Integration auf dem Arbeitsmarkt: Erst ein neues Land, dann die eigene Firma

Integration auf dem Arbeitsmarkt: Erst ein neues Land, dann die eigene Firma

, aktualisiert 12. August 2016, 21:05 Uhr
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Viele Zuwanderer sind wegen zahlreicher Absagen vom Arbeitsmarkt enttäuscht – und gründen dann ein eigenes Unternehmen.

von Aloysius WidmannQuelle:Handelsblatt Online

Die Arbeitslosigkeit unter Neuzuwanderern ist hoch, die Absagen vieler Arbeitgeber frustrierend. Deshalb gründen Einwanderer überdurchschnittlich oft eigene Unternehmen – und schaffen dadurch Arbeitsplätze.

BerlinWer ein Unternehmen gründen will, braucht etwas Mut. Den größten Schritt ins Ungewisse machen jedoch die, die in einem fremden Land den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. „Menschen mit Migrationshintergrund fehlt oft das Netzwerk, der Zugang zu Kapital und das Wissen, wie man sich in den deutschen Behörden zurecht findet“, erklärt Panu Poutvaara, Professor an der Münchner Universität und Direktor des Zentrums für internationalen Vergleich und Migrationsforschung am ifo-Institut. Dennoch sind es sehr oft Zuwanderer, die nach der zigsten Absage auf dem Arbeitsmarkt resignieren und in die Selbstständigkeit flüchten.

Davon profitiert die deutsche Wirtschaft. Unternehmer mit Migrationshintergrund beschäftigten 2014 rund 1,3 Millionen Menschen, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung jüngst gezeigt hat. Zusammen mit den 709.000 zugewanderten Unternehmern im Land macht das zwei Millionen Arbeitsplätze, die direkt an der unternehmerischen Tätigkeit von Migranten hängen.

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Je bunter das Unternehmertum, umso besser geht es der Wirtschaft – darin sind sich Experten einig. Denn je mehr Kulturkreise in den Chefetagen vertreten sind, umso leichter wird es für ausländische Bewerber, einen Job zu finden. Ausländische Unternehmer können dabei mithelfen, die Kosten der Integration von Neuzuwanderern zu senken, erklärt Poutvaara.

Zudem zeigen Zahlen: Unternehmen von Migranten exportieren häufiger als Firmen von Deutschen. Zuwanderer pflegen oft eine enge Verbindung zu ihrem Heimatland und anderen Kulturkreisen – und bleiben auch wirtschaftlich in Kontakt mit ihrer Heimat. Laut einer IAB-Studie sind Unternehmen von Migranten genauso innovativ wie Unternehmen von Deutschen. Und sie beschäftigen durchschnittlich sogar mehr Mitarbeiter.


Englisch sprechen!

Experten fordern deshalb, Zuwanderern das Gründen zu erleichtern. Das gilt für gut ausgebildete Migranten aus der EU, Amerika oder Asien. Es könnte aber auch ein Weg sein, die Flüchtlingskrise zu besser zu meistern. Zwar werden die Ankömmlinge aus Syrien und den Nachbarstaaten in den nächsten Jahren vielleicht keine Hightech-Unternehmen gründen.

Aber die hiesige Unternehmenslandschaft könnten die Geflüchteten durchaus beleben – und diversifizieren. Viele Flüchtlinge kommen aus Ländern mit einer weit verbreiteten Kultur der Selbstständigkeit. Unter den Asylsuchenden in Deutschland sind einige, die in ihrem Heimatland eine Werkstatt, eine Gastwirtschaft oder einen kleinen Handel betrieben haben. „Die Rate der Selbstständigkeit ist in diesen Ländern typischerweise viel höher als in Deutschland“, sagt Professor Poutvaara. „Viele dieser Geflüchteten können sich auch gut vorstellen, hier selbstständig zu arbeiten.“

Auch Arbeitgeberverbände fordern deshalb, das Gründerklima weiter zu verbessern. Das Gründen solle erleichtert werden – sowohl für Deutsche als auch für Zuwanderer, so Lutz Goebel, Präsident der Familienunternehmer.

Er könne sich vorstellen, Mitarbeitern auf Ämtern Sprachkenntnisse zu vermitteln: „Ein weitere Stellschraube wäre die englische Sprachbildung in den Ämtern, damit auch Migranten das Unternehmersein leichter gemacht wird.“

Das wäre aber zunächst nur ein erster Schritt. Denn gerade unter den Kriegsflüchtlingen gilt es zuerst einmal, das Asylverfahren abzuschließen. Denn solange dieses läuft, dürfen Flüchtlinge keine Unternehmen gründen. Auch Deutsch- und Englischkenntnisse müssen von vielen potenziellen Unternehmern erst erworben werden.

„Sie müssen die Kultur, besonders die Unternehmenskultur kennen lernen und ein Netzwerk aufbauen“, ergänzt Poutvaara: „Das dauert natürlich etwas Zeit, wird in Zukunft aber viele Potenziale entfalten.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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