Ferner Schnee an der Zugspitze: Hendricks auf den Spuren des Klimawandels

Ferner Schnee an der Zugspitze: Hendricks auf den Spuren des Klimawandels

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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks bei ihrem Besuch auf der Zugspitze. 

von Cordula Tutt

Bundesumweltministerin Hendricks besucht die Zugspitze. In Wanderkluft neben den Gletscher-Resten entwickelt sie ein Gespür für Schnee - und die Folgen des Klimawandels.

Barbara Hendricks steht vor einer gleißenden Wand aus Sonne und Schnee. Hier oben auf 2.650 Metern, kurz unterhalb der Zugspitze, schaut die Bundesumweltministerin auf eine zerklüftete Mondlandschaft, auf steile Bergwände und Geröllsenken, die von der Seilbahn und von Lifttrassen durchschnitten werden. Etwas tiefer johlen Touristen, die dort, wo mal Gletscher war, mit Rodeln auf dem letzten Schnee hinabrutschen. Drei hellblau glänzende Flecken jeweils von der Größe eines Bolzplatzes leuchten hervor. Sie sind von der Terrasse des Schneefernerhauses aus gut zu sehen. Es sind Reste des Gletschers, der dem Haus hoch oben am Steilhang von Deutschlands höchstem Berg den Namen gab. "Das ist schon erschreckend, dass nur noch ein Flecken vom Gletscher übrig ist", sagt Hendricks bei ihrem Besuch in der hochalpinen Forschungsstation, die früher mal ein Berghotel war. Sie trägt Wanderkluft samt Stiefeln und Woll-Fleecejacke.

Hendricks (SPD) ist mit ihrer bayerischen Kollegin Ulrike Scharf (CSU) auf den Berg gekommen, weil hier der Klimawandel deutlicher wird als in jeder Prognose und Modellrechnung. In gut 20 Jahren dürfte vom Nördlichen und vom Südlichen Schneeferner, den beiden Gletschern an der Zugspitze, nichts mehr übrig sein. Von den fünf Gletschern, die es im bayerischen Teil der Alpen gibt, bleibt wohl nur der Höllentalferner erhalten. Er liegt im Wettersteingebirge nach Norden hin, wo kaum Sonne hinreicht. Seit der Jahrtausendwende schmilzt von den Gletschern der Alpen jährlich im Schnitt ein halber Meter von oben ab. Ist ein Gletscher ganz weg, bleibt eine riesige alpine Schutthalde übrig.

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Die Wissenschaftler von zehn Forschungseinrichtungen haben hier oben ihre Instrumente installiert, um dem Wandel auf die Spur zu kommen - und vielleicht Tricks zu finden, seine Folgen zu mildern. Ihre Ergebnisse bisher: Die Baumgrenze rutscht nach oben und mit ihr wandern Tiere und Pflanzen, die anderen Lebewesen in höheren Gebieten die Lebensgrundlage streitig machen. Pro Jahrzehnt steigen die Temperaturen im Alpenraum um 0,65 Grad, zugleich werden die Wetter-Unterschiede zwischen einzelnen Jahren größer. Das hat die Vegetationszeit in weniger als einer Generation um zwei Wochen verlängert. Deshalb könnten Bauern früher säen und vielleicht mehr ernten. Allerdings steigt auch die Waldbrandgefahr deutlich. Mehr Pflanzenpollen und aggressivere Pollenarten fliegen im Gebirge umher - schlechte Nachricht für Allergiker.

Doch vor allem die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. "Wenn die Temperaturen steigen wie bisher, dann sind die Wintersportgebiete nicht mehr sicher", sagt Hendricks voraus. Sie selbst war schon einmal als Jugendliche auf der Zugspitze, die damals noch mehr Schnee übers Jahr trug. Verschiedene Studien legen nahe, dass bald nur noch wenige von Deutschlands Skigebieten schneesicher sein dürften. In den bayerischen Alpen gelten zurzeit die Hälfte der Skigebiete als schneesicher. Wenn sie Beschneiungsmaschinen einsetzen, gilt das für alle. In rund 20 Jahren dürfte das trotz Beschneiung nur noch für gut die Hälfte zutreffen. Allein die drei Berge Fellhorn, Nebelhorn und die Zugspitze dürften in zwei Generationen in Bayerns Alpen noch zum Skifahren taugen. Das Schneefernerhaus könnte in 100 Jahren inmitten saftiggrüner Almen liegen. Die Temperaturen steigen entsprechend. Allerdings wächst auf Gletscherschutt fast nichts.

Die Botschaft der Ministerin ist klar: "Es gibt einen Klimawandel, der vom Menschen gemacht ist", fasst sie die Ergebnisse der Wissenschaftler zusammen. Deshalb müssten nicht nur die Verhandlungen für weltweit mehr Klimaschutz vorankommen. Vor allem Menschen in reicheren Ländern sollten weniger Schaden anrichten. Kleinere Autos, sparsamere Häuser und weniger Fernreisen seien sinnvoll. "In einem wohlhabenden Land wie Deutschland müssen die Menschen durchaus ihren Beitrag leisten. Andere leiden stärker unter dem Klimawandel, können selbst aber weniger dagegen tun."

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Am Ende ihrer Tour bei den Wissenschaftlern darf die Bundesumweltministerin noch in ein ganz spezielles Forschungslabor. Hinter einer unscheinbaren Feuertür im Schneefernerhaus beginnt ein alter Stollen mitten durch den Berg bis zur österreichischen Seite. Den Stollen gruben einst die Österreicher, damit Feriengäste von dort hinüber auf die deutsche Seite konnten, von wo die Bergbahn bis ganz zur Spitze des Berges fährt. Mitten im Stollen saß der Grenzposten.

Der Stollen, knapp ein Kilometer lang, liegt im Permaforst, also im ewigen Eis. Für Forscher ein guter Ort, um die Schmelze im Boden über Jahre zu begutachten. Von Frost ist hier nichts mehr zu spüren. Als Hendricks sich im Stollen fotografieren lässt, fallen dicke Tropfen auf sie herab.

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