Nach Kritik an liberaler Moschee: Bundesregierung rügt Türkei

Nach Kritik an liberaler Moschee: Bundesregierung rügt Türkei

, aktualisiert 23. Juni 2017, 17:06 Uhr
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Die Eröffnung einer liberalen Moschee durch die Berliner Frauenrechtlerin Seyran Ates hat unter Muslimen im Ausland für große Aufregung gesorgt. In der Moschee dürfen Männer und Frauen gemeinsam beten.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Bundesregierung hat auf die Kritik der Türkei an einer neu eröffneten liberalen Moschee in Berlin reagiert. Die Religionsausübung sei keine Angelegenheit des Staates, sagt der Sprecher des Auswärtigen Amtes.

BerlinDie Bundesregierung hat sich eine Einmischung der Türkei in religiöse Angelegenheiten der Menschen in Deutschland verbeten. Nach der türkischen Kritik an einer liberalen Moschee in Berlin, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, am Freitag: „Wie, wo, wann und in welcher Weise Menschen ihre Religion pflegen und ausüben, ist keine Angelegenheit des Staates.“ Dieser habe vielmehr keine Zuständigkeit zur Beurteilung theologischer Fragen, sondern die Pflicht, die Religionsfreiheit genauso zu schützen wie die Meinungs- und die Pressefreiheit. Die Bundesregierung sei daher überrascht und betroffen über die jüngsten Aussagen der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet.

Die dem türkischen Ministerpräsidenten unterstehende Behörde hatte die Eröffnung einer neuen liberalen Moschee in Berlin kritisiert und das Gotteshaus in die Nähe der Gülen-Bewegung gerückt, die die Türkei für den Putschversuch im vergangenen Jahr verantwortlich macht. Die Gründung der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, in der Männer und Frauen zusammen beten und Frauen auch predigen, geht auf die Initiative der Frauenrechtlerin Seyran Ates zurück. In Interviews wies sie eine Verbindung zur Gülen-Bewegung zurück.

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Auch das Bundesinnenministerium äußerte sich befremdet über die Aussagen von Diyanet. Derartige Äußerungen seien geeignet, den Frieden in Deutschland zu gefährden, kritisierte der Sprecher Tobias Plate. Sie könnten daher nicht einfach hingenommen werden. Das Ministerium werde dies im Dialog mit der Türkei auch ansprechen.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit einiger Zeit gegen mehrere Geistliche des staatlichen türkischen Islamverbandes Ditib in Deutschland wegen des Verdachts auf geheimdienstliche Agententätigkeit. Sie werden beschuldigt, im Auftrag von Diyanet Anhänger des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen ausspioniert zu haben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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