahmenbedingungen so ausgestaltet sein, dass die energetische Sanierung von Gebäuden dem Anspruch eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestands weitgehend genügt“, heißt es im Klimaschutzplan.

Quelle:  Handelsblatt Online
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