Knauß kontert: Der SUV-Boom entlarvt die deutsche Seelenlage

kolumneKnauß kontert: Der SUV-Boom entlarvt die deutsche Seelenlage

Kolumne von Ferdinand Knauß

Der Verkaufserfolg der so genannten SUVs ist mehr als eine Auto-Mode. In ihm offenbaren sich Ängste und Sehnsüchte der Bürger, die die Politik nicht mehr befriedigen kann.

„Weltoffenheit“ gehört zu den nicht weiter begründungsbedürftigen Werten der deutschen Gegenwartsgesellschaft. Spricht man mit leidlich gebildeten, beruflich erfolgreichen und gesellschaftlich wohlgelittenen Deutschen über deren Einstellungen, so wird man vermutlich oft Bekundungen der eigenen Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Lebensstilen, Kulturen und Einstellungen hören. Und in Sonntagsreden und Bürgerinitiativen wird in zunehmend ritualisierter Weise die „offene Gesellschaft“ beschworen. Der Begriff geht auf ein berühmtes aber wenig gelesenes und daher meist missverstandenen Buch von Karl Popper zurück.  

Nur das Konsumverhalten will zu diesem Ideal nicht so ganz passen. Vor allem beim Autokauf offenbaren die wohlhabenden Deutschen (und nicht nur die) eher das Gegenteil von gelebter Offenheit.        

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Wenn demnächst die Internationale Automobilausstellung ihre Pforten öffnet, werden mehr als je zuvor so genannte Sports Utility Vehicles (SUVs) im Zentrum des Interesses stehen. Kolossale Wagen wie der „Concept X7“ von BMW.

Seit einigen Jahren steigen die Zulassungszahlen von Geländewagen kontinuierlich an. Seit 2013 werden die tatsächlich geländetauglichen Geländewagen und SUVs vom Kraftfahrbundesamt getrennt ausgewiesen. Im Jahr 2016 wurden 426.000 Fahrzeuge dieses Segments neu zugelassen, das ist eine Zunahme gegenüber 2013 von 73 Prozent. Jeder achte neu zugelassene Pkw war ein SUV. Und der Boom hat gerade im August 2017 mit einer Steigerung von 30 Prozent bei den Neuzulassungen noch weiter zugenommen. Zählt man echte Geländewagen hinzu, ist es jeder fünfte neue Pkw.

Der SUV-Trend in Zahlen

  • 2009

    Geländewagen: 244.792 Fahrzeuge

    Quelle: KBA

  • 2010

    Geländewagen: 295.254 Fahrzeuge

  • 2011

    Geländewagen: 360.105 Fahrzeuge

  • 2012

    Geländewagen: 461.244 Fahrzeuge

  • 2013

    Geländewagen: 218.068 Fahrzeuge
    SUV: 246.130 Fahrzeuge
    Gesamt: 464.198 Fahrzeuge

    Ab 2013 hat das KBA die Segmente neu eingeteilt und SUV gesondert gelistet

  • 2014

    Geländewagen: 232.230 Fahrzeuge
    SUV: 296.230 Fahrzeuge
    Gesamt: 528.460 Fahrzeuge

  • 2015

    Geländewagen: 259.325 Fahrzeuge
    SUV: 340.097 Fahrzeuge
    Gesamt: 599.422 Fahrzeuge

  • 2016

    Geländewagen: 289.465 Fahrzeuge
    SUV: 425.803 Fahrzeuge
    Gesamt: 715.268 Fahrzeuge

Weder ökonomische Rationalität noch ökologische Moral sprechen für diese Autos. Mit ihren riesigen Rädern und Ausmaßen sind sie gerade in parklatzarmen Innenstädten völlig unpraktisch. Vor allem sind sie aus naheliegenden Gründen höchst unwirtschaftlich, also unverhältnismäßig teuer in der Anschaffung (daher die Liebe der Hersteller zu ihnen) und aufgrund des erhöhten Energiebedarfs auch teuer im Unterhalt. Und wirklich geländegängig sind viele der SUV-Modelle auch nicht. 

So sehr die Deutschen auch das Klima retten und die Luft reinhalten und dafür Stickoxide und Kohlendioxid vermeiden wollen - oder das zumindest behaupten: Wenn es beim Autohändler zum Schwur kommt, bleiben energieeffiziente, abgasarme Kleinwagen und Mini-Vans immer öfter links liegen. Dann muss es eben ein SUV sein.

Warum?

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