Hans-Werner Sinn: Die Krim-Krise gefährdet die Energiewende

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kolumneHans-Werner Sinn: Die Krim-Krise gefährdet die Energiewende

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Ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Gases fließt über russisches Territorium

Kolumne

Um auch in Zeiten ohne Wind und Sonne eine stabile Energieversorgung zu gewährleisten, brauchen wir Methanspeicher und Gaskraftwerke. Die Energiewende wird somit die Abhängigkeit von russischem Gas weiter erhöhen – und damit unsere außenpolitische Handlungsfähigkeit einschränken.

Der ungelöste Konflikt in der Ukraine hat für uns nicht nur außen-und sicherheitspolitische Risiken. Die Eskalation an der Krim gefährdet auch die Öl- und Gasversorgung Deutschlands – und damit die Energiewende. Die neue deutsche Energiepolitik nämlich kann ohne russisches Gas nicht funktionieren. Der Grund liegt in der Unstetigkeit des Wind- und Sonnenstroms. Beide Stromquellen bedürfen einer Technologie zur Glättung der Stromproduktion im Jahresverlauf. Diese Aufgabe können letztlich nur parallel verfügbare Gaskraftwerke übernehmen.

Ifo hat jetzt untersucht, ob es auch anders ginge. Anhand der Einspeisungen von Wind- und Sonnenstrom während aller 8760 Stunden des Jahres 2011 haben wir die zur Glättung dieses Stroms nötige Speicherkapazität berechnet. Die installierte Nennleistung beider Stromquellen betrug damals 54 Gigawatt. Zu einzelnen Stunden wurden schon mal bis zu 27 Gigawatt erzeugt, aber bisweilen auch nur 0,5 Gigawatt. Die durchschnittliche Erzeugung lag bei 7,3 Gigawatt. Die gesicherte Leistung, die in 99,5 Prozent der Stunden verfügbar war, betrug lediglich 0,9 Gigawatt.

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Hans-Werner Sinn: Präsident des ifo Instituts

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Um den Durchschnitt verwertbar zu machen und die gesicherte Leistung von 0,9 Gigawatt möglichst weit in Richtung des Durchschnitts zu heben, ist eine Speichertechnologie zwingend notwendig. Am effizientesten sind nach dem derzeitigen Stand der Technik Pumpspeicherwerke. Zu einer vollen Glättung würde man allerdings rund 3300 solcher Anlagen benötigen – mithin 100-mal so viele, wie Deutschland derzeit hat. Neue Speicherkraftwerke sind aber schwer durchzusetzen, da sie allerorten zu wütenden Bürgerprotesten führen. Am Jochberg in Bayern etwa erhob man die Sensen.

Und wenn man nicht den gesamten „Zappelstrom“ glättet, sondern nur einen Teil? Auch in diesem Modell ist das Resultat ernüchternd. Für die Glättung von vier Siebteln des Durchschnitts wären in Deutschland immer noch rund 440 Pumpspeicherkraftwerke erforderlich. Auch das ist jenseits aller politischen Möglichkeiten.

Alternativ könnte man die Energie in Akkus speichern. Dafür allerdings wären 164 Millionen Batteriesätze eines BMW i3 nötig – viermal so viele, wie es in Deutschland überhaupt Autos gibt. Die eine Million Elektroautos, die angeblich im Jahr 2020 auf Deutschlands Straßen fahren, würden nur mickrige 0,6 Prozent der benötigten Speicherkapazität liefern. Und die Autos dürften in den windstillen Zeiten des Jahres nicht fahren, damit sich ihre Batterien nicht entleeren.

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